Dance to the punk music?

Während des Besuchs eines wunderschönen Wagenplatzfestes durfte das Publikum zeuge einer Show von HC Baxxter werden. Als ich einst einen Link zu dessen Musik bekommen hatte, war schnell festzustellen, dass ich mich damit nicht länger zu beschäftigen brauche. Die Texte hat man schon bei mindestens 3 anderen Projekten des Genres gehört, der deutsche Akzent in den englischsprachigen Songs klingt furchtbar lächerlich und insgesamt hört es sich von der Stimme her an wie ein Projekt von Torsun (Egotonic) bei dem er es nochmal wissen wollen würde. Egotronic macht ja mittlerweile fürchterliche Punk/Wave Mucke, was aber vielleicht auch nicht so schlimm ist.

Was sich – alkoholbedingt – vor der Bühne zu einer ziemlich netten Party entwickelte, frischte dazu zwei alte Erkenntnisse über das Genre Electro-Punk auf, welche ich einst aus dem Munde des vorhin erwähnten Torsun hörte:

1. ist Electro-Punk in einer Hinsicht die konsequente Weiterentwicklung von Punk. Von den Toten Hosen (und sicher auch der ein oder anderen Band zuvor) bis zu Cränk, meiner ersten Band, entstehen Punkbands gerne dadurch, dass sich eine kleine Gruppe dazu entscheidet auf einmal Punk machen zu wollen. Und wenn man kein Instrument spielt, welches dafür geeignet ist, werden eben völlig random oder je nach Präferenz die Instrumente, welche dafür notwendig sind, den verschiedenen Mitgliedern zugeteilt.
Nette Sache auf jeden Fall. Braucht nur leider etwas Zeit bis dabei etwas hörbares heraus kommt. Aber in jedem Falle deutlich weniger wie wenn man ins Orchester möchte. So ebnete Punk vielen Leuten, durch seine einfache DIY Attitüde, den Zugang zur eigenen Musikalität.
Electro-Punk nun, macht das Ganze noch einfacher. Es braucht nicht mal mehr eine Hand voll Leute, die kein Instrument spielen können, man braucht es noch nicht mal selbst tun.
Es braucht nur einen Computer und noch ein Musikprogramm welches sich einfach aus dem Internet beschaffen lässt. Ein wenig Musikverständnis kann sicher nicht schaden, aber was sollen diese Ansprüche …
Ein ziemlich demokratischer Gedanke, denn diese ganze Musiziererei ist eine teure Angelegenheit. Klar kriegt man für 100€ ne billige Gitarre und nen Verstärker, aber mit sowas kann man sich vor kein Publikum stellen, wenn man nicht vor hat alle zu vergraulen. Somit ist MusikerIn zu sein, auch bei Punk, immer eine Geldfrage.
Electro-Punk minimiert diesen Faktor stark.

2. tanzt bei Punkshows niemand! Sicherlich bietet sich das auch nicht bei jeder Punkband an, doch wird es viel zu oft auch einfach verunmöglicht. Stattdessen hauen sich Leute, die in vielen Fällen einwilligen, sich gegenseitig auf die Fresse. Was sicher auch mal Spaß machen kann und befreiend sein kann, aber für sowas gibt’s auch Kampfsportvereine.
Und viel zu oft geht der „Spaß“ gegen Leute, welche nicht eingewilligt haben und dann gibt’s eben ein gerissenes Kreuzband plus Meniskus (klar hätte ich nicht mit jemand auf dem Rücken durch den Pit müssen, aber bei diesem Punk soll man sich ja angeblich ausleben können), ne gebrochene Rippe, weil man sich, an der Wand lehnend, die Show angucken wollte oder den Fuß eines Stagediver an den Kopf, so dass man gleich im Krankenhaus landet und der Spaß dann sowie so vorbei ist.

Und wer dominiert den Pit, wie auch die Gesellschaft? Die Männer.
Selten gibt sich auch mal die ein oder andere Frau der Idiotie hin sich in so einem Pit freiwillig kaputt zu machen.
Doch je härter die Mucke, desto härter das Verhalten im Pit, desto weniger Frauen darin.
So meine bisherige empirische Wahrnehmung.
Nicht so bei Electro-Punk. Da gibt es zumal keinen Pit, welcher einen rechtlich und moralisch völlig neu ausgestatteten Raum innerhalb der Location eröffnet. Die Leute tanzen (ja genau das) allerorts und zwar gemeinsam. Da gibt es auch Platz für alle: Männer wie auch Frauen und alle weiteren Identitäten.
Schon mal jemand nen Rollstuhlfahrer im Pit gesehen?

Trotz der Weiterentwicklungen des Electro-Punks, ist die Hochphase des Genres (vor ungefähr 7-10 Jahren) schon lange vorbei. Vielleicht auch nicht schlimm. Irgendwann konnte man es nicht mehr hören. Es kam einfach nix Neues.
Komischerweise ließe sich das auch über Punk sagen, aber das ist immer noch alive ‚n‘ kickin‘.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email