Lyrical Gangster #1

Arschlöcher. Hinterhältige und dabei von Misstrauen zerfressene Arschgranaten. Trotzdem frage ich mich manchmal, ob der eine oder andere erst aufgrund der Umstände Arschloch geworden ist, oder es eigentlich immer schon war, quasi von Geburt an und nur darauf wartete, bis die Umstände es erlaubten, Arschloch zu werden. Müßig die Frage, zugegeben, da es am Endresultat Arschloch nichts ändert. Aber vielleicht sind ja nicht alle Arschlöcher, sondern in dem Fall die Abwartenden, die geduldig ausharren, bis ihre Stunde kommt. Hier könnte man genauso gut vom Drecksdeppentum sprechen. Finde ich treffender, ja hier erscheint es mir sinnvoller, die Bezeichnung Dreckdepp der Allerweltsbeleidigung Arschloch vorzuziehen: Vorher nur Depp, dann kam der Dreck, dockte sich an und fertig ist die einwandfreie Scheiße.
Hin und wieder kommt es ja auch vor, dass man sich selbst dabei ertappt, einen Hauch von Verständnis – und sei es nur für eine Sekunde – für Arschlöcher zu empfinden, wenn Arschloch vielleicht eine ganze Menge Pech gehabt hat und aufgrund dessen zum Arschloch geworden ist.
Niemals wäre er jedoch Drecksdepp geworden. Metaphorisch gesprochen: Drecksdepp kraxelt instinktiv auf einen Ast, kurz nachdem in ihm das Bewusstsein wachgeworden ist, dass zur Vervollkommnung seiner widerwärtigen Persönlichkeit zu einem absolut ekelerregenden Charakterparasiten noch der passende Wirt fehlt, und sitzt und wartet, und wartet und sitzt, wohlwissend, dass der passende Partner eines Tages schon kommen wird.
Arschlöchchen hingegen wird davongeweht, vielleicht noch als kleine Arschlochknospe, vielleicht schon als Arschlochadoleszent, möglich, dass die rauhe Brise des Berufslebens ihn erst packt und als Fäkalpraline durch etliche Güllepfützen zieht, bis unzählige Schmutzschichten an ihm drankleben, krankheitskeimbepatzt, einem Insektenkokon nicht unähnlich, die hässliche fette Raupe verpuppt sich und eines Tages knackt die Schale und eine monströse, mit Schleimdrüsen und Borsten übersäte Wurmkreatur furzt daraus hervor und reiht sich ein in die Riege derer, die unserem Leben ab und an diese graue Farbe verpassen, weil diese Brut alles andere schnurstraks aufsaugt, sich all das einverleibt, weswegen man noch am Leben bleibt, eine einzige Lichtgier dieser Glückszerstückler, Killer der Freude, Organverschacherer der Kunst, Assassine des Essentiellen, Lebenslustmuskelstrangdurchnager. Der Genussabfluss im Verreckbecken ist mit einem praktischen Lebensresteauffangsieb versehen zur ordentlichen Entsorgung der grauen Betonkotzbröckchen nach dem Fressgelage, um sich mit Gallegestank und glibbergleichen Sabberfäden, die den Mundwinkeln entweichen und bis zur modrigen Erektion hinabreichen…
Soviel zu den Arschlöchern.
Aber bei aller Widerwärtigkeit, Scheußlichkeit, Niederträchtigkeit, bei allen lebenslust- und luftabwürgenden Lügengeschwürsüberwucherungen, dummdreisten Smalltalk-Heiterkeitseiterungen, bei dem geschmacksverirrten Rotzdiktat Mode genannt, Szene-Fashionfaschismus, Banalitätsballungen, Individualitätsbegradigungen, den albernen naiven Alternativentwürfen seitens zusammengeflickschusterter Experimentalexistenzen, bei diesem Gefräßigkeitswettbewerb und der Zur-Schau-Stellung barock-ausladender, schwabbelnder und hüpfender Meinungshüften, bei allem Lästerverschwägerungstreiben und hintertriebenem Verschwisterungszelebriere, diese sich als modern erstinkende und erlügende Geschwätzvernetzung und einheitsbleierne alte Leier, bei all diesem Junge-Kunst-Gelaber, Jungautorenkleckersäcke, die keifend und geifernd alten Meistern nacheifern und scheitern, da sie lediglich klägliche Worthülsenfrüchte ernten, jeder zweite Pup, der den Gehirnwindungen entspringt, wird zu heftigen Intellektwinden aufgebläht.
Die Drecksdeppen sind immer ein wenig schlimmer.

Mclusky

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8 Antworten auf „Lyrical Gangster #1“


  1. 1 neuromo 02. Februar 2010 um 22:06 Uhr

    gosh darn it! hier dreht aber jemand an der qualitäts-schraube!

  2. 2 Administrator 03. Februar 2010 um 0:14 Uhr

    ja. schön.

  3. 3 Administrator 03. Februar 2010 um 11:23 Uhr

    Nelehmophon

    Mein Gott woher nimmt dieser Schreiberling nur diese genialen Wortneuschöpfungen? Grandios!!!

  4. 4 Cpt. Schmock 04. Februar 2010 um 1:03 Uhr

    Viel Blubb-Blubb und wo ist die tolle Reaktion mit dem Titel „???“ hin?

  5. 5 Administrator 04. Februar 2010 um 7:30 Uhr

    Wer’s nicht versteht (verstehen kann) ist selber schuld!

  6. 6 Cpt. Schmock 04. Februar 2010 um 10:59 Uhr

    Zwischen „verstehen“ und „gefallen“ besteht doch noch ein Unterschied.

  7. 7 Administrator 04. Februar 2010 um 13:42 Uhr

    Zwischen diesem Text und dem Posten eines simplen Penis-Fotos unter dem Deckmäntelchen des „Geschlechterverhältnisses“ gibt’s auch einen Unterschied.
    Dazu die tolle Reaktion mit dem Titel „???“.

  8. 8 Cpt. Schmock 04. Februar 2010 um 16:42 Uhr

    Allgemein ist die Fähigkeit einen Text von einem Bild unterscheiden zu können nie verkehrt.
    Ich fand den Artikel „???“ – aus wessen Schmiede er auch kam – ziemlich gut und frag mich immer noch wo er hin ist.

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