Archiv für den 1. März 2010

Lokalpatriotismus am Beispiel der „kulinarischen Staatsbürgerschaft“

Wenn einem nach dem Lobgesang über eine Tasse Kaffee (come on!) mal die Idee kommen sollte, weitere Grundnahrungsmittel abzufeiern, so fällt dem spontanen persönlichen Brainstorming auch die Zigarette zum Opfer. Es reißt manche Menschen aus dem Schlaf und das erste, was die Sinne zu verzaubern weiß, ist der Drang nach einer Überdosis Koffein und seinem Kumpel im Geiste, der mit Teer und Kondensat einen Pakt geschlossen hat, um alles in konsumierendem Geiste der Endlichkeit zuzuführen.

An sich natürlich eine tolle Sache, aber schon nach kurzer Zeit beschleicht einen das Gefühl, dass diese Mischung nicht ausreicht, um den Fortbestand der menschlichen Rasse zu sichern. Der Magen sehnt sich nach Mampf, den es heranzuschaffen gilt. Da das immer schon mit relativ großem Aufwand verbunden war, machte sich der Mensch schnell ans Werk und erfand die Zusammenstellung kleinerer Fressalien, die seiner Nachwelt als Fast-Food oder Frittenschmiedenfraß ein Begriff werden sollte. Bereits in der Steinzeit war der Vorfahre damit beschäftigt, seine berufliche Selbstständigkeit mit einer Mammutbräterei unter Beweis zu stellen (so denke ich mir das zumindest). Der Erfolg dieser genialen Geschäftsidee stellte sich auch erdrutschartig ein und vor Spelunken wie Säbelzahn King, T-Rex Castle oder McMammut sammelten sich Menschenmengen, die im Ride-In-Bereich auf eine Magenfüllung warteten und den Pommes-Schüttler hinter dem Tresen verhöhnten, um sich die Zeit zu verkürzen.
Parallel dazu entwickelten sich diverse „Esskulturen“ in verschiedenen Regionen, die auf der Verfügbarkeit der gegebenen Tiere und Pflanzen, die das Klima bereitstellte, basierten: Während der Italiener mit scharfen Messern Teigfladen durchs Unterholz hetzte und schließlich das Erlegte als Pizza und Pasta unters Volk brachte, popelte der Deutsche in seinen Körperöffnungen, um der Welt schließlich die Genüsse von Sülzen und Schmalzbroten zu verkaufen. Der Grieche gab sich weniger kreativ und zerfetzte das Wiener Schnitzel, um es mit Salat und Knoblauchpampe als Gyros-Teller anzupreisen, ebenso wie der Engländer Fischabfälle mit frittiertem Kartoffelmüll als Weltkulturerbe auswies. Es dauerte nicht lange und jede „Nation“ hatte ihre eigene Fresskultur etabliert, um damit global hausieren zu gehen. Allerorts exportierte der Franzose Lurchistelzen, die Dönerhöhlen schossen in jedem deutschen Vorort aus dem Boden und alles was der Spanier an Abfällen auf den Tellern liegen hatte, wurde in Tüten gepackt, um vom Bofrostmann als Paella an die dankbare Hausfrau geliefert zu werden.
Eigentlich war soweit alles in Ordnung, doch ein Phänomen des geschäftstüchtigen Zeitgeists im Zeichen des schnellen Euro örtlicher Hähnchenbratereien führte der geselligen Völkerverständigung Schaden zu: Die kulinarische Staatsbürgerschaft.

Fortsetzung folgt demnächst.