Es tut mir leid, aber im Moment höre ich Leonard Cohen…

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Nein, wirklich, mit dem Tonträger-Kaufen verhält es sich manchmal wie mit dem Kaufen von Lebensmitteln… Man sollte nicht hungrig einkaufen…
Als ich heute meinen Gutschein in die schlecht sortierte Musikabteilung der Drogerie schleppte, hat es in Strömen geschüttet und es sah bereits nach Herbst aus, meine Laune nicht weniger ergraut. Die durchlöcherte Straße, in der sich Wasser sammelte, das von verärgerten, motorisierten Pendlern mit sadistischem Hochgenuss in alle Richtungen verspritzt wurde, führte zu meinem zweiten, herzlichen Lachen (nach der Entdeckung eines Medikamentes mit dem Namen „Super-Pep“ gegen Reiseübelkeit: „Wirkt schneller“, sagte der Apotheker) an diesem Tag. Getroffen hat eine entleerte Pfütze einen jungen dynamischen Anzugträger Marke „BWL“ … Sofort wurde ich zu folgendem abscheulichen Gedanken hingerissen und hätte ihn gerne als kommentierenden Sticker an der nächsten Laterne gesehen: „Yuppie-Schwein… Pfütze an ’s Bein“ Nein, eigentlich hab ich ja nichts gegen Yuppies… Wieso genau wüsste ich nicht mal. Weil ein Anzug und eine Aktentasche das hässliche Gesicht des Kapitalismus wiederspiegelt?? Dieses sah ich jedoch eher um 6 Uhr morgens am Busbahnhof, wo sich die Arbeitenden sammeln, um anschließend in einem 8stündigen Vorgang in den Fabriken verheizt zu werden. Das Bushaltehäuschen glich einer Aussätzigen-Höhle. Krumme Buckel, schwielige Hände, geschwollene Augenringe, Geruch nach Metall. Das also sind sie, die „Verstoßenen“, die man lieber nicht im Tageslicht betrachten will. Zu schockierend wäre der Anblick einer solchen heruntergewirtschafteten, spaßverderbenden Gestalt… Zu schlimm wäre der Gedanke an die breite bürgerliche, nicht akademische Masse, die zwangsläufig vor der Glotze verblödet, weil sie sich nicht mehr rühren kann. Ich gesellte mich zu der Gruppe mit den erloschenen Augen, wurde eins mit ihnen, war es eigentlich schon immer, und machte mich auf den Weg in ’s Räderwerk… „Wer arbeitet, ist weg von der Straße“ In diesem Satz verstecken sich viele traurige Wahrheiten. Davon ließ ich mir meine Laune jedoch nicht verderben, auch nicht im Pausenraum, wo sich die Gespräche im Kreis drehen: „Also am liebsten verwende ich ja die weiße Balsamico-Soße“, „Ja die ist ganz wunderbar, sieht auch ganz toll aus in Streifen über dem Salat, das Auge isst schließlich mit“ Auch das tangierte mich nicht wirklich. Meine schlechte Laune kam von innen, woher genau wusste ich auch nicht, vielleicht vom Darm?? Dies führte jedoch schlussendlich zum Kauf einer Leonard Cohen CD , welche im Moment „reulos“ läuft, während ich versuche ein paar Gedanken zu formulieren, zu Platten, die gerade (auch) gefallen:

Bikes s/t (Bachelor Records)

Wunderbare Platte von ein paar Menschen, die bereits in Bands wie „Die ersten Menschen“, „Demons Claws“, „Hell Shovel“ usw. spielten… Trashig, flotter Garagenpunk, um jede Party zu ruinieren, die Spreu von Weizen auf der Tanzfläche zu trennen, um seine neue Liebschaft zu vergraulen. Ausgefeilt und erfrischend!! Genau so, bitte mehr!

Shitty Limits – Beware The Limits (LA Vida es un Mus Discos Punk)

Mit dieser Platte brauchte eine Weile, um „grün“ zu werden, jedoch gefällt sie immer mehr… 80s Hardcore Punk trifft auf garagige Rotzigkeit… Teilweise schön vertrackt, nie langweilig und immer auf den Punkt.

Sedatives – Teenage Runaway / Fascists 7″ (Erste Theke Tonträger, Red Lounge)

Sedatives sind einfach die Besten, ließen mich live zum ersten Mal in meinem abstinenteren Lebensabschnitt eine komplette Show durchtanzen, was jemand „cooleres“ dazu provozierte, mich absichtlich anzurempeln, was dahin führte, dass ein lieb dreinblickender, hünenhafter Bär von Mensch, den Typen am Kragen schnappte und wegstellte… Danke nochmal dafür bärtiger Unbekannter. Zurück: Teenage Runaway ist kein Song, sondern eine Hymne und endlich ist der Grat zwischen den anfänglichen scheppernden Demos (gut!) und der etwas zu überproduzierten LP (auch gut!) so hart umtänzelt, dass selbst der ärgste Purist nicht mehr nörgeln kann… Hoffentlich gibt ’s bald mehr zu hören von einer der wirklich besten Bands des zeitgenössischen Punkrocks… Und wenn sie nicht bald wieder auf Tour kommen, fang ich auch bald an Leut grundlos anzurempeln – nackt!

The Men – Leave Home (Sacred Bones)

Machen gerade gut von sich reden, nicht nur, weil sie auf einem hippen, Matador-Ähnlichen Indie-Label ein Zuhause fanden, sondern weil sie einfach eine Urgewalt sind (zumindest noch bis zu dem vorliegenden Album, das neue ist etwas weichgespült). Ein brutal, schöne Noisepunkattacke, wie ich sie hören will, wenn ich endlich mit meinem ersten, eigenen Panzer durch die Straßen düse…

Black Feet 7″ (Hard On Records)

„My Girlfriend told me to give this to you…“, sagte einer der Jungs von Moralens Väktare, dessen Freundin in dieser wunderbare Band spielte (gibt ’s leider nimmer). Danke dafür!! Schon irgendwie wie die Lost Sounds aber in der Grundstimmung etwas positiver, was sich auch im Sound niederschlägt, der auf der einen Seite in die etwas powerpoppigeren Gefilde abtaucht auf der anderen dann doch den Lost Sounds nahe kommt. Sehr schön und unaufdringlich der Synhtsizer, welcher einen zusätzlichen netten Akzent setzt. Geht in die Beine und in den Kopf… Toll!!

Reigning Sound / The Hentchmen Split 7″ (Norton Records)

Schöne Midtempo Nummer von Reigning Sound (I`d much rather be with the boys). Sehr toll auch die Seite der Hentchmen (Suprise , Suprise)…
Spitzen Bands – beide!! Ein interessanter Fakt beispielsweise ist, dass Jack White bei den Hentchmen spielte, bevor der Personenkult um ihn einsetzte…
Das Reigning Sound und Mojomatics Konzert in München ist jetzt schon eins meiner Highlights dieses Jahr!! Jippie!!

Und wenn sie das Cover spielen, rast ich aus, weil Lieblinngssong und so:

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