Fußball „Fans“

Ein alter Beitrag von mir den ich aus einer anderen Quelle retten wollte:

„Wieder wurde ich heute Zeuge eines dubiosen Schauspiels im Stuttgarter S-Bahn Untergrund.
Bewaffnet mit einer Fülle an Fanartikeln streifen Fans des VfB Stuttgart durch die Gegend und erfreuen sich lautstark am Sieg „ihrer“ Mannschaft, so dass einem nur eine Frage durch den Kopf gehen kann: „Sind die denn bescheuert!?“
Menschen jeden Alters freuen sich darüber dass ein paar Typen ein Fußballspiel gewonnen haben, so als ob sie selbst Teil der Mannschaft wären oder in irgendeiner Form etwas zum Erfolg selbiger beigetragen hätten.Aber es fehlt doch offensichtlich jede Verbindung dazu.
„Ihre“ Mannschaft?
Was verbindet diese Menschen mit denen die auf den Platz gehen um das Spiel zu bestreiten?
Kennt jemand von denen die Spieler persönlich so dass es um Sympathien für sie gehen könnte?
Mit Sicherheit nicht!
Es geht wohl eher um einen primitiven Regionalismus – der sich bei der Nationalmannschaft dann zu einem Nationalismus ausweitet – um die Überlegenheit der „eigenen“ Leute abzufeiern.
„Schwäbische Jungs“ und ähnliche Floskeln in den Fangesängen sagen schon alles. Scheinbar fällt keinem der Anhänger auf, dass im heutigen Profifußball Spieler gekauft und verkauft werden und diese, sollten sie genügend Geld bekommen um für „ihre“ Interessen zu spielen, sie noch lange keine „Söhne des Schwabenlandes“ werden.
Eine objektivere Betrachtung eines Spiels, welche Mannschaft einfach das bessere Spiel abliefert wäre natürlich auch viel zu anstrengend. Da ist es doch viel einladender mit einem Bier in der Hand, grölend „seine“ Überlegenheit gegen die feindliche Mannschaft zum Ausdruck zu bringen. Spätestens jedoch beim nächsten Spiel wenn die „Pfeifen“ mal ein Spiel verlieren ist es dahin mit der kollektiven Identität und die Mannschaft wird ihrem Verlust allein überlassen.
Doch wozu an sowas denken? Heute haben „Wir“ 2 zu 0 gewonnen.“

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5 Antworten auf „Fußball „Fans““


  1. 1 Lyrical Gangster 17. November 2010 um 13:55 Uhr

    Die Diskussionen beim letztwöchigen Input konnten diese Fragen auch nicht beantworten. „Mein Vater und Großvater waren schon VFB-Fans, deswegen bin ich’s auch!“ Keine weitere Reflexion, Raum verlassen. Eine zufriedenstellendere Erklärung kann man wohl nicht erwarten. Wenn es überhaupt eine geben sollte.

  2. 2 neuromo 17. November 2010 um 14:33 Uhr

    was meinst du mit zufriedenstellend? sozialisationsmäßig betrachtet, hängt wohl das allermeiste, das wir uns zum spaß reinziehen mit identifikation (oder nicht-identifikation oder verwandten kategorien) zusammen. ich finde also, dass es nicht verwundern darf, wenn jemand etwas gut findet, mit dem jene person aufgewachsen ist – also sozialisiert wurde. und solange es bei jener harmlosen affinität bleibt sehe ich darin auch nichts kritisierenswertes.
    ein tolles lied finde ich auch gut, wenn ich es nicht selbst spiele und ein leckeres essen genieße ich auch wenn ich es nicht selbst gekocht habe. und finde ich beides deshalb gut, weil ich es aus meiner kindheit kenne, würde mich niemand dafür kritisieren. ähnlich sehe ich das hier: menschen aus einer anderen hobby-ecke abzutun und von vornherein argwöhnisch zu beäugen halte ich für ebenso unreflektiert gefährlich und menschnfeindlich, wie aus der liebe zu einem sportverein ernstgemeinten regionalismus und ähnliches erwachsen zu lassen. daher bitte ich um weniger zynische engstirnigkeit und postadoleszente überheblichkeit auf dieser seite!

  3. 3 Lyrical Gangster 17. November 2010 um 16:11 Uhr

    Die Angabe war nicht sehr präzise. Das Zitat bezog sich natürlich auf das „Fan sein“ an sich, im Kontext bekommt es allerdings eine ganz andere Bedeutung. In einem politischen Diskussionsforum wie Input reicht der Verweis auf althergebrachte Familien-Fan-Traditionen auf die Frage: „Was fasziniert dich an Fußball und worin siehst du die Schwierigkeit in dem (vereinzelt) damit einhergehenden Hooliganismus und Nationalismus?“ meines Erachtens nicht aus. Es ging in dem Gespräch nicht um „harmlose Affinitäten“, sondern um Gewalt, Diskriminierung und Sexismus in der Fußballszene. Dieser Regionalismus von dem Cpt. Schmock in seinem Text spricht und der Diskussionsgegenstand war, mündet leider nur zu oft in diesen Auswüchsen. Offenkundig Betroffene, die laut eigenen Angaben „öfter mal“ in handgreifliche Auseinandersetzungen mit Fans der gegnerischen Mannschaft verwickelt waren, können sich meiner Meinung nach nicht mit der plumpen Rückbesinnung auf ihre Sozialisation aus der Sache retten und sich jeglicher Argumentation entziehen. Aber neuromo du hast schon recht, ich hätte näher auf das Thema der Veranstaltung und die Umstände des oben genannten Zitats eingehen sollen.

  4. 4 neuromo 17. November 2010 um 18:31 Uhr

    ja, im kontext ist die kritik sinnvoller.
    um kurz auf die schlägereien zu kommen: einvernehmlich vereinbarte freizeitschlägereien finde ich voll ok! was spricht gegen eine handfeste keilerei, mit leuten die das selbe wollen? ist vielleicht etwas primitiv, aber jedem das seine, oder?

  5. 5 Cpt. Schmock 19. November 2010 um 3:13 Uhr

    Eingehend auf neuromo’s Einwände möchte ich die angeführten Vergleiche gleich mal etwas entkräften.
    Bei einem Lied oder einem Gericht gibt es nicht diese direkte Situation des Vergleichs – so wie bei einem Fußballspiel. Die Fußballspielproblematik bezogen auf deine Beispiele würde bedeuten jemand findet Lieder oder Gerichte aus der Gegend in der eine Person aufgewachsen ist bzw, mit der sie sozialisiert wurde besser als entsprechender Gegenstand der nicht diese regionale oder nostalgische Verbundenheit hat.
    Diese Nostalgie teilweise, der Regionalismus aber völlig entzieht sich dabei jeglicher Vernunft

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