Unerwartete Tücken beim christlich-abendländischen Kannibalenkult


Mein Bedürfnis, über meine ehemalige Arbeit in einem christlich-orientierten Altenheim zu berichten, hält sich zwar stark in Grenzen aber ein Erlebnis empfand ich dann doch als exemplarisch für die omnipräsente Geistlosigkeit, wie man sie -glaube und hoffe ich- nur im „ruhigen Hinterland“ zu finden vermag.

Von den alten Menschen und ihrem teils antiquierten bis gefährlichen Gedankengut will ich noch nicht einmal reden. Das eigentlich viel Spannendere und Realsatirische trug sich eher im Pausenraum und bei den Dienstbesprechungen zu.
Ob es die „Pleitegriechen“ waren, über die krachend, kross, kartoffelig hergezogen wurde, die Putzkraft, die chronisch im Verdacht stand zu klauen (wer denn sonst?) oder aber schwerst demente Leute, denen man wünschte doch „endlich gehen zu dürfen“. Der Gedanke, dass Menschen damit glücklich sein könnten, Gesichter in Getränke-Pfützen zu malen oder auch damit, über die Gänge zu flanieren, diese fremde, magische Welt immer und immer wieder auf’s Neue zu entdecken, kam ihnen nicht einmal im Ansatz in ihre barmherzigen Schädel. Böse Erinnerungen wurden da wach und mein Bauch wollte nicht aufhören zu krampfen.

Nein, auch darüber will ich nicht schreiben, da sich das Irrealste an zwei Donnerstagen zutrug, an denen das Abendmahl im Rahmen der Gottesdienste abgehalten wurde.
Wie es der Brauch halt so will, wird Brot und Wein serviert. Fleisch und Blut, ihr wisst ja…
Da ich mir nicht immer alles so aussuchen konnte, wie ich es wollte, war es manchmal auch an mir, das alles vorzubereiten. Also, Wein aus dem Keller geholt, Brot entrindet, klein geschnitten und halbwegs ansehnlich auf dem Silbertablett (!) an das emsige, selig lächelnde Helferlein des Pfarrers überreicht. Das Spektakel konnte also beginnen, die Pforte des Himmelreich auf Erden schloss sich und nur wenig von dem esoterischen Happening drang noch durch die Glasscheiben des Versammlungsraumes nach Außen.

Als es jedoch an den Punkt kam, dass der fein säuberlich entrindete und kleingeschnittene Leib Christi an die außergewöhnliche Kirchengemeinde überreicht wurde, d.h. an Menschen, die teilweise weniger Zähne als Finger aufzuweißen hatten, begann der eigentliche „Spaß“…
Erst aus einer Kehle, dann aus mehreren war lautes Husten zu vernehmen, erste Zeichen einer drohenden Aspiration.
Wie dem pavlovschen Hund der Sabber, begann bei mir der Schweiß zu fließen und ich dachte nervös „so kann das doch nicht weitergehn!“. In meinem kleinen, umnebelten Atheistengehirn stellte ich mir vor, wie „rechtschaffene“, fleißige Kirchengänger reihenweiße am Leib ihres Allerheiligsten ersticken. Diese Ironie der Kirchengeschichte wollte ich Allen ersparen und strich beim nächsten Mal Butter auf die Brote, auf dass niemand dieser Gefahr erliegen mag.

Schnell jedoch wurde die Mogelpackung durch das emsige Helferlein entdeckt und mit strenger Ermahnung unterbunden. In schwejkscher, achselzuckender Unterwürfigkeit kratzte ich die Butter also wieder runter.

Nun ja, und falls sie noch nicht gestorben sind, hustet eine Handvoll alter Menschen einmal im Monat ihre Gebete durch die Decke und sind ihrem Gott dann doch noch ein (Brot)Stück näher als sie vermutet hätten.

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1 Antwort auf „Unerwartete Tücken beim christlich-abendländischen Kannibalenkult“


  1. 1 neuromo 22. Juli 2015 um 7:55 Uhr

    haha !!

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