anonym bei johnny zweifel

anonym bei johnny zweifel geht in die zweite runde. diesmal mit einem beitrag zu linkem antiamerikanismus, inkl. etwas langweiliger überschrift, aus der feder von nestor b. schmutzer. bon appétit.


Bildlicher Antiamerikanismus bei der Marxistischen Aktion Tübingen

Auf dem Blog des Tübinger „Arbeitskreis Theorie“, einem Ableger der „Marxistischen Aktion Tübingen“ (MAT), findet sich ein anschauliches Bildbeispiel für (linken) Antiamerikanismus.
Das Bild stammt vermutlich nicht vom Arbeitskreis selbst; es ist aber bezeichnend das die Blogbetreiber gerade dieses Bild ausgewählt haben, um das Thema „Imperialismustheorien“ zu verbildlichen. Deswegen ist es gerechtfertigt anzunehmen das die Blogbetreiber mit den Grundaussagen des Bildes übereinstimmen.


BILD
OBEN: Zu sehen sind vier US-Soldaten, die ein McDonalds-Logo mit arabischen Unterzeilen aufrichten.

Das Bild ist eine veränderte Version der sehr berühmten Fotoaufnahme von vier US-Soldaten, die auf der Pazifik-Insel Iwojima am 23. Februar 1945 eine US-Flagge aufrichten. Das Bild ist wohl fast genauso bekannt wie der Rotarmist, der auf der zerschossenen Berliner Reichskanzlei die rote Fahne schwenkt. Beide Bilder symbolisieren den Sieg über Kriegsgegner im Zweiten Weltkrieg, einmal über das nationalsozialistische Deutschland und einmal über dessen Verbündeten, das imperialistisch-kaiserliche Japan. Beide Bilder sind mit dieser Botschaft des Sieges weltweit im kollektiven Bildgedächtnis fest verankert.
Das Bild, dass sich auf dem Blog des „Arbeitskreis Theorie“ findet, wurde entscheidend in seiner Erscheinung und damit in seiner Aussage verändert verändert. Dadurch stecken in dem Bild mindestens zwei antiamerikanische Statements:

1. kultureller Antiamerikanismus

Die US-Soldaten richten nicht die US-Flagge als Zeichen des Sieges auf, sondern ein McDonalds-Schild. Damit wird suggeriert das ein amerikanischer „Imperialismus“ der Verbreitung der (vermeintlichen) US-Kultur, hier vertreten durch McDonalds, dient. Hier findet sich eine Version des antiamerikanischen Ressentiments das als kultureller Antiamerikanismus bezeichnet werden könnte. Kultureller Antiamerikanismus wirft der USA vor mit Gewalt oder im Appell an niedere Instinkte ihre Kultur, ihren „american way of life“ zu verbreiten. Die (vermeintliche) US-Kultur wird zugleich als primitiv und minderwertig („Unkultur“) eingestuft.

Der kulturelle Antiamerikanismus bedient sich perfiderweise schiefer Vergleiche und falscher Annahmen:
A, um aus der populären US-Kultur eine Primitivkultur zu machen werden schiefe Vergleiche gezogen. Der Vorwurf im kulturellen Antiamerikanismus deutscher Provenienz lautet „Ihr habt nur Hamburger, Jeans und MTV, wir aber haben Goethe, Barock und Neuschwanenstein.“ Dabei sind die deutschen Pendants zu Hamburger, Jeans und MTV Eisbein, Lederhose und Musikantenstadl. Die amerikanischen Pendants zu Goethe, Barock und Neuschwanenstein sind John Updike, Bauhaus (vor den Nazis in die USA emigriert!) und Mount Rushmore.
B, McDonalds, Coca Cola oder MTV mögen ursprünglich aus den USA kommen, sind aber inzwischen Teil einer Populärkultur der globalen Mittelschicht. Diese Kultur wird niemanden aufgezwungen, sondern relativ freiwillig (dabei natürlich von Werbung und Trends beeinflusst) angenommen und beständig reproduziert. Die ursprünglichen US-Produkte sind weltweit verfügbar, werden meist jeweils vor Ort bzw. in einer Kette internationaler Arbeitsteilung hergestellt und haben eine gewisse Regionalisierung erfahren. Beispielsweise nehmen die McDonalds-Ketten je nach Weltregion Rücksicht auf kulturell geformte Hintergründe und Geschmäcker. Bei McDonalds in Indien wird viel schärfer gewürzt und es finden sich kein Rindfleisch und kein Schweinefleisch auf der Karte, weil das mit den religiösen Überzeugungen der Hindus und der Muslime kollidiert.
Genauso verhält es sich beim Musik-Sender MTV, der sich dem jeweiligen Musikgeschmack eines Landes anpasst, ebenso wie den sittlichen und moralischen Gegebenheiten, weswegen in vielen Ländern sexuelle Begriffe mit einem „PEEEP“ zensiert werden.

2. sekundärer Antiamerikanismus

Die Zweckentfremdung und Instrumentalisierung eines amerikanischen Sieger-Bildes aus dem Zweiten Weltkrieg für die eigene antiimperialistische Polit-Propaganda stellt (bewusst oder unbewusst) eine Banalisierung des Beitrages der USA zur Befreiung der Welt vom nationalsozialistischen Deutschland und seinen Verbündeten dar. Noch dazu findet sich das Bild auf dem Blog einer Gruppe, die in Deutschland angesiedelt ist, also in im Land der Täter.
Entweder es handelt sich um ein gerütteltes Maß an Geschichtsvergessenheit (was sicher bei den Blogbetreibern der Fall ist) oder es ist eine Art der Befreiung von den Befreiern (was bei den Bildmachern der Fall sein dürfte) nach dem Motto „Die Deutschen werden den Alliierten ihre Befreiung nie verzeihen!“. Diese in Anlehnung an den sekundären Antisemitismus als sekundärer Antiamerikanismus zu bezeichnende Form des antiamerikanischen Ressentiments, verabscheut die Alliierten für ihre Befreiung auch weil diese dafür stehen, dass die Befreiung nicht aus eigener Kraft erreicht wurde und damit der deutsche Nationalismus nicht so leicht rehabilitiert werden kann.
Max Horkheimer fasste es im Mai 1967 mit den folgenden Worten zusammen:
„Amerika hat, aus welchen Motiven auch immer, Europa von völliger Versklavung gerettet. Die Antwort ist heute überall, nicht bloß in Deutschland, eine weitverbreitete und tiefgehende Amerika-Feindlichkeit.“

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