It’s not you, it’s your music

„Also dieses Album hat mich jetzt zu 87% überzeugt, kommt direkt nach dem neuen Arcade Fire-Album aber noch vor dem neuen Radiohead-Release“ Warum genau muss Musik in Prozent, in 4 von 5 Sternchen ausgedrückt werden? Warum bitteschön gibt es Band-Contests und solchen Quatsch?
Würde das zwar keinen Menschen wirklich interessieren, würde ich jetzt auf diesem Popel-Blog anfangen, solche Wertungen vorzunehmen, ab und an sogar ein Review schreiben für eine Band, die ich wirklich unterirdisch find, nur damit auch das untere Prozent-Spektrum abgedeckt ist, denke ich doch, dass so etwas anfängt für Bands eine Rolle zu spielen, sobald man seine Tracks an ein großes Magazin oder einen Blog schickt, wo eben genau solche Wertungen vorgenommen werden.
Klar, ist es schön, als Konsument von Musik irgendeinen Richtwert zu haben, andere die Arbeit machen zu lassen, wenn man sich irgendwie in eine Materie wühlen möchte, aber bestärkt solcher Mist nicht erst wirklich, was in der Musik Gift und Galle ist, etwas, das eigentlich erst mal grundsätzlich schön ist, komplett in ein falsches Licht rückt, also dem ganzen einen Wettbewerbs-Charakter überstülpt… Wer hat die meisten Platten verkauft, die meisten Klicks, den längsten Follower-Rattenschwanz auf Bandcamp, wer die meisten Likes, wer die meisten Zusagen auf seiner Show. Wirklich, das sind defintiv Dinge, die die Menschen hinter den Bands wohl wirklich freuen, wenn sie denn aufgehen, aber wenn ein solches Fass erst mal aufgemacht wird, muss es halt auch ausgetrunken werden und wird nicht selten allein-gültiger Maßstab. Aber ist Musik auch für den Konsumenten nicht erst mal eine emotionale Angelegenheit? „Was macht das jetzt mit dir“ würde der Pädagoge fragen. Fühlt es sich gut an bei den Oh Sees komplett auszurasten, fühlt es sich gut an, bei der Band deiner Freunde komplett auszurasten, wenn sie deinen Lieblingssong spielen? Wenn du hier ja ankreuzen kannst, kannst du der Band im Kopf mindestens 10 von 10 Sternen geben, sind das also die erhofften 100%…
Klar, kann man immer noch sagen der Wettbewerb würde erst so wirklich beflügeln, ist vielleicht leider schon ein wesentlicher Bestandteil des Menschseins aber brauch man das wirklich, brauch man unbedingt eine Reibefläche, um etwas Schönes schaffen zu können? Ist es nicht einfach nur das, was es mit dir anstellt, wenn du dir das anhörst oder wenn du es sogar selbst produzierst?
„Feel it or leave it“ steht auf meiner zweit-liebsten Toilette und genau so ist das doch. Warum ein Review schreiben für eine Band, die einem nicht gefällt, warum schlechte Wertungen abgeben, Menschen aus anderen Bands unterbuttern, um im rechten Licht erscheinen zu können, warum die Platte, CD, Kassette nicht einfach wieder weglegen, nicht auf das Konzert gehen, auch wenn all deine Freunde das jetzt feiern mögen? Vielleicht ist der Moment einfach noch nicht der Richtige, vielleicht gefällt sie dir ja in zehn Jahren, wenn du schon fast vergessen hast, warum du sie nicht so mochtest, wenn sich dein Innenleben so sehr verändert hat und dein Ohr vielleicht auch, dass du z.B. einfach lieber Spritual Jazz als das aller fieseste Hardcore-Geknüppel hörst.
Trotzdem macht es natürlich Spaß und ist wohl etwas ganz anderes, wenn, wie jemand geschrieben hat, „Punks anfangen zu arbeiten wie Hip Hopper“, also erst mal alles in Grund und Boden gedisst wird, bevor auf diesem Schlachtfeld die Party des Milleniums geschmissen wird. Aber da würde ich sagen, dass die Intention erst mal eine andere ist und nicht erst durch einen schnöden Wettbewerbs-Gedanken zu erklären ist. Wie auch immer… Der Stimme in meinem Kopf gebe ich da ausnahmsweiße Recht und 7,7 von möglichen 10 Punkten.

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