johnny zweifel

nach dem besuch eines mäßig interessanten vortrages im epplehaus, macht mich ein freund auf eine broschüre am ANT-infostand aufmerksam. im tausch für dreißig euro-cent erhalte ich „was ist „grüne anarchie“?“ und der rest des abends ist auf tragische art und weise versüßt. ich habe an dieser stelle einige leckerbissen dieses (w)irren gequatsches für euch gesammelt.
bon appétit!
nach den ersten paar zeilen erhalte ich erste eindrücke von zielen und wünschen der grünen anarchistinnen. wir wollen entzivilisiert werden. aaaalright. allgemeiner ausgedrückt, das wäre der weg der grünen anarchie im denken und handeln. präzisiert wird das im folgenden auch. so lerne ich, wer primitivistisch eingestellt ist will von den in der vergangenheit und in der zeitgenössischen jägerinnen- und sammlerinnengesellschaften gültigen abläufen lernen. einige wünschen sich gar eine unverzügliche und vollständige rückkehr zur gesellschaft der banden. doch mit einem umzug nach sizilien ist es für grüne anarchistinnen nicht getan. schmökert man im abschnitt „was ist zivilisation“ finden sich dort folgende perlen der erkenntnis: während etliche individuen und gruppen besonderen aspekten der zivilisation priorität einräumen, teilt ein guter teil der grünen anarchistinnen die ansicht, dass das problem oder die wurzel der unterdrückung die darunterliegende zivilisation ist, und dass deren auflösung notwendig ist. die entstehung der zivilisation kann grob als die vor zehntausend jahren stattgefundene wende beschrieben werden, die von einer zutiefst in der vernetzung allen lebens integrierten lebensweise zur existenz führte, die aus der kontrolle und der trennung vom rest des lebens besteht. so. jetzt wirds richtig gut: weitgehend gab es vor der zivilisation sehr viel freizeit, eine kräftige körperliche konstitution und gesundheit (herrenmenschen?), eine beträchtiliche gleichheit und autonomie der geschlechter (sic!), ein nicht zerstörerisches verhalten gegenüber der natürlichen welt, keine organisierte gewalt und keine formale vermittlung und institutionen. im folgenden wird dann die „zivilisation“ auch für jegliche heute bekannte krankheit verantwortlich gemacht. mal ganz davon abgesehen, dass schon dinosaurier unter fiesem zwick-zwack-krebs litten, wüsste ich doch schon gern woher die grünen anarchistinnen ihre fundierten kenntnisse von vorzivilisatorischen zuständen erhielten. quellenangaben gibt es keine, dafür eine einführung in das biozentrische weltbild. diese anschauung lehnt die menschliche gesellschaft nicht ab, will sie aber vom thron ihres überlegenheitsstatus stürzen und wieder ins gleichgewicht mit den anderen kräften des lebens bringen. sie stellt die priorität der bioregionalistischen perspektive auf, was eine tiefe beziehung mit den pflanzen, tieren, insekten, dem klima, den geographischen bedingungen und mit dem geist(!) des ortes den wir beiwohnen heißt. sprechen ist übrigens auch nicht grünanarchistisch, weil nämlich das symbolische denken auf kosten anderer sinnempfindungen arbeitet. und auch wenn der wunsch einiger sein mag, fortan nur noch zu grunzen, das steht da wirklich, ziehen andere die wiedererlangung alternativer methoden der interaktion und erkenntnis vor. so zum beispiel berühren, riechen, telepathie(…) geil! wenn ihr weiter übt, könnt ihr ja vielleicht bald auch beamen oder fliegen oder so tödliche laserstrahlen aus euren augen abschießen. die würden bestimmt auch helfen wenn im wilden zustand jedes leben die ressourcen konkurrierend mit den anderen leben teilt. denn wissenschaft ist teufelswerk die das mit dem riechen des regens einig sein in eine abstrakte manipulation verwandelt. hui. das stimmt mich wirklich nachdenklich. viel mehr als die frage was wohl in der steinzeit mit mir passieren würde, sollte ich einmal eine lebertransplantation oder einen bypass brauchen. das zitat: das technologische system zerstört, eliminiert und unterwirft die natürliche welt methodisch, indem es einen irdischen globus erbaut, der ausschließlich maschinengerecht ist entstammt leider nicht matrix oder terminator sondern ebenfalls den hirnverirrungen der steinzeitökos. leider leidet die anarchistische szene auch noch unter der geißel der linksorientierten und liberalen tendenzen. diese tendenzen sind dann hoffentlich hindernis für eine perspektive, die nicht die perfekte ausarbeitung einer glasklaren kritik abwartet, sondern die heutigen institutionen der zivilisation (…) identifiziert und spontan angreift, also für blindes wüten. passt ja auch perfekt zum angeborenen wilden grimm beziehungsweise zur faszination vom wilden und von denen die aus der domestizierung ausgebrochen sind.

abschließend würde mich brennend interessieren warum solch saudummer oberkackscheißdreck auf dem ANT-infostand auslag. ich hoffe ihr habt ihn einfach nicht gelesen, und werft den rest dahin wo er hingehört. auf den müllhaufen der geschichte.

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4 Antworten auf „johnny zweifel“


  1. 1 Prinzessin Hartz 15. Oktober 2010 um 19:17 Uhr

    youth against nature! alle einbetonieren..

  2. 2 nelehmophon 16. Oktober 2010 um 10:52 Uhr

    Ich empfehle an dieser Stelle „Lichtnahrung“!!! Hmmmm – eine feine Sache!

  3. 3 Johann-Mu 16. Oktober 2010 um 11:54 Uhr

    der dino mit dem zwick-zwack-krebs: war das zufälligerweise ein lafontaurus?

  4. 4 johnny zweifel 16. Oktober 2010 um 21:51 Uhr

    nein ein oskarteratops, aber sehr aufmerksam.

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