Reviews: Bed Wettin‘ Bad Boys, Mattiel, Knowso, Lassie

Bed Wettin‘ Bad Boys – Rot (What’s your rupture, R.I.P. Society)

Wer sich etwas ausführlicher mit Royal Headache oder auch Red Red Krovvy beschäftigt hat, dürfte auch bereits über die Bed Wettin‘ Bad Boys gestolpert sein.
Aber nicht, dass ihr jetzt denkt, dass wäre einfach nur ein Spaß-Nebenprojektchen. Nein, dabei handelt es sich um eine Band, die bereits einige Jahre auf dem Buckel hat, sich schon lange der poppigeren Seite des Rocks widmet. Die Nähe zu Royal Headache kann man defintiv raushören, aber der Sound ist hier doch noch etwas abgeglätteteter. Irgendwo habe ich gelesen, dass bei diesem Album keine einzige Note veschwendet wird und ich finde das ist ein schöne Beschreibung. Das läuft so verdammt geschmeidig in’s Ohr und die Zeit beim Hören vergeht wie im Flug. Man bedarf keines großen Fachwissens, um erahnen zu können, dass das live höchstwahrscheinlich irre gut aus den Boxen scheppert und dass sich das Publikum kaum ruhig dazu verhalten kann. Vielleicht wurde da auch heimlich etwas Elvis Costello gehört aber ganz sicher auch eine Menge anderer PowerPopPerlen der vergangenen Jahrzehnte – aber bitte jetzt nicht glauben, dass wäre ein einfaches Retro-Gefummele, nein, das Album macht einen sehr zeitgenössischen Eindruck, ist meilenweit entfernt vom Muff, den man sogar seinen Eltern vorspielen könnte. Das ist verdammt erwachsene und ehrlich-schöne Musik, deren melancholischer Grundton perfekt in das tröge Dümpeln in den Tag hinein passt, nicht zuletzt auch durch eine fast schon hypnotische Kante. Der perfekte Soundtrack, den man über die Kopfhörer hören will, wenn man durch neonschwangere Straßen spaziert. Hier wird auf das Leichteste mit deinen Emotionen gespielt – ohne, dass dir das vielleicht noch auffällt. Kaum haben sie dich in die Grübelei gestoßen, reißen sie dich wieder daraus hervor. Ich verfall ins Labern. Das ist unfassbar schöne Musik, wie gemacht für deinen Plattenspieler!!!

Mattiel – Mattiel LP (Burger Records)

Ich muss gestehen, ich war nicht immer fair gegenüber dem Label, dabei dürfte jedem DIY-Fanatiker klar sein, dass es sich bei den Leuten schlicht und ergreifend auch nur um unfassbar bessesene Leute handelt, die nie genug haben können von geiler Musik. Und wirklich, mit diesem Album haben sie ein goldenes Ei gelegt. Musik, die ich vermisst habe, ohne es gemerkt zu haben und mein geheimes Indie-Herz, das ich über die Jahre dann doch weit unten vergraben habe, schlägt da schon etwas höher, nicht nur weil ich mich an das Feature von Holly Goligthly bei den Greenhornes erinnert fühle. Schnell dürfte bei diesem Vergleich klar werden, dass Mattiel eine ähnlich irre Stimme hat. Oh, nein, ich will nicht den Eindruck aufkommen lassen, hier würde es sich um die nächste Rumhüpf-Sensation handeln. Das ist weit davon entfernt, wirklich. Mattiel bewegt sich schwerelos durch die 60er und 70er, ohne allzu versessen retrospektiv zu wirken. Das Alles hat so dermaßen viel Seele, dass es auch nicht verwundert, dass das Umfeld von Curtis Harding da auch seine Finger mit im Spiel hat und beiweilen wird man vielleicht auch schon mal an „Hunger Child Blues“ von Townes Van Zandt erinnert oder an die besten Zeiten des soul-infizierten Garagerocks aus Detroit (Jim Diamond und co.)… Auch der Folk-Einschlag, der immer wieder mal durchscheint, kommt dermaßen unbeschwert daher, dass man fast vergessen will, wie sehr dieses Genre bereits bis zur Unkenntlichkeit durchgewargelt wurde. das Groß des Instrumenatriums wurde von Randy Michael und Jonah Swilley an den Gesang angeschmiegt. Unfassbar gute Musik, die fast schon wieder in die Vergessenheit geriet, aber da war wirklich mal eine Zeit, als wir die Black Keys und Soledad Brothers rauf und runter gehört haben bei unseren Fahrten in seltsame Abenteur. Gefällt mir sehr gut.

Knowso – Look at the chart (Neckchop Records)

Verrücktes Label mit noch verrückteren Bands. Einer, der neusten Streiche kommt von eben Knowso, über die ich genaugenommen gar nichts weiß und auch nichts finden kann, also muss ich mich wohl irgendwie damit begnügen, dass sie vielleicht wirklich auch aus Fullerton kommen.
Schon das Artwork lässt ziemlich schnell klar werden, dass die Musik hier schon ein wenig sehr psychotisch ist. Mir fallen da auf Anhieb recht wenig Vergleiche ein, aber das scheppert sehr gut aus den Boxen. Sehr verschroben und daneben, wie es vielleicht die Useless Eaters oder Black Time schon bestens vormachten – sumpfig, schwer und angenehm vertrackt.
Und tatsächlich, selbst hier in Schland kann man noch an die Platte rankommen. Checkt auch die anderen Bands auf dem Label aus.

Lassie – Yes! Like the dawg

Es lohnt sich doch immer wieder auf der New Blood – Rubrik bei Maximum Rock and Roll vorbeizuschauen.
Manchmal stößt man sogar auf Bands, die gar nicht so weit von einem entfernt leben. Lassie bestehen zu mindestens einem Teil aus Leuten von Zentralheizung Of Death und auch die kürzlich hinzugezogenen Staches haben in Form von Leo Marchand an dem Album mitgewirkt, der sich für die Aufnahme verantwortlich zeigt. Auch der Seitenhieb auf die Staches im Intro von Phonecalls on my Deathbed hat mich förmlich jauchzen lassen. Mit den selben und Maraudeur ist wohl auch eine Tour in naher Zukunft geplant. Weiter eine Split mit den wahnsinnigen Deltoids. Also, wer auf die Useless Eaters und/oder Spider steht, wird auch hier bestens bedient und man kann sich sehr gut ausmalen, dass das sicherlich auch live schierer Irrsinn ist. Ich würde mir wirklich gerne einen Sampler zulegen mit Songs über Segway-Cops, das ist bereits der zweite nach dem der Latex Lovers. Weirdo-Garagepunk aus der Zukunft, der Lust auf mehr macht!

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