Ein geeigneter Lehrer?-Über den strammen Rechtsaußen G. G.

Das geht grad auf Tü-Info ab. Da gibt’s auch n Link zu nem SWR-Beitrag:

Am Montag ist am Wildermuth-Gymnasium in Tübingen folgendes Flugblatt verteilt worden:

Mehr Infos gibt es auch unter:
http://aktauwetter.blogsport.de/category/allgemein/

Hier ist der Inhalt vom Flugblatt:
Ein geeigneter Lehrer?
- Über den strammen Rechtsaußen Günter Gottschlich

Der Tübinger Lehrer Dr. Günter Gottschlich vom Wildermuth-Gymnasium fällt als fleißiger Leserbriefschreiber für die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ auf. Die „Junge Freiheit“ (JF) gilt Kennern als wichtiges Medium der ‚Neuen Rechten’. Diese „Neuen Rechten“ versuchen jenseits von Hitler-Verehrung und Neo-Nationalsozialismus rechtsradikale Einstellungen politikfähig zu machen. Ihre intellektuellen Bezugspersonen und Vorbilder sind vor allem die rechten Gegner der Weimarer Demokratie, die durch ihr Wirken zur Entstehung des Dritten Reichs beitrugen.

Von Günter Gottschlich wurden in der „Jungen Freiheit“ mindestens zwölf Leserbriefe abgedruckt (2002-2009).
In seinem jüngsten Leserbrief (JF 44/2009) wettert er gegen den „mal wieder hart […] den Volksverhetzungsknüppel schwingenden Generalsekretärs des Zentralrats der Juden“ . Dieser hat den ehemaligen Berliner Finanzsenator Sarrazin wegen seiner rassistischen Verunglimpfung gegen Unterschicht und Migrant_innen kritisierte. Doch hierbei sehen wir das Problem nicht nur darin, dass Gottschlich den rassistischen Plänen Sarrazins („Meine Vorstellung wäre: Generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte“) vorbehaltlos zustimmt „Es fehlt nicht mehr viel, dass man solche Stimmen als „mutig“ bezeichnen […] muss“ (G.G.) Eine andere Sache ist sein Bezug auf den Generalsekretär des Zentralrates der Juden. Hierbei bedient sich Gottschlich der alten antisemitischen Vorstellung vom „Juden“, der sich in das „Volk“ einschleicht um dann dort alle Medien zu kontrollieren, wie auch in diesem Leserbrief von Gottschlich alle „tonangebende[n] Printmedien“ (G.G.) dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden nachreden sollen.

In einem Leserbrief in der Ausgabe vom 15. Februar 2008 (JF 08/2008) freut sich Herr Gottschlich, dass das Thema „ausländische Jugendkriminalität“ auch in der konservativen FAZ Einzug gehalten hat.
Er spricht der JF in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle zu und wünscht ihr „Weiterhin also viel (geistiges) Waffenglück!“. Der militärische Grundton ist kein Zufall. Gottschlich schreibt in einem früheren Leserbrief, der in der JF vom 17. März 2006 (12/2006) abgedruckt wurde, stolz über sich, „der seine Offiziersausbildung in Fürstenfeldbruck zu einer Zeit erhalten hat, als dort noch Stabsfeldwebel mit EK I dienten“. (EK I ist das Eiserne Kreuz erster Klasse, es wurde 1939 von Adolf Hitler als Tapferkeitsauszeichnung für die Teilhabe am zweiten Weltkrieg wiedereingeführt. Damit bezieht sich Gottschlich positiv auf die Militärgeschichte des Nationalsozialismus. Er würde aber heute nicht mehr die Bundeswehr empfehlen können, da diese sich angeblich zu sehr von ihrem Vorgänger, der Wehrmacht, entfernt hätte. Bisher hätte er „noch immer denjenigen meiner Abiturienten, von deren menschlicher Substanz ich überzeugt war, geraten, sich dem Wehrdienst zu unterziehen, um da etwas zu lernen, was großen Teilen dieser Gesellschaft zunehmend abhanden kommt und was man einmal mit dem Begriff „Haltung“ bezeichnet hat. Wenn man auch bei der Bundeswehr nur noch lernen kann, wie man rechtzeitig und geschmeidig sein Rückgrat verbiegt, werde ich davon künftig absehen.“ Hier zeigt sich in bedenklicher Weise, wie seine politische Einstellung auf seinen Lehrer-Beruf Einfluss hat, zum Beispiel auch durch Zitate wie: „Wer nicht marschiert krepiert“ oder „Wer Schlesien klaut, der klaut auch Autos.“ (Zitate nach Schüler_innen).

Überhaupt haben es ihm die alten Wehrmachtssoldaten sehr angetan. In der JF vom 25. November 2005 (48/2005) beschwert er sich, dass die getöteten deutschen Soldaten nicht mehr überall einfach zu den Kriegsopfern gezählt werden. Tatsache ist aber, dass die deutschen Soldaten des zweiten Weltkrieges keine unschuldigen Opfer waren, sondern diejenigen, die sich wie der Rest der Deutschen im kollektiven nationalsozialistischen Rausch befanden und darauf brannten, mit unglaublichen Grausamkeiten die angrenzenden Länder zu überfallen.

Günter Gottschlich schrieb nicht nur Leserbriefe an die JF, er unterschrieb auch Aufrufe aus dem rechten Lager. 2001 stand seine Unterschrift unter dem „Appell an die Bundeswehr“ für die Rücknahme der Entlassung des Neurechten Kubitschek aus dem Reservedienst und 2005 unterschrieb er den „Aufruf gegen das Vergessen“, in dem verlangt wird den 8. Mai 1945 nicht als Tag der Befreiung, sondern als Tag der Niederlage und der deutschen Opfer zu verstehen.

Doch wird der 8.Mai für uns auch weiterhin ein Feiertag bleiben. Wir feiern, dass der Nationalsozialismus dank der Alliierten überwunden wurde. Und ebenso wollen wir auch heute noch gegen reaktionäres, rassistisches, antisemitisches, militaristisches und nationalistisches Gedankengut, wie jenes von Günter Gottschlich vorgehen. Dieser meint, wir befänden uns in einem „fortdauernden geistigen Krieg“ (G.G., JF 19/05). Wir wollen nicht, dass er in seinen „geistigen Krieg“ auf dem Rücken von uns Schüler_innen austrägt, und versucht, uns mit seinen Ansichten zu beeinflussen. Eine Person, die solche Meinungen wie Günter Gottschlich vertritt ist mit Sicherheit zum Lehrerberuf nicht geeignet, und deshalb fordern wir die Schulleitung auf ihn unverzüglich aus diesem hinauszubefördern.

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