Reviews: Drahla, Lithics, Middex

Ich wünschte, ich würde all diese Tonträger in physikalischer Form besitzen, aber bestimmt habe ich im nächsten Leben einen sinnstiftenden, hochdotierten Job, den man gerne im Smalltalk erwähnt beim leichtfüßigen Gespräch in der Studi-Kneipe. Bis dahin muss ich mit den digitalen Releases vorlieb nehmen und warten, warten, bis die Platten nirgendwo mehr zu haben sind, aber vielleicht kann ich ja jemanden von euch mit den Bands anfixen. Also kauft euch gefälligst den Scheiß, den ich mir nicht leisten kann.



Drahla – A Compact Cassette (Captured Tracks)

Immer dann, wenn man das Maul am Weitesten aufreißt, dass wenig bis gar nichts aus einem bestimmten Landstrich gerade zu hören ist, wird man prompt eines Besseren belehrt. Damit sind die UK gemeint. Drahla z.B. kommen auch aus Leeds, sind sozusagen das Methadon für diejenigen, die Sonic Youth dann doch sehr vermissen und gerne den Thurston Moore wieder hätten, der noch nicht völlig den Verstand verloren hat. Aber dieser Vergleich greift viel zu kurz. Drahla spielen unangenehmen, schweren, mäandernden, basslastigen Rock, der dich mit der nötigen Dosis schlechter Gefühle für den Tag versorgt. Wenn du die Welt durch die Kopfhörer „betrachtest“, während diese Musik läuft, findest du dich augenblicklich in einem dystopischen, desolaten Szenario wieder.
Spoken-Word-artiger Gesang, existenzialistische Wortbrocken, eingehüllt in einem Instrumentarium, in das sich sogar wunderbar ein Saxophon einfügt, ohne deplatziert zu wirken, manchmal fast daher kommt wie eine musik-gewordene Szene aus Naked Lunch… „Is it real?“ wiederholt die Gesangsstime und man möchte fast in diesen Kanon einstimmen, so sehr wird man von der Musik aufgesaugt und nach gerade mal 8 Songs wieder in die Realität entlassen.



Lithics – Borrowed Floors (Water Wing Records)

Diese Band beschäftigt mich wirklich schon seit Tagen. Zwar haben sie einen neuen Release vorzuweißen und zwar auf Kill Rock Stars, aber dieser fügt sich eigentlich nahtlos ein nach dem hier besprochenen. Auch hier kann man wieder das Art-Rock-Wörtchen verwenden, weil man einfach sonst keiner Bezugsgrößen mehr mächtig ist aber was bitteschön ist Artrock? Ich muss da immer an Vernissagen und Kunststudenten denken, die auf Rohren rumklopfen. Ich kann mich dem Bild einfach nicht erwehren. Vorsicht, jetzt kommt das geballte Namedropping. Lithics klingen wie die bestmögliche Schnittmenge aus Wire, The Fall, Raincoats, Neoboys, Priests, Shopping und Maraudeur. Das ist sehr minimal gespielter, manchmal fast schon sperrig daher-kommender super durchstrukturierter PostPunk, wie er mir gerade sehr gut gefällt. Mit Bob Desaulniers spielt z.B. auch ein Mitglied von Hornet Leg bei dieser Band und auch hier kommen wieder Honey Bucket in’s Spiel, mit denen der Release des neuen Tonträgers diesen Monat feierlich begangen wird. Diese Musik muss einfach auf einem Plattenteller gespielt werden. Trotz aller Sperrigkeit will man sich doch instinktiv zu dieser Musik bewegen und das auf erdenklichst seltsame Art und Weiße. Z.B. der Song „Shees“ der so wunderbar nach vorne getrieben wird durch das wahnsinnig intensiv-hypnotische Bassspiel. Irre gute Band, die sicherlich in Bälde auf Europa-Tour sein wird.

Middex – No Home (Polytechnic Youth)

Verrückter Minimal-Wave, der mich förmlich kaputt zu machen droht. Ungelogen, während ich die Songs hier hörte und anfing zu schreiben, seilte sich direkt vor mir eine Spinne von meiner schimmeligen Decke ab. Genauso klingen Middex – wie die minimale Vertonung eines Arcade-Alptraums. Spoken Word untermalt von analogen Synthi-Sounds. Hypnotisch bekommt hier eine neue Bedeutung. Der Gesang, wenn man es denn noch so nennen will, fräst sich direkt auf einer Klang-Welle nach der anderen in deinen Kopf. Verrückte Musik von verrückten Menschen für noch verrücktere. Fast schon zu verstörend, um noch angenehm angehört zu werden, aber verdammt, dreh den Bass zum Anschlag auf und lass dich von dieser bedrohlichen Musik in ihren Kosmos entführen. Middex spielten u.a. Shows mit Scrap Brain und The Worms… Beide Bands sind sehr empfehlenswert für Menschen die nie genug haben können von frischen, sehr guten HCBands…

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