Bandcamp killed my baby

Man kann sich mittlerweile defintiv darum streiten, welchen Wert es noch hat, Reviews zu schreiben. Es ist so einfach, sich durch Bandcamp-Profile, YoutubeKanäle und Blogs zu wühlen, um noch irgendwie hörbare und schöne Sachen zu finden, trotzdem finde ich es nach wie vor nicht sinnbefreit, eben, vorzufiltern, eigene Worte zu Bands zu finden, sich selbst ein Archiv anlegen mit Sachen, die man immer wieder gerne hört, die man anderen gerne zeigen würde. Trotzdem fühlt es sich immer noch seltsam an und fast werde ich nostalgisch, wenn ich daran denke, wie wir uns Neuerwerbungen damals (höhö) noch über das Telefon vorspielten, was meistens einen unhörbaren Matsch abgab und eher nervte… Neue Musik zu entdecken ist so einfach geworden, sich zwischen den Szenen zu bewegen ebenso. Längst muss man sich nicht mehr persönlich in eine Szene reinzecken, um noch irgendwie an den guten Stoff zu kommen. Das übernimmt jetzt das Internet und alle können sich halt mal als Alles entwerfen, was aber doch schön ist, verdammt!!!
Gegen klare Verhältnisse in der Musikwelt!
Folgende Releases haben mir die Stunden versüßt:

Casual Hex – Fleshed Out (Halfshell Records)

Ist schon eine Weile her, dass für diese Band angefragt wurde, ob sie hier spielen können und erst neulich haben sie sich
wieder in meine Erinnerung geschlichen. Ich hab kein Hintergrundwissen zu den Leuten, weiß auch nicht, ob sie noch
zusammen spielen, bzw. ich glaube vor nicht allzu langer Zeit waren sie mal u.a. in Berlin.
Erinnern mich fern an Final Solutions, auch des metallischen Gesangs wegen. Sperriger Garagepunk,
der in unterschiedlichen Gewässern fischt und dermaßen frisch daher kommt, einen schönen Soundtrack zum mentalen
Abfuck bildet.

School Damage – Phone Drone / Something (Moontown Records)

Manche Menschen machen mich wirklich kaputt. Carolyn und Jake gehören dazu und immer noch will ich mir mit Schaum vor dem Mund in den Arm beißen, dass ich die Ausmuteants hier nicht sehen konnte, weil ein Schatten meiner selbst und ehrlich, mir sind ein paar Tränen die Wange heruntergekullert, als ich ein gut aufgemachtes Live-Video der Band auf eben dieser Tour sah.
Aber ist doch nur Musik!? Zumindest die Frowning Clouds konnte ich mitnehmen und will die Hoffnung nicht aufgeben, dass School Damage, Parsnip, Chook Race, Hierophants, Drug Sweat doch mal über den großen Teich
kommen… Wenn man Jake glauben darf, waren P.U.F.F, die einen Tag nach den Frowning Clouds hier spielten,
einer der Gründe die Ausmuteants zu gründen. Da versuchen arsch-coole Leute jahrelang, uns verstockten, puristischen
Szenekartoffeln den Stock aus dem Arsch zu reißen und gebracht hat’s erst nix… Alles egal, meine Augenbrauen sind fast wieder zusammengewachsen und ich könnte stundenlang Carolyn beim Singen zuhören und bin leider ein Lügenschwen, weil School Damage länger existieren als angenommen und u.a. diesen wunderbaren Release hatten:

Unsanitary Napkin – Patriotic Grooves (Zero Style, AlwaysNeverFun, Limbless)

Was bitte ist das?? Wenn es einen Preis für das beste Artwork geben könnte, wären diese Band ganz weit oben auf meiner Nominierungsliste.
Man kann über den Sound sagen, was man will, aber das Konzept der Band lässt mich jauchzen:
„The idea of Donald Trump’s head being blasted open by a majestic winged vagina seems more relevant than ever given“
Nuff said, hör selbst, ob euch die Musik dahinter auch gefällt:

His Electro Blue Voice – Mental Hoop (Iron Lung, Maple Death Records)

Mittlerweile auf Iron Lung gelandet (passt!), scheinen die Leute hier ihren Sound perfektioniert und abgeschliffen zu haben.
Scheiße, muss das live ein Brett sein. Wirklich eine der einzigartigsten Bands, die die Noise-Punk-Welt gerade zu bieten hat.
Wer hier irgendwelche Referenzen sucht, muss wohl ganz tief wühlen, mir fällt zumindest keine ein.
DER Soundtrack zum Atomkrieg!

Red Red Krovvy – s/t (Helta Skelta Records)

Manche Bands sind mit ihrem Namen so omnipräsent, dass mir dadurch die Lust vergeht, überhaupt reinzuhören, aber ich
sollte davon endlich wegkommen, wirklich. Diese Band hat jede Aufmerksamkeit verdient, die ihr zugute kommt.
Arschgeiler, garagiger Punk mit HC-Punk-Anleihen. Verdammt, diese Band existiert seit 2007, wenn man Discogs glauben
darf. Dieser Release ist jedoch ihr aktuellster. Mit Helta Skelta, dem Label zur Band, scheinen sie gut untergerbracht.
Weitere Releases auf R.I.P. Society, ein Label, das auch immer wieder einen Blick wert ist…
Geht ab!

Hand & Leg – „Hand & Leg“ (Slovenly Rds)

Slovenly überrascht mich immer wieder… Wo graben die Leut nur immer wieder diese arschguten, meist einzigartigen Bands aus?
Ok, diese Band kommt aus Griechenland, befindet sich wohl irgendwie im Umfeld von Bazooka und Konsorten, die auch immer
und immer abgefahrener werden in ihrem Sound. Freak-Rock ist doch eine schöne Beschreibung für diese Band, die wirklich Spaß
macht. Schön verschrobener Gesang auf einem Gitarrenspiel, das dermaßen sumpfig daher kommt, schön wabernd genau das richtige
ist, um sich die Birne vollzuknallen mit dem Lieblings-Narkotikum…
Gefällt gut!

Yass – Night Wire (x-mist)

Yass sind defintiv eine meiner Lieblings-Live-Bands des letzten Jahres. Ein dermaßen intensives Feuerwerk kommt einem leider allzu selten
in die Ohren. Würde ich, könnte ich, wäre das eine Band, in der ich defintiv die Triangel spielen wollte. Voll egal, hauptsache die Möglichkeit
wäre dadurch gegeben, diese Band oft genug sehen zu können. Coole Noise-Tüftler, die defintiv meinen Nerv treffen. Man möchte fast nicht glauben, was bei den Leuten Alles an Technik auf der Bühne steht, selbst eine eigene PA bringen die mit…
Das ist allerfieseste Welt-Raum-Paranoia und die Leute zusammen mit Appaloosa und vielleicht HEBV auf der Bühne wären mein Noisehappening
der Extraklasse, ungelogen. Was für eine Band und was für unglaubliche CoolBerts!!
Die will ich wieder sehen!

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