Meister der Isolation


Nothing People – Soft Crash LP (Sol Re Sol)

Muss schon sagen, diese Band hat sich etwas in mein Herz geschlichen.
Machen sich wirklich gut zwischen Sex Church und His Electro Blue Voice.
Klingen schwer nach 90ern, nur in cool.
Ausufernd, düster, psychopathisch – alles drin.
Die spärlichen Auftritte, die wohl nie außerhalb ihrer Stadt stattfanden, machen sie zu einem existierenden Phänomen.
Wer Chrome was abgewinnen kann, liegt auch hier nicht falsch.

Wet Drag – Work Drag 7″ (Wacky Wacko)

Also das Label. Wer teure, quietschbunte bis untragbare Klamotten sucht, die beispielsweiße von Hunx gestaltet wurden, oder die auch sämtliche Tampon-Marken, derer sie habhaft werden konnten, grafisch auf sich vereinen, hat hier das persönliche Paradies-Gefunden, die Apokalypse des Kitsches.
Auch ein paar Platten gibt’s da unter dem Label zu haben. Entsprechend der Kleidung, von Quintron & Miss Pussycat, Hunx und überraschender- und coolerweiße auch von Grass Widow, die personell auch einen Teil zu Wet Drag beisteuern. Hört euch unbedingt auch ein weiteres anderes Projekt von Grass Widow, die Ruby Pins an. Großartig!!! Wet Drag wiederum klingen wie das amerikanische Äquivalent zu Good Throb, d.h. Riot Grrl – Postpunk der schrägen Art, welcher immerzu an Gang Of Four erinnern will.

Violence Conjugale / s/t (Born Bad)

Frankreich ist bekanntlich die Knastinsel des Garagenpunks, in punkto Musik und Weirdness der enstellte Zwillingsbruder, der zwischen den Wänden haust und sich von Fischköpfen ernährt.
Gleichzeitig aber Wiege und Vorreiter vieler schöner Spielarten. KBD-Punk und Cold Wave meint man, wären zwischen Frankreich und Belgien auf die Spitze getrieben worden. Neben Stones Throw haben sich auch die Leuts von Born Bad der archäologischen Arbeit in diesem Genre verschrieben. Aber auch aktuelle Acts, die das Feld gelungen beackern, fanden da ein geistiges Zuhause. So Z.B. auch Violence Conjugale, welche mittlerweile von Belgien nach Berlin übersiedelten.
Was braucht es mehr als eine Bande von Synthesizern und nen Kumpel, der dazu singt. Klasse Kombination, die hier voll aufgeht. Minimalstischer und feiner Sound, der einfach wirkt, es aber nicht ist und auch innerhalb einzelner Songs durch Nuancen andere Türen öffnet. Obwohl ich kaum ein Wort versteh, vermute ich einfach mal, auch aufgrund des Band-Namens und der nicht gar so geilen Stimmung, die da gemacht wird, dass die Lyrics dem Sound entsprechen. Mag die Platte sehr gern.

und ganz nebenbei haben diese Leut (in einem Teil auf dem gelungenen Foto zu sehen), ihr eingängigstes und vielleicht bestes Album produziert.
Ganz ehrlich, ich mag ihre Musik nicht immer. Aber als ich die Live-Videos sah und Geschichten von ihren Auftritten hörte, die an Lautstärke einem Porzellanladen in der Elefanten-Einflugsschneise gleichen, eine unsubtile Form der Folter darstellen (wunderbar bewießen durch die Mickey-Maus des Schlagzeugers), wurde ich bekehrt, bin Fan und bereue kaum, die Höhen der Epplehaus-Büro-Anlage damit überstrapaziert zu haben…

das neue Album:

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und live so:

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