Biedermeier Revisited…

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Ich bleib daheim… Da draußen wartet nur die graue Kälte, sowohl die körperlich spürbare, als auch die zwischenmenschliche. Eingefrorene Emotionen, die mit Industriealkohol aufgetaut werden wollen. Blöd -könnte man meinen- ist, wer paralysiert zuhause sitzt, darüber nachdenkt, was alles so falsch läuft – auch und vor Allem mit einem selbst. Weit gefehlt. Vor die Tür zu gehen bedeutet, bereuen anzufangen. Ungestreift kommt man aus dieser Geschichte nicht raus, schuldig macht sich, wer das Haus verlässt. Die Träume sollen ’s gefälligst richten, die zwischenmenschliche Galle abpumpen, Platz für neuen Verdruss schaffen. Nein, nein, ich bleib daheim, will mich mit der Welt weder arrangieren noch mit ihr kollidieren, will nicht auf das kleinste Gemeinsame reduziert werden. Also mal schön im Warmen verharren, in meinem Panic-Room. Biedermeiern ist heut angesagt. Von innen ganz entspannt die Scheiße von oben anschauen.
Den Soundtrack dazu bilden heut:

Wild Moth – Morning Glow EP

Leider kann ich dieses Produkt bisher nur digital anhören. Schöner unpathetischer Postpunk, schrabbelig und harmonscih zugleich, ohne peinliche Weltschmerzscheiße, der das Genre gerne mal unterliegt, obwohl ich dem auch gerne mal nachhänge. Eröffnet bereits bei den ersten Tönen ein emotional weites Feld… Wirklich schön! Angesiedelt ist die Band in San Francisco, mehr kann ich leider nicht über die Leut sagen.

Wax Museums – s/t

Der erste Long-Player der Wax-Museuns (auf weißem Vinyl, was, wie ich seit der letzten Trust-Ausgabe weiß, Plattenpressen im Kollektiv die Hände über den Köpfen zusammenschlagen lässt), erschienen auf Douche-Master, ist mit Sicherheit weit jenseits vom Easy-Listening, ist generell zappelig überdreht, den letzten 5 Minuten vergleichbar, bevor man von Freunden auf eine Feier oder ein Konzert abgeholt wird, auf das man sich schon lange freut. Irgendwo zwischen Garagepunk und PowerPop und Amphetamine für die Öhrchen.

Crash Normal – Your Body Got A Country

Born Bad Records ist wirklich mal ein Biotop für abgefahrenste Musik… Lohnt wirklich, mal alles durchzuhören und man wird festellten, dass in Frankreich und Belgien, die Bands wirklich noch einen verschrobenen, sehr eigenständigen Film fahren in Sachen Garagepunk. Auch bei Crash Normal erfährt man das volle Effektgewitter, wird brutalst eingelullt von Sounds, die einem ungübten Ohr fast schon dissonant vorkommen mögen, für andere, auch was das fulminante Schlagzeugspiel angeht auch irgendwo zwischen Amon Tobin und einer krachigeren Version von Tortoise ein Zuhause finden könnten. Und mit Etienne, dem Betreiber des 7InchAllah Blog & Labels ist nicht nur ein Spitzenmusiker Teil der Band sondern auch einer nettesten Menschen, die die Garagepunkwelt wohl je geboren hat. Zu letzt war er mit den Skeptics als Schlagzeuger unterwegs, welche übrigens jetzt auch mit einer Langspielplatte aufwarten. Die muss auch her! Btw. ist das Artwork der Crash Normal Platte 1A.

CRASH NORMAL – Moon food from crash normal on Vimeo.

