Auf dem Teller

Woolen Men – Temporary Monument LP (Woodsist Records)

Die Platte ist gerade gut dabei, eine meiner liebsten zu werden.
Schrullig ist tatsächlich eine treffende Bezeichnung für die ganze Band, welche in ihrer unauffälligen Erscheinung gerne mal so wirkt, als käme sie von einem sonntagnachmittaglichen Spaziergang mit der Familie. Weniger Punk ist kaum mehr möglich.
Ganz anders die Musik. Konnten sie mich mit ihrem Vorgänger nicht so wirklich überzeugen, da der ganze Sound etwas fahrig wirkte, gefallen sie mir mit dieser LP umso besser. Mark E. Smith und früher Portland-Punk haben bei den Wollmännern defintiv ihre Spuren hinterlassen.
Mal klingen die Gitarren frickelig wie bei dem Opener, mal kann man die Wipers nicht wegleugnen. Trotz oder gerade wegen aller Verquertheit ist dieses Album ein erfrischend erwachsenes, das sich fast aller adoleszenter Thematik entledigt hat. Titel wie Alien City und University erwecken zwar einen anderen Eindruck, grundsätzlich sind die besungenen Thematiken jedoch durchweg existentiell ohne pathetisch oder weinerlich zu sein…
Alles wunderbar unterproduziert. Gefällt bei jedem Mal hören etwas mehr!!

The No-Talents – s/t (Broken Rekids Reissue)

Dieser Reissue ist genau das richtige für all diejenigen, die gerne mal wegen der Entwicklung des Garagepunk rum schmollen. Die fingierte Absage der Mummies an Burger Records und der krasse Output von Total Punk sind defintiv Zeichen dafür, dass eine Rückbesinnung stattfinden will und sich die „Szene“ doch wieder nach dem Punk in Garagepunk sehnt, übersättigt ist von der Vielfalt die tagtäglich durch die Ohren rauscht – so paradox das klingen mag…
Zwischen Predator und Natural Child befinden sich zwar Welten aber was soll ’s???
Nach wie vor sind für die leut, welche den Begriff des Punks an der Geschwindigkeit der Musik festmachen, Bands vorhanden.
Obwohl ich gern mal mal mitnörgle, versteh ich das ganze Aufheben also doch wieder nicht.
Wurst egal, die No-Talents schaffen auf jeden Fall spitzen Abhilfe bei einer Burger-Überdosis.
Die Band hatte ihren Zenit in den 90ern, brachte zwei Lps und eine Handvoll Singles heraus. Gitarristin lili Zeller kann man schon als das französische Äquivalent zu Alicia Trout sehen.
Neben den No-Talents stechen auf jeden Fall Volt und ihre Solosachen als Lili Z. heraus.
Die No-Talents klingen wie das fehlende Glied zwischen den Zodiac Killers und New Bomb Turks. Rudimentär, kompromissloses Geballer ohne Sinn und Verstand. Stumpf, schnell und pissig.
Mehr kann man sich von einer Garagepunk-Band kaum wünschen. Bin Fan!!

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