Über das Leben im Stall…

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Die Situation, in der ich mich befinde, sickert langsam -Quarz in einer Sanduhr gleich- in mein Bewusstsein. Ich liege auf den Rücken, kann und will mich nicht rühren. An der Decke ist ein Blumenrelief zu erkennen. Ich versuche es zu fixieren, es will jedoch nicht gelingen. Das Muster verschwimmt, wabert, bewegt sich ,unmerklich, aber ja, es bewegt sich. Menschen schlürfen leise, tapsig auf den Fluren – ich stelle mich schlafend.
In einer anderen Zeit, in einer anderen Realität befinde ich mich mit Freunden in einer Art Dampfbad. Ein Gefühl von Abschied stellt sich ein und tatsächlich verschwinden, verblassen alle nach und nach, bis ich an der Reihe bin, mich Atom für Atom auflöse. Ein herber Schnitt, Licht blendet mich, Ich werde auf einem Bett durch einen langen Flur geschoben. Niemand ist zu erkennen, nur die Lampen an der Decke, welche ein industrielles Licht in meine Netzhaut fräsen. Plötzlich hat die Fahrt ein Ende, meine Arme und Beine werden durch kräftige Hände fixiert, während eine weitere eine lange Nadel langsam in meinen Brustkorb drückt. Ich schreie ,erwache, spüre den Druck noch in meiner Brust. An meinem Bett steht mein hagerer Zimmergenosse, dessen vernarbte Unterarme an meiner Schulter rütteln. Ob alles ok wäre? Ich weiß nicht, kenn ihn nicht. Tage später höre ich ihn schreien. Wir stürmen vom Raucherraum zu unserem Zimmer, das Licht geht nicht an. Im Dunkel versuchen zwei Pfleger ihn zu überwältigen, ihm die zerbrochene Glühbirne, mit der er seine Arme öffnete, zu entreißen. Es dauerte lange bis die Blutspritzer an der Wand entfernt wurden. Torkelnd, gleichgültig, verlasse ich das Zimmer, setze mich auf einen freien Stuhl, warte bis die Geschehnisse mich einholen. Tränen sammeln sich in meinen Augen. Was mache ich hier nur. Ich bin freiwillig hier. Ob ich noch schlucken könne, werde ich gefragt. Ich bejahe, bekomme eine weiße, unschuldige Pille, die mir unwiderruflich ein Grinsen auf die Fresse zaubert. Dieses scheint jedoch nicht für mich, sondern für meine Umwelt gedacht zu sein. Die Dosis wird versuchsweise erhöht. Auf dem Gang hektisches Treiben. Ein Defibrilator, wird mit quietschenden Rädchen durch den Flur gekarrt, eine Frau -wohl die Cousine des besoffenen Kerls, der kollabierte und seinem Herz eine Pause gönnte- bricht in Tränen aus. Eine Ärztin mit dunklen Augenringen, die wie eine Kriegsbemalung wirken, hetzt fluchend in das Zimmer, in das der Defi geschoben wird. Eine weitere Glühbirne fehlt, das Medikament beginnt zu wirken, verschiebt meinen Kiefer, lässt ihn in dieser Position erstarren. Fröhlich sabbernd, starre ich aus dem Fenster, schwimme nach innen, ertrinke in dieser extrapyrimidalen Störung…

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