Es ist wieder soweit! Der Schnee schmilzt, die grauen Wolken verziehen
sich, um einen Himmel von einem blau zu offenbaren, der keiner
Bearbeitung im Photoshop bedürfte, wäre er Hintergrund eines Fotos von
einem wunderschönen Hotel auf Ibiza im Reisebüroprospekt.
Eines morgens wachst du auf, und wenn du aus dem Fenster schaust,
siehst du wunderschönes Wetter.
Aber du lässt dir nichts vorgaukeln,
schließlich bist du es gewöhnt, dass es schön aussieht, du bist auch
während der letzten 2 Monate oft genug auf den Schein reingefallen.
Doch wenn du dein Fenster geöffnet hast, hast du ganz schnell gemerkt,
dass der Plan, den Wintermantel endgültig wegzupacken, etwas verfrüht
geschmiedet wurde. Doch nicht dieses Mal! Du steckst den Kopf aus dem
Fenster, oder, wenn du besonders viel Glück hast, geht raus auf den
Balkon, und erwartest diese kalte Luftwand, die dich dazu bringt, die
Augen etwas zusammenzukneifen. Aber sie kommt nicht. Nur ein ganz
leichtes kühles Lüftchen, so unglaublich angenehm wie der erste
Schluck von deinem Bier im überfüllten Biergarten, auf das du 20
Minuten, halb verdurstet von der Fahrradfahrt dorthin, gewartet hast.
Ein Kribbeln bewegt sich leicht hüpfend von deinen Zehenspitzen bis
hinauf zum höchsten Punkt deiner Nase, um sich dort ein wenig
auszuruhen und sich dann über deinen Kopf zu stülpen, wie das Wasser
in der Badewanne, wenn du zum ersten Mal ganz untertauchst. Und sofort
passieren so viele Dinge gleichzeitig! Du atmest ein und merkst: So
gut hat sich Luft schon lange nicht mehr angefühlt! Du versuchst
diesen sauberen, berauschenden Duft so intensiv wie möglich
einzusaugen, du fragst dich: wo kommt er her? Und dann schaust du dich
um. Du siehst irgendwo eine erste zarte Blüte, oder vielleicht sogar
einen kleinen Krokus, der beginnt, sein Köpfchen nach draußen zu
strecken! Am liebsten würdest du einfach deine Wohnungstür aufreißen,
nach draußen stürmen und losrennen. Und dann wird dir klar: das kannst
du! Einfach nen Pulli übern Kopf ziehen und ab dafür! Keine
umständlichen Überlegungen, was von deinen Klamotten du noch
zusammenfügen kannst, um weder zu frieren, noch allzu bescheuert
auszusehen. Kein Suchen mehr nach Mütze und Handschuhen, von denen du
natürlich erstmal nur einen findest. Einfach raus! Und an diesem
ersten Tag ist alles wunderschön! Du bist wieder ein kleines Kind. Du
läufst durch die Straßen und freust dich an jeder einzelnen Farbe, an
jedem einzelnen verspielten Sonnenstrahl, der deine Wangen kitzelt, an
jedem einzelnen lächelnden Gesicht. Dann holst du dir ein Eis (oder
auch einen Slushie von dem fast schon grotesk anmutenden Mann mit
Eiswagen vor dem Istanbul) und setzt dich in den Park oder auf eine
Bank. Danach nimmst du vielleicht den ersten Zug von einer
es-ist-warm-draussen-Zigarette, bei der du dich nicht beeilen willst,
weil du wieder reinmöchtest, sondern sie einfach genießen kannst. Denn
es ist Frühling!

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