Thee Oh Sees live – Lo-Fi-Dampfhammer

Schweiß, Energie, Krach und garage-typische Verschrobenheit in einer für diesen Musikstil eher ungewöhnlichen Location macht die Thee Oh Sees-Show im Foyer des Museums Ludwig jetzt schon zu einer der intensivsten des Jahres.

21.05.2013, Köln, Museum Ludwig

Endlich: Thee Oh Sees spielen ihre erste Show in Deutschland. Viel hat man gehört von dieser Band, viele Live-Videos gesehen, viele Stories erzählt bekommen von Menschen, die bereits in den Genuss eines der seltenen Europa-Konzerte gekommen sind. Der Output der Band ist gigantisch, was nicht zuletzt am nicht enden wollenden Ideenreichtum John Dwyers liegt, dem kreativen und charismatischen Kopf der Band, Labelmacher (Castle Face Records) und Mentor von Ty Segall. Die skurrile und impulsive Herangehensweise des Oh Sees-Sounds hat Dwyer bereits auf unzählige Langspieler, Singles und EPs gepresst und auch in Zukunft scheint noch lange kein Ende in Sicht – das neue Album »Floating Coffin« ist gerade raus und verspricht Großes, auch für den anstehenden Abend.

Am Tag des Konzerts erstmal eine schlechte Nachricht: Die eigentlich für die Dachterrasse (mit Blick auf den Dom) geplante Show muss wegen hoher Regenwahrscheinlichkeit in das Foyer des Museums Ludwig verlegt werden. Hier herrscht eher so etwas wie Uni-Mensa-Atmosphäre – passend zu den vier jungen langhaarigen Herren, die als Zentralheizung Of Death (Des Todes) konträr zu ihrem albernen Bandnamen durchaus passabel gespielten und sehr lauten Psych-Garage-Rock präsentieren. Gegen neun betreten John Dwyer, Brigid Dawson, Petey Dammit und Lars Finberg die Bühne und legen gleich los. Dwyer, der schon bei den fantastischen Coachwhips, Pink And Brown oder dem gewöhnungsbedürftigen Krach-Inferno von Zeigenbock Kopf (kein Schreibfehler!) spielte, ist heute auf jeden Fall die präsenteste Person auf der Bühne – niemand schwitzt, tänzelt und liebkost seine Gitarre so empathisch wie er. Verhallende Stimmen, der Doppelgesang Dwyer/Dawson, schrammelige Gitarren, ein treibendes Schlagzeug und Songs so mitreißend verschroben und dreckig, dass einem die eher unterkühlte Location gar nichts mehr ausmacht.

Die Bühnenpräsenz ist unvergleichlich – Zungen-Plektrum-Akrobatik von Dwyer, Schweißschleudern vom Bassisten (der eigentlich keiner ist, da er einfach seine Gitarre an einen Equalizer schließt und über seinen Bassamp spielt) und die nach dem Ausspucken kunstvoll mit dem Mund wieder aufgefangene Spucke. Thee Oh Sees spielen sich über eine Stunde lang durch ihren wunderbaren Backkatalog, reißen den Sound ab, definieren ihn neu und bleiben dennoch herrlich unkompliziert. Erinnerungen an Ty Segall oder Mikal Cronin werden wach und machen Lust auf ausufernde, unruhige Instrumental-Parts. Aber auch die etwas ruhigere Gangart beherrschen Thee Oh Sees perfekt, wie sie mit dem stimmigen »Minotaur« (übrigens mit herzallerliebstem Video) oder dem fantastischen The Creation-Cover »If I Stay Too Long« unter Beweis stellen. Die schneidenden Gitarrenwände und der ekstatische Krautrock-Puls lässt keinen im Publikum kalt, es wird ununterbrochen getanzt, gezappelt und sogar zwei Stagedives hingelegt – so etwas haben die starren Museumswände sicher noch nicht gesehen.

Mit der Show im Musem Ludwig zeigen die vier aus San Francisco, dass sie eine der dynamischsten und aufregendsten Live-Bands dieser Tage sind und ihnen musikalische Intensität aus jeder einzelnen Pore tropft. Dies unterstreicht nicht zuletzt der kleine Zettel, der an der Innenseite von John Dwyers Gitarrenkoffer klebt: »Dear luggage inspector. Please be careful with my stuff and close it with deliberation. It’s my life. Thank you very much.«

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1 Antwort auf „Thee Oh Sees live – Lo-Fi-Dampfhammer“


  1. 1 Pöff 25. Juli 2013 um 13:59 Uhr

    moin gangstar,

    hat mir schwer gut gefallen ich bitte um mehr von dir…mucho luv to ma secret love

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