hätte, könnte, Würde


Alle 11 min verliebt sich ein Single über Parship, alle 13 min stirbt ein Mensch durch eine Heckler&Koch-Waffe. Darf das schon als 2-0 für die Liebe gewertet werden?
Ich weiß, die Nazis wurden nicht mit Räucherstäbchen besiegt und sie entschwanden auch nicht wieder auf die dunkle Seite des Mondes. Die Faschistenstanze funktioniert noch ausgezeichnet.
Nachrichten, die so beginnen: „Der Pis-Vorsitzende benimmt sich wie ein…“ lassen mich dann doch irgendwie schmunzeln, auch wenn ich den Rest des Zitates vorenthalten will, weil mindestens so dumm, aber ok, auf diesem Sender läuft des Nachts jetzt auch schon mal die Nationalhymne. „Kunst brauch Freiräume“ hab ich wo mal aufgeschnappt, in ehemaligen Freiräumen, die mittlerweile zu Gefängnissen umfunktioniert wurden, werden Künstler gefoltert. Das Bürgertum zieht sich bibbernd in die eigenen 4 Wände zurück, zu Kammermusik, Häppchen, familiärer Wärme und einer Zeitgeist-Doku über den Flachbildschirm, „geschützt“ von Mauern, die sich der Merkwelt längst schon entzogen haben.
Nihilismus und Hedonimsus liegen so nahe als individuelles Konzept, um dem ganzen irgendwie entfliehen zu können.
Die gleiche Scheiße wiederholt sich bis in’s Kleinste, wie bei einer Mandelbrot-Menge – nur halt in hässlich. Der Kapitalismus ist vielleicht die Institutionalisierung des Ganzen, aber ist der Karren nicht schon viel länger im Dreck, sind da vielleicht Dispositionen im Menschen zu finden, die den Kapitalismus erst so weit haben gedeihen lassen können? Kein Plan…
Zwei Sätze, die ich vor Kurzem las, blieben irgendwie hängen, lassen mich dennoch so ratlos zurück wie ich davor schon war:

„Viele Millionen Menschen […] machen einfach mit, leben nicht ihr Leben, besinnen sich nicht darauf, was sie eigntlich wollen und wie sie in Wirklichkeit leben wollen und wer und was sie daran hindert. Nur in diesem Hamsterrad, nur in dieser Art von Konformismus, nur in dieser Art von Passivität, in der die Konkurrenz allein zum Handeln treibt, nur in dieser Besinnungs- und Würdelosigkeit erhalten sich Verhältnisse, in denen Menschen über Menschen herrschen und in denen das vornehmste Bedürfnis der menschlichen Natur, das Bedürfnis nach der selbstbestimmten Entfaltung der eigenen produktiven Anlagen, täglich umgelenkt, kommerziell ausgebeutet und in den Dreck gezogen wird.“ (völlig aus dem Kontext gerissen aus Manuel Kellners: Kritik der Religion und Esoterik“)

und

„Die Literatur gestattet einem, sich an der Wirklichkeit zu rächen, indem man diese der Umwandlung durch die Dichtung unterzieht“ – Beauvoir

Schreiben ist vielleicht tatsächlich der Versuch, das Kuddelmuddel der eigenen Wahrnehmung irgendwie zu entwirren, ein Versuch sich irgendwie über die Dinge zu stellen. Alles scheint sich in einer Spirale nach unten zu drehen, viele spüren das und die Antworten sind schnell zur (Maus)Hand, lassen sich einfach finden zwischen Youtube und Google, die „Schuldigen“ -wie üblich- schnell ausgemacht…

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