Urlaub vom Urlaub?

Dieser Satz beginnt fuer mich hier auf Kreta eine neue Bedeutung zu entwickeln. Ich habe ihn desoefteren verlauten lassen, bevor ich hierher aufgebrochen bin. Meine Augenringe haben schon Augenringe, es wird langsam Zeit einen Gang runterzuschalten und mich mal wirklich zu erholen. Kein Alkohol, gesund essen, ein bisschen bewegen, wenig rauchen. Alles Dinge, die ich durchaus noetig hatte und die mir auch merklich gut tun. Allerdings waere damit die Liste an Dingen, die mich hier froehlich stimmen auch schon abgehakt. Ich befinde mich auf einer beliebten Tourimeile unweit der Hauptstadt, die sich Chersonissos nennt. Als ich mich bei Ankunft in Internetz ein wenig ueber die Gegen informieren wollte, stach mir der Satzteil „…durchaus mit dem Ballermann zu vergleichen…“ ins Auge.
Ihr koennt euch meine erste Empfindung dazu vorstellen.
Ich machte mich auf 2 Wochen mit Aussicht auf aus Humpen trinkenden groelenden mit floral bemusterten Badehosen geschmueckten Kartoffeln gefasst. So schlimm kam es bis jetzt noch nicht, aber auf vielen Ebenen nicht sehr viel besser. Bevor ich beginne, die Szenerie, die sich mir hier bietet zu beschreiben, moechte ich euch nahelegen, in welche Grundstimmung alle nervtoetenden Reize sich Minute fuer Minute betten. Langeweile. Oede. Eintoenigkeit. Trott. Viel zu frueh aufstehen muessen, um sich an einem spartanischen Fruehstuecksbuffet guetlich zu tun, das aus Weissbrot, Eiern und einer Platte von Kaese und Wurst besteht, bei der sich die Enden schon vom trostlosen Daliegen und auf diejenigen Gaeste warten kringeln, die zumindest realisieren, dass die im Urlaub sind und nicht schon um 7 (!!!) Uhr morgens antanzen. Dies waeren meiner Einschaetzung nach ungefaehr…alle. Raufaufszimmerbadesachenanzieheneincremenstrandtaschepackenzum
strandlaufenanderemenschenmitseinerlumafastumhauenandenstrandliegen
buchauspackendaliegenbiseszuheisswirdinswasserzumabkuehlenwieder
inszimmermittagsschlafanstrebenscheiternbuchlesen und dann geht das Spiel von vorne los. Tasche packen, Eincremen und so weiter. Abends gibt es dann verkochte Spaghetti und Fleischpampe. Ich tue mich am Salatbuffet guetlich. So viele Vitamine habe ich schon seit Wochen nicht zu mir genommen! Das ist Punkt 2 von 4 auf der Daumenhochliste, falls ihr euch erinnert, dabei koennte man die auch in einem Punkt zusammenfassen: „ein bisschen auf sich achten“. Nach dem Abendessen steht man vor 3 Moeglochkeiten. Ich zaehle sie der Widerlichkeit nach geordnet auf. Das am wenigsten abscheuliche zuerst. Aufs Zimmer gehen und lesen. Eigentlich ganz nett. Entspannend. Aber nicht 14 Tage am Stueck. Ich beginne jetzt schon durchzudrehen. Vor allem weil die Auswahl der Literatur, die man hier erwerben kann nicht unbedingt einen Preis verdient. Ja man haette vorsorgen koennen. Aber wer schreibt hier…Nun gut. Moeglichkeit 2 ist: einen Spaziergang machen, was wenn ich es mir recht ueberlege Moeglichkeit 3, naemlich „auf die Piste gehen“ fast schon an dem Grad des erzeugten Brechreizes uebertrifft. Moeglichkeit 3 bietet schlechte Musik, noch schlechtere Musik, Musik, die man schon so oft gehoert hat, dass es abwechselnd zum nicht mehr wahrgenommenen Hintergrundgeraeusch verkommt und einen so auf die Palme (ha ha) treibt, dass man am liebsten das Schirmchen aus jemandes Sex on the Beach nehmen will und es dem DJ ins Auge rammen. Aber nun gut, genug davon, jeder kennt das. Ausserdem geht mein Kleingeld alle, die Internetzmaschine ist hungrig. Der Spaziergang…man kommt vorbei am Restaurants, die so nah beieinander stehen, dass der Boden sich fast woelbt, mit den unappetitlichsten Darstellungen von Hotdogs, Burgern, FleischmitFleischbeilage, Schmiersalaten und Huehnerknubbeln, die ich je gesehen habe. Dazu steht vor jedem noch ein charmanter Mitarbeiter, der, sobald man den Fehler macht, eine Sekunde aus Unbedachtheit in seine Richtung zu schauen, einen aufs penetranteste einlaed, doch bei ihm zu speisen. Man bekommt Sachen wie „come on, sweet lady, why you make such a face“ zu hoeren. Man wird angefasst. Jeder Spaziergang wird zum Gang ueber ein Minenfeld im Inneren eines Zookaefigs. Ueberall gibt es gefaleschte Ed Hardy Kutten und was sonst noch alles. Das Schlimmste sind jedoch, inmitten all des anderen Schrotts auf dem egalwieundwarumhauptsacheirgendwie „CRETE“ steht oder sich Maennlein in wassichtouristenalsgriechischvorstellen aussehenden Gewandern tummeln, die PRINTYOUROWNTSHIRT Staende, deren Auslage das Angebot von EMP noch an Gehirngeficktheit und in die Binsen gegangenem Wortwitz um Laengen uebertreffen. Ganz beliebt ist diese Saison ein Motiv mit einem Katzenkopf, der auf den ersten Blick merkwuerdig aussieht und auf den zweiten aus Bruesten, Hupen, Milchtueten, Quadronen, Fleischmelonen besteht. Darunter die Aufschrift „Hello Tiitie“. Ich glaube dazu muss ich nicht mehr sagen als: Haben die Leute, die soetwas amuesant finden, auch ihr Gehirn und ihre Seele in den Urlaub geschickt?

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1 Antwort auf „Urlaub vom Urlaub?“


  1. 1 Prinzessin Hartz 08. September 2010 um 18:28 Uhr

    also ich hätte sehr gerne so ein hello titty shirt im schrank. und um meinen körper zu ummanteln.

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