„Mr Robot“ – Ein Lehrstück in Sachen verkürzter Kapitalismuskritik

Die -von Feuilletons hoch gelobte- Serie, welche beim SXSW-Festival 2015 Premiere feierte und den Publikumspreis gewann, beginnt mit den Worten „[…] Was ich dir jetzt sage, ist top secret, da gibt es eine mächtige Gruppe von Leuten da draußen, die im geheimen die Welt regieren, ich spreche von den Kerlen, von denen niemand weiß […]“
Der innere Monolog des zurückgezogen lebenden Protagonisten Elliot, ein begabter, aber desillusionierter Hacker, der für eine Sicherheitsfirma arbeitet, welche wiederum für Evil-Corp (!), einen schwerreichen Global-Player, arbeitet, zeigt auf, in welche gruselige Richtung das Ganze noch gehen wird und wer jetzt noch nicht genug hat, wird förmlich überschwemmt mit Verschwörungs-Terrorismus. Evil-Corp verkörpert in der Serie die „hässliche Fratze“ des Kapitalismus , „das größte Konglomerat der Welt, die sind so groß, dass sie buchstäblich überall sind“ So weit so beknackt. Elliot, neurotischer Zweifler, der er ist, vebringt seine Freizeit mit Alleine-Sein, Hacken, Besuchen bei seiner Psychiaterin, Weinen und Menschen online stalken. Das ganze Zweifeln und die Beschissenheit der Dinge kann er gerade mal durch wohldosierten Morphium-Konsum verkraften, bis sich sein Leben grundlegend ändert und er Mr Robot kennelernt, Kopf der Hackergruppe „fsociety“, eine Mischung aus Anonymous, Robin Hood und Occupy Wallstreet, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben Evil-Corp zu hacken, um einen Crash des globalen Finanzsystems herbeizuführen… Das Ganze wird sich im Laufe der Serie als eine große Hommage an Fight Club erweißen, so wird man im Dunkeln gelassen, was von dem, das sich abspielt wirklich „real“ ist und was nur Ausgeburt des kranken Drogenhirnes Elliots; die Botschaft an das Publikum bleibt jedoch die selbe und so lässt einen die Serie nicht lange warten bis zum nächsten antisemitischen Versatzstück. Bereits in der zweiten Folge gibt es so eine Art Online-Kampfansage der fSociety an Evil-Corp durch ein Youtube Video: „[…] wir machen keine Kompromisse, wir sind erbarmungslos, wir werden nicht aufhören, bis jeder Tentakel eurer bösartigen Monströsität bis hin zum Nerv abgetrennt wurde […]“, lässt eine Gestalt verlautbaren, die mit ihrer Maske an Anonymous erinnert. Anonymous muss generell einen schweren Eindruck bei dem Regisseur hinterlassen haben, so war sie auch NamensPate für die eigene Filmproduktionsgemeinschaft „Anonymous Content“, deren neuester Streich „Tote Mädchen lügen nicht“ ist.
Logisch, haben die paranoiden Halluzinationen des Protagonisten unterschiedliche Ebenen, trotzdem lässt man sich schnell vom pseudo-revolutionären Chic, der hier vom Regisseur propagiert und wahrscheinlich auch geglaubt wird, verführen.
Gerne würde ich bei dieser Serie meinen Computer an die Wand schmeißen, mich wieder anderem zuwenden, z.B. eine Platte auflegen. Vielleicht ja die erste Solo-Platte von Thurston Moore, wäre auch er nicht einem ähnlichen Wahn verfallen wie die Macher der Serie Mr. Robot…

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