„It’s a fast way to die, sitting and watching life go by“


Nein, das ist kein Punk, hör also am Besten gar nicht hin, mach dir nicht die Mühe, dafür ist in deinem Kopf kein Platz…
„Sometimes a perfect jangly riff can make the whole world seem brighter.“ schreibt Pitchfork über das Melbourner Trio Chook Race und ihre LP „Around the house“,
welche Ende 2016 auf Trouble in Mind und Tenth Court erschien. Die Band existiert seit 2010, zieht ihre Inspiration aus den Releases auf Flying Nun und frühem C86-Indie-Pop. Zwei Begriffe, wo du, als großer Versteher der Musikwelt natürlich spätestens kopfschüttelnd aussteigen musst, diese Band für dich abhaken kannst, da die Alarmglocken läuten ob des Visions- und SpexPotentials… Vielleicht nicht ganz zu Unrecht, aber es gibt sie noch, die wahrhaftige Musik jenseits des „großen“ Indiependent-Rock Eiergeschaukeles, das dann doch auf Bademäntel, lustige Hüte und Rumhüpf-Geräuschkulisse reduziert werden kann. Also nochmal von vorne. Chook Race sind Meister der Harmonien. Ja, das ist wohl dieser Pop, der dich in deinen Grundfesten bedroht. Nein, ist er nicht, Chook Race sind erst mal 3 Kids, die ein wunderschönes Album aufgenommen haben, das mich entfernt an die Releases der Magic Bullets erinnert oder auch an die von Tender Trap. Bekanntlich gibt’s für jedes Ärschlein sein Töpfchen, also kann man das schon als Twee-Pop bezeichnen, wenn man unbedingt möchte oder muss. Aber ich hab nicht das Gefühl, dass diese Songs aus der Intention heraus geschrieben wurden, was unfassbar Knuffiges zu kreieren, obwohl es genau das doch irgendwo geworden ist. Australien ist sehr klein, also waren auch bei diesem Album etliche schon bekannte Namen involviert. So z.B. Tom Hardisty (Nun, Woolen Kits), der das Album mit der Band an gerade mal einem Tag aufgenommen hat. Produziert wurde das Ganze von Mickey Young (Eddy Current Suppression Ring, Total Control). Genau die Sorte Musik, die ich gerade brauche, Musik, wo ich das Gefühl bekomme, dass neue Türen aufgestoßen werden in bisher unerforschte Gefilde, die ihre Existenzberechtigung nicht aus gegenseitigen Referenzen und Reproduktionen zieht, so hinken eigentlich auch alle Vergleiche, die ich bisher zog. Trotzdem klingt ihr neues Machwerk irgendwie familiär, so als wär es immer schon dagewesen.
Vielleicht ist das aber auch Garage-Rock mit Pop-Sensibilität, vielleicht ist es aber auch einfach nur unglaublich schöne, intime Musik.
Trotzdem kann man, wenn man will dann doch auch Lou Reed in „Start ANew“, zeitgenössisch, zurückgelehnten Gargerock in „Pictures Of You“ raushören, klar, aber Musik macht irgendwie doch keinen wirklichen Spaß mehr, wenn sie zerredet und zergliedert wird.
Wenn ich mal groß bin, das nötige Geld aufbringen kann, ist dieses Album genau das, das ich mir neben denen von Cold Beat, Golden Triangle oder Helta Skelta besorgen möchte um die Stunden in dieser Schimmelhölle sinnstiftend füllen zu können.

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