Im Netz des Spinners

Großes war für heute geplant:

Duschen, in die Stadt fahren, in einem Haus sitzen, Gespräche führen, Dinge hören, die ich machen könnte, wenn ich wollte oder könnte. Irgendwas tun, produktiv sein, wieder ein funktionierender Teil der Gesellschaft sein. Hätte mir der hagere, kränklich wirkende Postbote nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht, mich Kaffee nachschenken und wieder im Sofa versinken lassen:

Froth – Bleak (Azbin Records / Frantic City)

Ein großes Album! Die beiden Weirdos Bart und Xavier beweisen mit diesem Release mal wieder Geschmack. Hätte nie gedacht, Britpop würde mir doch noch mal so viel Spaß bereiten… Wateten die Kalifornier mit ihrem Debut noch in traditionelleren Psych-Pop Gewässern, widmen sie sich hier eben genanntem BritPop/Shoegaze, erinnern teilweise ein wenig an eine sonnigere Variante von Motorama und auch generell an Musik, wie sie in den 90ern gehört wurde.
Die psychedelisch, mäanderende Ecke ist auch hier nicht wegzuleugnen. Neben „Ghosts“ von den Vickers ein Album des Genres, welches jede Nachtspazierfahrt zum Ritt auf der Milchstraße werden lässt. Könnte mich immer noch in den Arsch beißen, dass ich es nicht auf das Konzert gepackt habe, aber das Album lässt erahnen, wie gut das alles live geklungen haben muss.


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Nots – We are Nots (Goner Records)

Goner scheint gerade auch unter dem Zeichen des Synthesiserz zu stehen. Mit der neuen, fantastischen Ausmuteants LP nun auch diese Kombo, die irgendwo im Spannungsfeld zwischen Postpunk, Riot Grrrl und Garagepunk ihr Unwesen treibt. Treibend, minimalistisch, der Synthie schludrig wabernd, der Gesang abgehackt, anklagend, fast schon predigend. Für mich einer der spannendsten Releases der letzten Zeit.


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Thurston Moore – Psychic Hearts (Geffen Records)

Würde man mich nach meinem absoluten Evergreen Hit-Album fragen, wäre es mit Sicherheit dieses. Kann ich schon Sonic Youth den lieben langen Tag hören, ist dieses Album und im Speziellen der Song Psychic Hearts der Soundtrack zu meinem Leben. Würde ich Musik machen, würde sie so klingen wollen. Im weitesten Sinne Grunge, ja, unterscheidet sich jedoch durch Psychopathie und Tempo angenehm von all dem anderen Schruz der zu der Zeit aus diesem Genre entwuchs. Alle Songs zäh wie Kaugummi, brodelnd in ihrer Wut, ein Sarg voll Schlangen. Das Scheitern an der Welt war noch nie so schön in Musik gefasst, alles ohne hässlichen, schulmeisternden Pathos. Musik für Loser, für Menschen die meinten, ohne Lügen, ohne das zur Fratze erstarrte Lächeln durch’s Leben zu kommen.


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