Frau Wirtschaft

Es gibt ein Lachen, dass mir explosionsartig aus dem Bauch springt und es gibt die 7 bis 8 Stunden anhaltende Maske eines festgekrusteten Grinsens, welche ich trage wenn es wieder heißt: „etza zahl i mol“ und mir mit einem gönnerhaften Nicken zehn Cent Trinkgeld überlassen werden. Ich sage Dankeschön und bin überrascht über die ungewohnt problemlose Geldübergabe denn eigentlich hatte ich mich auf das gewohnte wie viel-Kristallweizen-verleugne-ich-heute-Spiel eingestellt und bin fast ein bisschen enttäuscht dass ich mit einem Rechnungsbeleg davon komme. Aus dem Augenwinkel entdecke ich einen wild-gestikulierenden anfang sechzig Jährigen der die Hälfte seiner Zeit genau dort drüben verbracht hat. Ich merke schnell, dass er nicht Pantomime mit seinen Freunden spielt, sondern auf eine, wie ich finde äußerst agile Art meine Aufmerksamkeit gewinnen möchte, neugierig nähere ich mich seinem, in all den Jahren treu verteidigten Stammplatz und bitte ihn höflich mir sein Anliegen vorzutragen. Der Gute möchte mit seinen kostbaren Worten nicht so verschwenderisch hausieren und gestikuliert erneut, diesmal mit Krug in der Hand. Um ganz sicher zu gehen, erfrage ich den gewünschten Inhalt und bekomme einen antwortartigen Auswurf, der meine Mutmaßung leider nicht bestätigt. Verständlich, dass der mittlerweile von dunklem Beige in Mittelrot übergegangene Gesichtsbrei entrüstet ist, da Selbiger jahrelang von quälenden Fragen dümmlicher Bediensteten belästigt wurde.
Es gibt wiederum auch solche, die mit mir reden, ja die sich sogar die Mühe geben, sich einen Namen für mich auszudenken. Einer meiner Favoriten ist ganz klar „Fräulein“, gepaart mit einem forschen autoritären Ton ist das schon was ganz Eigenes. Wenn jetzt noch der selbe erfinderische Geist beherzt mein Handgelenk packt um sich meiner ungeteilten Aufmerksamkeit zu bemächtigen merke ich ein leichtes jucken unter meiner Krusten-Maske doch bleibt zum Glück nicht genug Zeit um sie vollständig abzugubeln ich sehe da was im Augenwinkel.

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4 Antworten auf „Frau Wirtschaft“


  1. 1 ackackack 20. Februar 2010 um 5:43 Uhr

    Ganz besonders schön ist auch immer ein langezogenes: „SIIA“, die forsche Form des „Sie“, die schon eine Drohung beeinhaltet…

  2. 2 nelehmophon 20. Februar 2010 um 12:48 Uhr

    Ich weiß nicht aber irgendwoher kommt mit das doch bekannt vor ;)

  3. 3 firlefurz 21. Februar 2010 um 12:03 Uhr

    wie wärs für deinen abgang irgendwann mal mit so ner clown-spritzblume gefüllt mit tintenkillerflüssigkeit? :)

  4. 4 firlefurz 21. Februar 2010 um 12:25 Uhr

    das stinkt so schön wenn man versucht es wegzureiben hihihi

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