Sodom

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1. Ein Morgen, wie jeder andere auch, nur, dass ich in der Nacht kein Auge zu bekam – in überschwenglicher Freude über den anstehenden Tag. Sortiert auf parallel nebeneinandergestellte Stühle hingen meine Sachen. Eine komplette Montur am jeweiligen Wetter angepasst. Ich entschied mich, nach einem kurzen Blick aus dem Fenster für den Stuhl in der Mitte. Unterhose, die mit den Kringeln in rot, U-Hemd Feinripp, Kniestrümpfe in Karomuster, ein dunkelrotes Hemd mit schwarzen, fast unsichtbaren Sprenkeln und ein Polunder in schwarz. Dazu die wetterfesten, frisch eingesprühten Boots. Mit diesem Paket unter‘m Arm und genüsslich am Hintern kratzend, schlürfte ich in’s Bad, wo die sündhaft teuren Automaten bereits das Wasser und die Aloe-Vera-Lotion im vorgegebenen Mischverhältnis und genau zur richtigen Zeit vermengten. Das Bad dampfte und vielleicht fühlte ich mich das letzte Mal so behaglich im Bauch meiner Mutter. Ein leises „Bing“ ertönte, das Zeichen, dass der Backautomat seine Arbeit aufnahm und mir nach dem Bad frische Brötchen bescheren würde. Die Kaffeemaschine war an diesen gekoppelt und kochte das Wasser etwas zeitversetzt zum Beginn des Backvorgangs, so dass meine Frühstückszutaten zeitgleich fertig sein würden. Ich liebe es, wenn ein Morgen funktioniert und keinerlei äußerlichen Umstände die Macht der Gewohnheit zu durchbrechen vermögen. Frisch rasiert, dies übernahm die Ultraschallkabine, mit nicht einem Haar am Körper und einem sanften Hauch von Flieder verließ ich das Bad in meinen maßgeschneiderten Sachen, um mich über das Frühstück herzumachen. Das interaktive Tischpanel, welches mir die parteilinientreuen Nachrichten vor und jenseits der Friedensmauer frisch servierte, ließ ich absichtlich ausgeschaltet an diesem Morgen, um mich ganz auf meine Vorhaben konzentrieren zu können. Fasziniert betrachtete ich meinen PVC-Pflanzenhybrid, welcher bis in die kleinsten Äderchen in fließenden Intervallen seine Farbe veränderte und atmosphärisch, unaufdringlich-eleganten Geruch in der Wohnung verbereitete. Selbst dies, obwohl ich merkte, dass meine Motivation um 5 Punkte stieg, konnte mich nicht ablenken. Eine Mission war zu erfüllen…

2. Entschlossen griff ich nach meinem ID-Chip, ließ diesen in der Verankerung an meinem Ellbogen einrasten und betrat den Aufzug, wo ich schon von der anmutigen Frauenstimme aus dem elektronischen Off begrüßt wurde. Ich nahm auf dem Sofa Platz, langsam wurden die Wände transparent und ließen die LED-Stockwerkanzeige langsam verblassen. Die angezeigte „250″ befand sich in keinem Kontrast mehr zu dem mich umgebenden Bild, einer Stadt hoch über den Wolken. Flug-Busse mit Touristen und Einwohnern pendelten zwischen den Türmen. Wenig beeindruckend war dieses Bild. Auch das Gras, welches auf den etwas starreren Partykeln in der Luft wächst und auch als Golfplatz genutzt werden kann. machte keinen einladenden Eindruck auf mich. Der Aufzug setzte sich langsam in Bewegung, aus der chrompolierten Wand fuhr schnurrend ein Tablett auf dem meine tägliche Ration „Fühlen“ zubereitet war. Neben dem Vitamin-Boost-Soft-Drink befand sich die kleine Klinge, mit der man in die Welt der „Feelings“ eindringen konnte und so die Aufzugsfahrt wie im Flug vergehen würde. Man taumelt nach dem Schnitt -bevorzugt an einer Stelle, die von Stoff bedeckt ist- in einen Strudel, welcher die Farben heller, die Gerüche intensiver erscheinen lässt. Fasziniert betrachtete ich die Klinge und das Logo, das auf ihr prangte. Das geschwungene „W“ und das martialisch anmutende „U“, auf hoffnungsvollem grünen Hintergrund, gepaart mit der vertauenserweckenden Friedenstaube, war omnipräsent in unserem Wolkenkuckucksheim, wenn man nur lang genug danach suchte. Schon seit zwei Wochen griff ich nicht mehr nach der Klinge ,sondern beträufelte sie mit dem Blut aus einem Döschen, dass ich immer in einer Tasche mit mir führte. Der Automat gab sich damit zufrieden und das Tablett fuhr langsam zurück in seine Halterung. Diese ganze Prozedur, das Schneiden mit der Klinge, ließ den ganzen altäglichen Wahnsinn vergessen, dem man „Downtown“ begegnete. Polizisten, schick gekleidet, schwangen ihre Waffen lässig mal hier mal da. Mit geröteten, übernächtigt-sensiblen Augen herrschen sie über die Stadt, sehen durch alles, erkennen im Leben Gegenstände, Trainingssituationen… Bilder von marschierenden Polizisten schossen mit durch den Kopf. während sich der Aufzug weiter nach unten bewegte, durch die grauen Wolken hindurch in den neonglitzernden Pfuhl. Meine Augen schweiften über die Dächer. War dies Babylon? Nein, schlimmer, es stürzt nicht zusammen, nicht so lange es Menschen gibt, es würde immer so weiter gehen. Fressen und Gefressen Werden… Die Gnade der lokalen Geburt!! Egal, ich war ruhig, harrte der Dinge. „Bing“, der Aufzug hielt, mit einem schmatzenden Geräusch. Süßlich-modrigem Geruch Einlass gewährend, glitten die Aufzugstüren auseinander.

