Der Deutsche

„Die Deutschen habe ich kennengelernt, und ich habe sogar für sie gearbeitet: die denkbar niedrigste Stufe der Menschheit. Ein Deutscher produziert im Durchschnitt doppelt soviel Fäkalien wie ein Franzose. Hyperaktivität der Verdauungsfunktion zu Lasten des Hirns, die ihre physiologische Unterlegenheit zeigt. Zur Zeit der Barbaren-Einfälle übersäten die germanischen Horden ihre Wege mit unsinnigen Haufen fäkaler Materie. Infolgedessen konnte ein französischer Reisender auch in früheren Jahrhunderten sofort an der abnormen Größe der Exkremente neben der Straße erkennen, ob er die elsässische Grenze schon überschritten hatte. Und wenn’s nur das wäre: Typisch für den Deutschen ist auch die Bromhidrose, dass heißt der unangenehme Schweißgruch, und es ist bewiesen, dass bei einem Deutschen der Urin zwanzig Prozent Stickstoff enthält, während es bei den anderen Rassen nur fünfzehn sind.
Der Deutsche lebt in einem Zustand permanenter Verdauungsbeschwerden wegen seines exzessiven Bierkonsums und jener Schweinswürste, mit denen er sich vollstopft. Ich habe sie gesehen, eines Abends während meiner einzigen Reise nach München, in einer von jenen Schenken, die an profanierte Kathedralen erinnern, verraucht wie ein englischer Hafen, nach Speck und Schweinefett riechend, wie sie da dicht an dicht nebeneinandersitzen, sogar je zwei und zwei, sie und er, die Hände fest um jene Bierhumpen geklammert, die jeder allein den Durst einer Herde Dickhäuter stillen würde, Nase an Nase in einem tierischen Liebesdialog, wie zwei Hunde, die sich beschnuppern, mit ihrem brüllenden Gelächter, ihrer trüben gutturalen Heiterkeit, Gesichter und Leiber glänzend von einem immerwährenden Fett, das sie salbt wie das Öl die Haut der antiken Gladiatoren.
Sie nehmen den Mund voll mit ihrem Geist, was zwar im doppelten Sinne spiritus heißt, aber den Geist des Bieres meint, der sie von Jugend auf verblödet, was erklärt, warum jenseits des Rheins nie etwas interessantes in der Kunst produziert worden ist, außer ein paar Gemälden mit abstoßenden Fratzen und Gedichten von tödlicher Langeweile. Zu schweigen von ihrer Musik-ich spreche gar nicht von diesem lärmenden und pathetischen Wagner, der jetzt auch die Franzosen so besoffen macht, aber nach dem wenigen, was ich gehört habe, sind auch die Kompositionen ihres Bach total unharmonisch und kalt wie eine Winternacht, und die Symphonien dieses Beethoven sind eine Orgie von Ungehörigkeit und Flegelei.
Ihr maßloser Bierkonsum macht sie unfähig, sich auch nur die geringste Vorstellung von ihrer Vulgarität zu machen, aber der Gipfel dieser Vulgarität ist, dass sie sich gar nicht schämen, Deutsche zu sein. […] “

Eco, Umboerto: Der Friedhof in Prag, München, 2011, S. 12-14.

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