Von altgriechische Tragödien

Bacchus, oder auch Dionysos: der Gott der Auschweifungen, der Lust und des zügellosen Rausches. Wo er auftaucht, ist gutgelauntes Chaos Programm. Vor allem dann, wenn er mit seinen Begleiterinnen, die nach ihm die Bacchae genannt werden, auftaucht. Ob Bacchus selbst am 22. Februar im Jahre 2010 n. Chr. im Epplehaus anwesend war, ist nicht überliefert, seine Gefolgschaft jedenfalls war angekündigt. An diesem Abend sollte die britische Band „The Bacchae“ auftreten.

Eine Band, die sich nach einer griechischen Tragödie benannt hat, die ihren Namen wiederum von den in ihr auftretenden Bacchus-Anhängerinnen hat – was soll man da erwarten? Gleich, was die Erwartungen waren: Das Ergebnis ist mit wenigen Worten nicht zu beschreiben. Fröhliche Düsternis und brachiale Sanftheit sind nur zwei Oxymora, derer man sich bedienen könnte, um die Klänge dieser Mänaden zu beschreiben. Schon die Erweiterung der klassischen Besetzung Schlagzeug, Gitarre, Bass und Gesang um eine Orgel bzw. ein eine solche simulierendes Keyboard, gespielt vom virtuosen Mr. Fox, führt zu neuen und erfreulichen Klangqualitäten. Natürlich ist im Genre der 60’s Garage-artigen Musik eine Orgel nichts unbedingt Neues, doch in diesem Fall wird sie mit derartiger Eloquenz und eben Virtuosität beherrscht, dass man nicht umhin kommt, vor Bewunderung zu staunen.

Unnötig den Rest der Band einzeln vorzustellen, es reicht zu sagen, dass jeder einzelne der Bandmitglieder sein Instrument mehr als nur beherrscht und auch showmäßig ganz klar immer und von jedem etwas geboten wird, langweiliges Rumgestehe war nicht zu beobachten. Natürlich muss man aber über die Frontfrau einige Worte verlieren. Wie hier mit zuckersüßer, angenehm rauchiger Stimme und nettestem Lächeln im Gesicht die Ausschweifungen dionysischer Lebenskunst gepriesen werden, ist einfach eine Augen- und Ohrenweide. Ebenfalls zu erwähnen wären da noch die hübschen Tremoli, die sich ab und zu in Harriets Stimme einschleichen, nach eigener Aussage „by accident“.

Ich möchte mir weder zumuten noch anmaßen, einen Versuch der Beschreibung der gespielten Musik von mir zu geben, da dieser hinter den Tatsachen zurückzubleiben nicht umhinkommen dürfte. Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, höre sich auf myspace mindestens die ersten drei Tracks an, oder schaue gleich dieses hübsche Video an:

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