3. Von einem halb bedrohlich, halb beschützend wirkenden Selbstschussautomaten wurde ich vom Paradies über den Wolken in die Niederungen des Mensch-Seins entlassen. Neon durchflutete mich so grell, dass es selbst mit geschlossenen Augen unmöglich war, der Reklame, welche blitzte, blinkte, waberte, pulsierte, expandierte und schlussendlich infiltrierte, zu entgehen. Überall waren Wachmänner mit ihren Gedärmumwandlern unterwegs. Einmal von diesen Waffen getroffen, sackten die Menschen in die Knie, Büßern gleich, und es trieb ihnen unter lautem Reißen und Blubbern die Gedärme aus jeder denkbaren Körperöffnung. Aliens, welche sich zu nah an Polizisten heranwagten blühte das selbe Schicksal, nur dass sie -Luftballons gleich- zerplatzten. Aliens hatten selbst „Downtown“ nichts zu suchen. Sie fristeten ihr Dasein eigentlich in den vielen Fabriken jenseits der Mauer, welche so hoch und massiv ist, dass sie keiner Patrouillen bedarf. Mit einem speziellen Chip, den nur die bewaffneten Warentransporter der „WU“ hatten, war es möglich die Moleküle der Mauer so in Schwingung zu versetzen, das selbst die 40 Tonner ohne Mühe durch das Sich-Bewegende Mauerwerk gleiten konnten. Die Aliens schufteten in einer industriellen Hölle, Gasflares überall, es roch unnatürlich, nach geschmolzenem Plastik. Krebserregenden Schwefel-Dämpfe un Müllberge prägten das Bild jenseits der Friedensmauer. Dazwischen schlürften die -mit ätzender Asche bedeckten- Aliens.

4. Ich bog in eine kleine, schwach beleuchtete Gasse, an deren Ende mein Ziel lag – ein unscheinbarer Gemischtwarenladen. Am Eingang hing das Neonschild, welches man zu dieser Zeit allerotens sah: No Weapons, No Drugs, No Aliens…
Die Tür glitt automatisch, geräuschlos auf und offenbarte einen kleinen, heruntergewirtschafteten Laden, der sich mit Ach und Krach über Wasser halten konnte. Hinter der Theke schwitzte die Inhaberin in ihrem grünen Trägertop. Verdammt, ich hatte gehofft, der immer gleichgültig wirkende Michael würde an diesem Tag arbeiten aber -ganz ehrlich- es war mir Eins. Die Inhaberin grüßte mich mit einem unfreundlichen Grummeln und öffnete mir -wohlwissend, dass ich nichts kaufen würde- die Web-Interface-Kabine. Ich nahm Platz in dem Sessel, zog die Tür wieder zu und setzte mir -vor Freude zitternd- den Cyberhelm auf. Die Kinderischerung des Webs war schnell mit ein paar Handgriffen überbrückt und kurz danach vernahm ich schon das Freizeichen, welches gleichzeitig ein Summen in einer der Arbeitsbaracken jenseits der Mauer bedeutete. Nicht lange musste ich warten und schon füllten sich die Bildschirme des Helms mit der phosphorizierend, wabernden, gallertartigen Masse „Yggdrasilias“. Schön war sie anzuschauen in ihrer entwaffnenden Grazie. Während mein Blick ihren rotierenden Zitzen zu folgen versuchte, griff ich in meine Hose und begann meinen Penis zu massieren. Ihre Tentakel ruderten einladend, bulesque, streichelten ihren Körper, welcher vor Aufregung bebte. Grünes Sekret tropfte aus ihrer Öffnung und ihre Augen schlossen sich vor Wollust. Ein Gurren erfüllte die Kopfhörer des Helms und schwoll stetig an, so dass ich nicht hören konnte wie sich leise die Kabine öffnete. Die Besitzerin des Ladens nahm ich erst war, als sie das gußeiserne „Kruzifix“ auf meinen Kopf niedersausen ließ. Ich spürte den Schlag, hörte noch das Knacken meiner Schädeldecke, den entsetzten Schrei „Yggdrasilias“.
Wie das Blut aus meinen Augen in den Helm sprühte spürte ich schon nicht mehr.

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1 Antwort auf „Sodom“


  1. 1 nelehmophon 18. August 2011 um 13:11 Uhr

    Abgefahren!!!

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