Support your local Deutschland?

Deutschpunk, Deutschrap, Krautrock, Neue Deutsche Welle… Haben „wir“ ein Identitätsproblem?
Sickert so langsam in das kleine Köpfchen, dass es ganz schön deutschelt in der Musikwelt, dass da längst ein omnipräsenter Minderwertigkeitskomplex zum Status Quo wurde und das nicht nur wenn man sich den geistigen Dünnpfiff von Naidoo, Bushido und Konsorten reinpfeift, sondern auch ganz gewaltig direkt vor der eigenen Haustür und vielleicht auch in deinem favorisierten AZ…
Support your local scene!!! D.h mach gefälligst Shows für den unhörbaren Scheiß, den die Leute in deiner Stadt produzieren. „Wir“ sind hier aber nicht in Berlin, Leipzig oder sonstwo, sondern in der tiefsten, scheiß-schwäbischen Provinz, in der man offenkundig längst verlernt hat, noch Dinge abzufeiern, die halt nicht gerade in dem Proberaum produziert werden, wo man sich die Birne wegsäuft. Klar, sollen sie doch spielen. Am Besten Alle gleich an einem Abend, dann fällt wenigstens keine Band mehr aus dem Rahmen, dann merkt wenigstens keiner mehr, wie scheiße das klingt. Aber ist doch egal, wichtig ist allemal sich gegenseitig die Eier zu schaukeln, das Gefühl des diffusen Zusammenhalts, zu feiern und zu saufen, die neuen Klamotten und Shirts ausführen, sich als so richtiger Punker fühlen. Ich habe es satt, wirklich. Ich meine, sicherlich seid ihr die nettesten Menschen der Welt, das mag schon sein, aber warum müsst ihr Instrumente spielen? Das jahrelang und es zeigt sich einfach kein Weiterkommen, es kommt nix dabei rum und am Allerwenigsten ihr, außer vielleicht an Orte und zu Menschen, die noch weniger Geschmack haben.
Da hocken sie allesamt auf den protzigsten DIY-Tempeln, wie die Hennen auf dem Ei und es tut sich nix, es wird keinerlei Ambition gezeigt auch mal was zu machen, z.B. für starke tourende Bands, die halt eben nicht nur aus den beschaulichen Bubbles kommen, die man sich hier im Laufe der Jahrzehnte errichtet hat. Da hat man die geilsten Bars, alles-zerfetzende PAs und was spielt darüber? „Ha des isch halt die Kapelle vom Schorsch, die machet so richtig fetzigen Deutschpunk. Isch an guder Moa!“ Die Bude zum Bersten voll, Geld fließt über den Tresen und zurück in die Kehlen. Gelernt hat man auch was. Bullen sind blöd und Deutschland auch…
Wow, für diese Erkenntnis muss ich mir so was nicht antun. Der Mischer, mindestens so dicht wie die Band hat alles unter bester Kontrolle. Nicht nur, dass die Band an sich schon scheiße genug klingen würde, es pfeift auch noch aus allen Ecken und Winkeln der PA.
Währenddessen reißen sich ein paar wenige Bessene sprichwörtlich den Arsch auf, dass die krassesten Bands durch Europa gepeitscht werden und wen interessiert`s? Wenige andere Bessesene vielleicht und diese dürfen sich dann damit rumschlagen, dass eine Band aus den USA beispielsweiße erst mal unter dem Generalverdacht steht buchstäblich auf den Kopf gefallen zu sein, denn schließlich haben knapp die Hälfte der Wählenden für Trump gestimmt. Jaja, Idiocrazy ist schließlich amerikanische Realität und sowieso, dieser allgegenwärtige Imperialismus (auch in der Kultur), dieser verquere Nationalismus, die Schießeisen und all das… Warum sollte man sich so etwas öffnen, also dem Generalverdacht der Verblödung oder so ähnlich. „Think global act local“. Die ausländischen Band nehmen den deutschen die Buden weg. Und überhaupt, über was singen die denn?
20 Leute tummeln sich vor der Bühne, alle mächtig im Arsch, Repräsentanten des globalen Dorfs, „jaded as fuck“. Alles gesehen, alles schon mal dagewesen. Kaum jemand bewegt sich, aber wenigstens die Platten werden brav gekauft. Eigentlich sind die ja schon ok.
Was, es gibt noch was zum Fressen im Bachstage? Geil, das fehlte jetzt noch nach dem fünften Bier, schließlich gehört die Bude einem und das Essen sowieso. Sollen die doch gucken, wo sie bleiben, mit ihren überteuerten Buttons und ihrer blöden Punkerprovo. Nicht bei UNS, nicht hier. Wo kommen die denn her? „I zahl nix“…
Es ist ein immerwährendes Anschwimmen gegen den Strom dessen, was „richtig und wahr“ ist, sich zumindest so verkauft, weil man gelernt hat, wie man sich zu verhalten hat und das auch gefälligst von allen Gästen erwarten darf und muss.
„Also, ich finde ja, beim Schorsch, da weiß man, was man hat. Isch an Guder!“

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