NELEHMOPHONS TOURTAGEBUCH #3 – Wer ist die netteste Band der Welt?

Ausgerechnet bei der einzigen Matinee der Tour sind wir vieeel zu spät! Um 14 Uhr sollten wir im Hafenklang aufkreuzen, tatsächlich betreten wir dieses aber erst zwei Stunden später. Der routinierte und anfangs etwas unterkühlte Veranstalter zeigt sich entsprechend erfreut! Wir sollen erst einmal schauen, ob überhaupt noch etwas vom Essen übrig ist und uns dann schnell an den Aufbau machen, denn heute geht’s wohl ganz pünktlich um 17 Uhr los.
Normalerweise ist das für mich der Startschuss und in der Regel gibt es kein Halten mehr; vor allem bei solch leckerem Essen, bereitet vom hauseigenen Koch; aber ich denke die meisten SängerInnen, die sich ein- oder auch mehrmals daran versucht haben mit vollgestopftem Bauch auf die Bühne zu gehen werden schon jetzt ahnen warum es das tunlichst zu vermeiden gilt. Denn unaufhaltsam bahnt sich das leckere Essen, aufgrund der ungewöhnlichen Kontraktionen oder weiß der Geier warum auch immer, seinen Weg an die Oberfläche und es kostet einfach viel Überwindung und starke Willenskraft das bereits anverdaute Zeug an seinen angestammten Platz zurück zu pressen. Ganz zu schweigen von der vom Essen resultierenden Trägheit mit der ich auf der Bühne so oder so schon zu kämpfen hab, ich bin nun wirklich keine außerordentliche Rampensau, da ist man echt froh, wenn man wenigsten ab und zu den einen Fuß, in einer Art verunglücktem Tanz, an den anderen zu setzten vermag.
Aber genug davon, der Auftritt verläuft für einen Sonntag Nachmittag wirklich super, das Publikum ist nett und auch ein paar bekannte Gesichter sind auszumachen. Außerdem ist schon einiges los, während Cloak/Dagger spielen werden es immer mehr Leute bis dann beim Auftritt der Spermbirds der Zenit erreicht wird und wirklich kaum ein Blatt Papier mehr zwischen die Leute passt. Der gesamte Abend verläuft einfach super, nette Besucher, ausreichend Bier und die Leute von Cloak/Dagger und den Spermbirds sind einfach sooooo nett! Bereitwillig tauschen sie mit uns Platten und überhäufen uns anschließend mit nicht mehr benötigtem Equipment, unter anderem erhält Momo von dem Drummer der Spermbirds praktisch alle Felle und um die 80 Sticks. Und als wir dann gefragt werden: „Wer ist die netteste Band der Welt!?“ gibt es nur eine Antwort: „Die Spermbirds!“ Wer hätte gedacht, dass eine Band mit eigenem Night- und Backliner so sympathisch sein kann! Zudem erweist sich der Veranstalter im Nachhinein, als er uns unsere unglaublich luxuriösen Schlafplätze zeigt und nachdem der Druck des Abends von ihm gefallen ist, ebenfalls als spitzen Typ!
Wieder zurück im Hafenklang verhilft mir der Besuch meiner Eltern zu einem letzten Ausnahmebier, diese hatten den Ort an dem die Tochter bald spielen wird bei einem vorausgegangenen Hamburg-Aufenthalt natürlich gleich mal unter die Lupe genommen und Eindruck hinterlassen: Denn zunächst meinte der Barmann er könne mir kein Freibier mehr geben, wir hätten eindeutig schon zu viele abgestaubt, als ich dann aber nachfragte ob vor kurzem ein älteres Paar das Hafenklang anschauen wollte, hat er sich doch tatsächlich daran erinnert und fand das so herzallerliebst, dass er mir noch ne Runde für alle gewährte. Damit ging es dann direkt an den Hafen, der sieht so schön aus bei Nacht, auch wenn uns die „steife Brise“ schnell wieder ins Warme treibt. Leider ist der Laden schon geschlossen und wir trollen uns ins Nachtquartier, um dort noch ein-zwei Biere zu vernichten, uns mit Cloak/Dagger zu unterhalten und dann auch bald selig zu schlafen…
Abgesehen von Philipp natürlich, der begleitet lieber zwei Mädels aus der Schweiz durch diverse Bars und zieht damit sein bis-7-Uhr-in-der-Früh Programm eisern durch. Allerdings hat er nicht damit gerechnet mit einem der beiden Mädels später vor verschlossener Hoteltür zu stehen, verständlicherweise bleibt den beiden nichts anderes übrig als zurück zum Hafenklang und eine fast endlos anmutende Klingelpartie, weil das Bier seine komatöse Wirkung tut. Endlich Hereingelassen entscheidet er sich nicht für eines der zahlreichen warmen Betten NEIN, NEIN, der Herr und die Dame bevorzugen da doch lieber den kalten, harten Flurboden, weil das Mädel ganz früh auf den Flughafen muss und ja keiner auf so nem beschissenen Boden richtig einschlafen kann, niemand – außer dr Riedinger natürlich! Und so versucht das verzweifelte Mädel völlig vergeblich den Philipp zu wecken, der ihr versprochen hatte sie am nächsten Morgen zum Hotel zurück zu begleiten. Doch einige gezielte Schläge des Hulk Haugen; der sich freundlicherweise erbarmt hatte, vorwiegend um den eigenen Schlaf zurück zu erlangen; machen den Riedinger wieder wach. Natürlich benötigt dieser, um wieder rein zu kommen den einzigen Schlüssel, der sich in meiner Obhut befindet und am nächsten Tag zurückgeben werden soll. Moment, lassen wir doch einmal die letzten Tage Revue passieren, am ersten Tag hat er seinen Geldbeutel verloren und am zweiten Tag hat er festgestellt, dass er sein Gepäck vergessen hat, wie wahrscheinlich ist es dann, dass er am dritten Tag den Schlüssel verliert? Trotz Bedenken rücke ich den Schlüssel raus, was solls denn, irgendwie muss der Bub ja auch wieder rein kommen und wer soll ihm sonst die Tür öffnen? Ja – I sicher net!
Morgens, bevor ich mich auf zum Frühstück mache, stelle ich dann beruhigt fest, der Philipp ist da und auch der Schlüssel.

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