Pöbelmacker #17

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Die Zeit, in der Musik Teil einer umfassenden Jugendbewegung war und den Soundtrack bildete zum Aufbegehren gegen das Althergebrachte scheint endgültig vorbei zu sein. Was bleibt, ist jedoch die Musik an sich (ohne einen übergeordneten Kontext), die man dann vielleicht einfach so nehmen sollte, wie sie ist, egal ob im Hintergrund ein Major-Label, der Kumpeltyp von Übersee, spröde Booker, ein DIY-Gedanke oder vielleicht auch die Absicht, den großen Reibach zu machen, steht. Musik ist Musik, nicht mehr!! So zumindest seh ich das. Musik war für mich immer eine Art Katalysator heraus aus der alltäglichen Gefühlskälte und ich versuche sie um ihrer selbst Willen und ihrer Wirkung auf mich zu lieben, auch wenn schon das Experiment eines frühren Musiklehrers zeigte, dass dies eigentlich nicht möglich ist. Er spielte uns ein klassiches Stück vor, dass schon in etlichen Werbungen und Filmen verbraten wurde und stellte uns dann vor die Aufgabe, unsere Assoziationen dazu niederzuschreiben. Bei einem Großteil von uns Pennälern kamen dann tatsächlich Bilder hoch, die im direkten Zusammenhang zu der Werbung oder dem Film standen, auch wenn uns das nicht vielleicht nicht bewusst war.
Auch im Gespräch mit einem Freund kristallisierte sich heraus, dass Musik heute etwas relativ Eigenständiges ist. Beide waren wir uns einig, dass die Gesangsstimme einfach nur ein weiteres Instrument ist und die Band steht und fällt damit, ob sie in´s Ohr gleitet oder sich wie eine rückwärtige Geburt unter Schmerzen in dieses hineinzwängt. Der Text ,ja ich schäme mich, ist für mich deswegen oft nebensächlich, wenn er nicht gerade gegen sämtliche Menschenrechte verstößt. Dieser Gedanke oder vielleicht ist es eine Gedankenlosigkeit, das bacchische Element der Musik, welches auch einen Reiz auf mich ausübt, erleichtert es mir zum Beispiel, den zigsten Song mit der Quintessenz „Babe I love you so, please don´t go!“ anzuhören.

Lange Rede kurzer Sinn: Über das inhaltliche Gewicht der Songtexte von „Harlem“ (www.myspace.com/harlemduh) auf ihrem Album „Free Drugs“ kann man sich streiten, die Stimme geht jedoch rein und runter, wie mit Butter gefettet. Die Rhythmen erinnern entfernt an die der Modern Lovers oder vielleicht auch an spätere Stücke von „Velvet Underground“. Ein leicht melancholischer Grundton mischt bei allen Songs mit und es wird eine Elanlosigkeit ausgestrahlt, in der man sich suhlen möchte. Das Ganze wird dann irgendwie noch gepaart mit einer gewissen urbanen, abgeklärten Hippieästhetik, die auf dem schmalen Grat zum Nihilismus stolziert. Allein der Titel und Text des Songs „Psychedelic Tits“ ist Ausdruck davon, hat jedoch für eine Grinsen meinerseits gesorgt. Eine musikalische Nähe zum Sound der „Black Lips“ lässt sich nicht abstreiten, aber im Gegensatz zu diesen achten Harlem noch mehr darauf, sich eine Eingängigkeit bei den Songs zu behalten. Eine Gemeinsamkeit zu den „Black Lips“ besteht auch im Publikum, welches recht jung zu sein scheint und einen feuchten auf die oftmals ausgetretene Garageästhetik gibt. Sehr nettes Album, hat mir schon einige Male den Weg zur Arbeit versüßt…

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