Ein sicherer Hafen

Durchzechte Nächte bis in die Morgenstunden schreien nach einer Möglichkeit für gemeinschaftliche Nahrungsaufnahme. Sowie der Möglichkeit einfach weiter zu trinken. Doch selbst in der Super-Duper-Alles-Geil-Stadt Leipzig ist das an einem Sonntag morgen um 8 Uhr nicht so einfach, bedenkt man, dass es hier bereits schwer genug ist Nachts einen schäbigen Döner zu bekommen. Auch das Konzept „Späti“ wird allzu wörtlich genommen und bietet seine Dienste eben auch nur bis spät in die Nacht an. Hier divergieren die Zeitvorstellungen zwischen Käufer und Verkäufer manchmal leider stark.
Eine Tanke bietet nur selten das Ambiente um einen schönen Abend gebührend ausklingen zu lassen. Zudem sind Raucher dort nicht gern gesehen und die Preise würden mehr Service wünschen lassen.

Unter einer Brücke, die das nötige Streetflair gibt und zudem sogar noch vor Regen schützt, in unterhaltender Sichtweite zu einer Bande Waschbären, lässt sich ein kühles Bier mehr als angenehm konsumieren.
Doch der Hunger nagt an den Nerven und der Fitness der GenossInnen.

Da vernehmen wir eine wärmende Erzählung unserer Genossin, über einen Ort der zu schön klingt um wirklich existent sein zu können.
EINE KNEIPE. Nein, aber nicht irgendeine. Eine, die verlorene Seelen nicht der bösen und gefährlichen Außenwelt überlässt. Die ihre Tore zu kaum einer Zeit verschließt und der das leibliche Wohl ihrer Mitmenschen am Herzen liegt. Und es gibt dort Pommes!
Ein selbst geschriebener Jingle lässt die schönsten und buntesten Farben vor unseren geistigen Augen erscheinen und allein diese berauschen uns noch einen Hauch mehr.

Doch viel zu schön um wahr zu sein klingt alles. Wie ein reines Utopia. Um diese unchristliche Zeit soll Erlösung nahen?
Selbst der Kommunismus schien in diesem Augenblick wahrscheinlicher.
Bei dem Gedanken, dass auch dies nur wieder eine weitere der vielen Lügen dieser Gesellschaft, in der es an Glücksversprechen nicht mangelt, sei, schlug die Skepsis mancher in pure Frustration um. Die Rückkehr zur Tanke, wie die Scholle auf der man sich versucht einzurichten, um sich vor den Verhältnissen in Sicherheit zu fühlen, sollte der Kurs der vermeintlichen Realisten sein.

Doch die als UtopistInnen verlachten sollten, wie selten in der Vergangenheit, Einigkeit beweisen und gaben die revolutionäre Stoßrichtung vor. Kein Wind, kein Wetter konnte den Drang der Mutigen nun aufhalten. Die Spannung stieg mit jedem Meter dem wir unserem Ziel näher kommen sollten. Ängste, doch den falschen Pfad eingeschlagen zu haben, machten sich in uns breit. Doch die Moral der Truppe durfte nicht gefährdet werden. Solche Gedanken hatten keinen Platz um ausgesprochen zu werden.

Und da war es … Licht!

Sie hatte offen und Oh meine Freunde! ein unbeschreibliches Gefühl des Glücks durchströmte die GenossInnen. Vor Freude wären wir uns am liebsten, mit Tränen in den Augen, in den Armen gelegen, doch zogen wir es vor einfach rein zu gehen. Für andere Augen vielleicht ein rustikaler Sumpf, doch für uns wie ein wolkenfluffiger Platz im Himmel. Selbst die größten Zweifler gestanden ein wie falsch sie doch lagen. Und das mit Freude. Denn es gab alles: Bier, Schnaps, Pommes und alles was das Herz begehrte. Sogar Novoline-Automaten. Eine sicherer Herberge in der selbst die finstersten Gestalten zu Brüdern und Schwestern wurden und mit mütterlicher Sorgfalt unsere Bestellung entgegen genommen wurde. Wir labten uns reichlich an den Getränken und Speisen, die uns zur Verfügung gestellt wurden und bis zu unserer unausweichlichen Abreise, sollten wir ein unbeschwertes Gefühl des Miteinander genießen. Ein Miteinander, welches vielleicht viel zu selten geworden ist, in einer Welt, in der Menschen auf kleine Kästen starren und dabei von einem Auto überfahren werden, weil sie gerade dabei waren fiktive Monster zu sammeln.

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2 Antworten auf „Ein sicherer Hafen“


  1. 1 Pöbelmacker 18. Juli 2016 um 14:17 Uhr

    Schöne Geschichte, für mich ein bißchen wie eine Erzählung aus einem weit entfernten Land vor meiner Zeit… Nein ernsthaft, fast schon trauer ich durchzechten Nächten derart nach, wüsste ich nicht, dass solches „Zusammen-Sein“ dann leider oft doch nur über den gemeinsamen Konsum definiert ist…
    Whatever, find’s cool, hier auch mal wieder andere Geschichten zu lesen!!!!

  2. 2 Cpt. Schmock 19. Juli 2016 um 22:22 Uhr

    Natürlich wurden die schlechten Aspekte des Morgens für die Pointe ausgespart. Und noch seltener Enden solche durchzechten Abende in einer solchen euphorischen, wenn auch alkoholisiert-dummen Szenerie. Der Moment des „Offenbarung“ war nur so überwältigend, dass die Geschichte sich etwas anbot um mal wieder das Schreiben zu üben.

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