Outtacontroller – Don‘t play dumb

P-trash halt… Outtacontroller sind das fehlende Element zwischen den White Wires und Steve Adamyk Band, kommen zufälligerweiße auch aus Kanada, verbinden die Zurückgelehnheit der einen mit den Hymnen der anderen, das jedoch alles sehr unstrapaziös, teilweise vielleicht schon etwas zu sehr. Beim ersten mal hören lief die Platte so gut rein, dass ich schon gar nicht mehr bemerkte, wie sie schon zu Ende war… Genauer hinhören ist also gefordert und wird belohnt. Hier gibt es Collegepunk oder PowerPop der angenehmen Art, nicht das ewige Fat Wreck Rumgenudel, wobei das kein Abgesang werden soll, sondern eher ein wenig Gefrotzel in Richtung der Youngster, welche aus Mangel an Inspiration, wie Lagwagon klingen wollen und müssen… Ach was weiß ich… Auch dem klassischen Pop-Punk kann ich hier und da was abgewinnen. Ist jedoch ein wenig mit Salz vergleichbar. Zu viel davon maacht die Suppe schnell ungenießbar. Aber zurück: Outtacontroller sind der Hammer, zum Durchhören oder um einzelne Lieder zu feiern.

Night Beats – S/T

Für mich einer der herausragendsten Releases auf Trouble in Mind. Übrigens ein sehr symphatisches Label, dessen Spektrum gut mit dem von Burgerrecords vergleichbar ist. Night Beats bilden den optimalen Soundtrack für jede ernstgemeinte Opiumhöhle, lassen an Schlangenmenschen in Zeitlupe und Säureköpfe denken. Live waren sie sehr witzig anzuschauen in ihrer verdrogten Verpeiltheit. Wer auch nur im Geringsten etwas mit der Denke Jim Morrissons und der Musik der 13th Floor Elevators etwas anfangen kann, kann hier beruhight zugreifen…

Rotzkotz – Lebensfroh + Farbenfroh

Teilsweise sind mir die Releases aus No-Fun-Records ein wenig zu gewollt avantgardistisch aber die ein oder andere Band findet dann doch seinen Weg in mein Gehör… Nicht nur der „Moderne Man“ dürfen sich meines Fan-Seins gewiss sein, sondern jetz auch Rotzkotz… Diese Band für Von Spar und Musik in diesem Spektrum Pate gestanden haben. Überall schimmmert paranoide Urbanität hindurch und die Vertracktheit ist dann doch nie zu anstrengend und überfordernd…

Fix It – Who ’s The Pig

Neuerer Punk, der nach 80er klingen will, mit einem Gesang, der mal mehr mal weniger an Jello Biafra erinnert. Bei Fix It klingt das Alles nach tollem melodischen Punkrock, der trotzdem sehr lo-fi gehalten wurde, ohne großes Aufgemotze auskommt und die richtige Dosis Straße abbekommen hat. Aus Argentinien kommen die Leut…

Fidlar s/t

Ich glaube in meinen Händen so eine Art Europa-Edition bzw. Best Of von Fidlar in Händen zu halten… Übrigens wirklich ein unfassbar dämlicher Name… Aber sei es mal drum. Ich feier die Band, ganz ehrlich! Hab mir sogar überlegt, das vor Slebstverliebtheit nur so triefende Mega-Poster, das in der Platte zu finden war, aufzuhängen. Frischer und ungezwungener als diese Band die Genregrenzen überschreiten ist kaum mehr möglich. Der Gesang ist top, die Lyrics saudämlich, als hätten Beavis und Butthead ihre Finger im Spiel gehabt. Aber selbst das gefällt. Dude-Culture at its best… Die Songstrukturen sind entweder bis auf ’s äußerste ausgefeilt oder einfach nur schön in ihrer Einfachheit. Ein Album, wie eine entgleiste Hausparty… BOMBE!

Holograms – S/T

Ihre Hits haben sie defintiv -ja! Aber der ein oder andere Lückenfüller ist dann doch dabei… Von denen hätte ich fast schon lieber ein Single-Compilation oder so… ABC City war den Kauf der Platte jedoch schon wert. Einer der besten, radiotauglichen Songs, die in letzter Zeit geschrieben wurde. Ein Ohrwurm, wie er im Buche steht. Ok, ja, das PostPunkRevival mal außer acht gelassen, und dass die Holograms das Rad nicht gerade neu erfinden, bin ich trotzdem der Meinung, hier sehr schöne, zeitlose Musik vorliegen zu haben, die mir bestimmt noch einige Male die Zeit vertreiben wird. Und in manche Songs finde ich vielleicht noch rein, da sie mir bei den ersten Malen hören bestimmt auch nicht negativ auffielen…

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