>_<

„Die allgegenwärtige Anordnung, »jemand zu sein«, erhält den pathologischen Zustand, der diese Gesellschaft notwendig macht. Die Anordnung, stark zu sein, erzeugt die Schwäche, durch die sie sich erhält, so dass alles einen therapeutischen Aspekt zu bekommen scheint, sogar arbeiten, sogar lieben. All die »Wie geht‘s?«, die jeden Tag ausgetauscht werden, lassen ans Fiebermessen denken, wodurch die einen den anderen die Patientengesellschaft aufzwingen. Gesellschaftlichkeit besteht heute aus tausend kleinen Nischen, aus tausend kleinen Unterschlüpfen, in denen man sich warm hält. Wo es immer besser ist als draußen in der großen Kälte. Wo alles falsch ist, weil alles nur ein Vorwand ist, um sich aufzuwärmen. Wo nichts entstehen kann, weil man dort taub wird beim gemeinsamen Schlottern. Diese Gesellschaft wird bald nur noch durch die Spannung zwischen allen sozialen Atomen in Richtung einer illusorischen Heilung zusammengehalten. Sie ist ein Werk, das seine Kraft aus einem gigantischen Staudamm von Tränen zieht, der ständig kurz vor dem Überlaufen ist.“

von
Das unsichtbare Komitee:
Der kommende Aufstand – Erster Kreis „I am what I am“

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email