Gefangen im Kettenkarussell, zu erschöpft um noch zu kotzen.

Die Nase in jüngst entsendete (oder eher althergebrachte) all-öffentliche Zeitgeistfürze zu halten, ist ausgesprochen unerquicklich. Es stinkt gerade ganz furchtbar reaktionär überall.

Immer öfter sieht man lose Haufen jugendlicher Hackfressen rumlungern. Erst neulich in Stuttgart. Sie trugen Garment in Zweimannzelt-tauglicher XXXL-Ausführung (ja sowas gibt’s tatsächlich noch) und nicht minder zu groß geratene Kopfbedeckungen (natürlich mit kreisrundem Hersteller-Logo unter dem Schild, damit die Homies sehen können, was Mutti an Kohle hat springen lassen). Immer wenn sich ein junges Mädchen versehentlich in deren Sichtweite verirrte, wieherten sie in einer skurrilen Peergroup-Lautmalerei umher und schüttelten ihren Schambereich, als wollten sie gleich ihre mickrigen Schwänze rausholen. Immer wenn es keine Bitches zu kujonieren gab, versammelten sie sich um einen Ghettovolksempfänger, aus dem es blubberte: „Das ist Schwarz-Rot-Gold. Hart und stolz. Man sieht’s mir nicht an, doch glaub mir, meine Mum ist deutsch.“ Und durch die Allgegenwärtigkeit jener deutschtönenden Scheußlichkeit (Scheißlichkeit?) war man ob des Urhebers ausreichend sensibilisiert, um diesem Wichser seine teutonische Erbmasse bereitwillig abzukaufen. Denn: So hässlich ist sonst niemand auf der Welt. Ein Fler ist wie die Typen aus der Stuttgarter Fußgängerzone Teil des ästhetisch und eigentlich auch zeitlich überholten Neue Deutsche Schelle-Gesindels. Seinerzeit auf dem Schulhof feared wegen seiner unberechenbaren Grützhirnigkeit und umgekehrt proportional eingerichteten Körpermasse. Ein erbärmlicher Loser, dessen Stumpfsinn durch einen neuzeitlichen Hip-Hop-Warhol im Dienste des Trashpöbels in ein lukratives Marketingkonzept umgemünzt wurde. Nun ist er Teil eines Berliner Harte Schalen-Milieus, in dem manch einer freimütig bekennt „Üsch war nü ein Röpper“ und in der Tat das egalitäre Moment der Styles selbst das Geschmeiß auffängt, das sonst nichts kann außer sich auf seine Nationalität und seine primitiven Archetypen einen abzuwichsen. Der ganze Abhub dieses Landes hat endlich wieder Hoffnung, seitdem es sich mit kackbraunem Chauvinismus Geld verdienen lässt. Ein erdreistetes Selbstbewusstsein, denn die Einfältigkeit nationalstolzer Tölpel ist ein arriviertes Erfolgsrezept. Danke Lena und Fußball-WM für die erneute Potenzierung der Schwarz-Rot-Gold-Dichte.

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