Reviews: I.V. , The Garrys, Wax Chattels, Cold Meat/Ubik

I.V. – Magnesium

Erscheint in Bälde wohl in Form einer 7″ auf Total Punk. Bei dieser Band, die das fieseste aus den TV Freaks und Video zu extrahieren scheinen, handelt es sich um Leute aus dem Color TV, Citric Dummies – Umfeld. Räudiges Geschreddere, wie ich es am Liebsten habe und einem Release auf Total Punk mehr als würdig!! Man darf gespannt sein.

The Garrys – Warm Buds

Ich habe ihn wohl gefunden, den Soundtrack meines persönlichen Sommers. The Garrys kommen aus Saskatoon – tiefste kanadische Provinz, hat mir Wikipedia verraten. Nein, so schlimm ist es nicht, das ist wohl ein ganz pittoreskes Studenten-Städtchen. Ist ja auch völlig egal, aber mir macht das die Band nur umso sympathischer. Auch, dass sie sich ganz schön unverschämt aus den 60s-Garage-Compilations bedienen, sorgt dafür, dass ich diesen Sommer fast schon gerne auf der Straße, also in einem Tourbus, mit den Leuten verbringen möchte. Das ist einfach scheiß-cool, die Wurzeln des (Garage)Punk nicht aus den Augen zu verlieren, das Ganze auch noch so aufzubereiten, als wäre es in den 60ern entstanden, aber ohne allzu sehr dem Vintage-Konstrukt zu verfallen. Die Surf-Note, welche bei dem Nachfolger noch maximiert wird, gefällt unheimlich gut und Songs wie Druscilla und Come on sind schlicht perfekt und mir will einfach nicht einfallen, an welchen anderen Song mich ersterer erinnert. Würde ich mich durch all die 60s Klassiker nochmal durchhören, könnte ich Antworten bieten, aber komm schon, wie egal ist das? „Come on“ wiederum könnte so auch aus dem Soundtrack von „The Virgin Suicides“ entlehnt sein (wenn denn statt Air die Zombies den Soundtrack geschrieben hätten) fängt die Atmosphäre des Filmes genauso gut ein, wie er in das narkotisierte Leben in den Tag hinein passt, an paralysierte Kiffereien im Freien und kalte Limo erinnert. Aber wer seine Referenzen gerne etwas moderner hat, sei doch an La Luz, Las Robertas oder auch an Canyon Spree erinnert. Gerade dass das Alles irgendwie noch einen etwas unausgegorenen Eindruck macht, will mir unheimlich gefallen und auch die Songs, die eher dream-poppig daher kommen, will ich nicht über Bord geworfen wissen. Super-entspannte, schön retrospektive Musik und fast schon finde ich es schade, dass diese Richtung mit dem Nachfolger nicht beibehalten wurde.

Wax Chattels – s/t (Flying Nun/Captured Tracks)

Also, erstmal stimmt es nicht, dass Flying Nun der Vergangenheit angehört, aber es stimmt, dass sie nun gemeinsame Sache mit Captured Tracks machen, welches bekanntlich das Label von Mike der D.C. Snipers und Blank Dogs ist. An zweitere erinnern die Wax Chattels doch ein wenig oder auch an Tools You Can Trust. Von sich selbst sagen sie, dass sie Gitarren-Musik ohne Gitarren machen. Diese wird bei den Tracks durch einen Synthesizer ersetzt, der dem Ganzen eine bedrohliche, künstliche Note verpasst, was so genau die Absicht hinter dem Songwriting war. Die Songs sollen dich in einen Mahlstrom der schlechten Gefühle reißen, was ihnen ausgesprochen gut gelingt. Der ätherische Gesang und das grummelnde Bass-Spiel tun ihr übriges, dich komplett zu zerrütten. Immer wieder brechen NoiseRock-Strukturen durch, vor Allem vorangetrieben durch das irre Schlagzeugspiel, das sich manchmal fast schon fernab vom übrigen Geschehen zu bewegen scheint, aber dafür sorgt, dass nicht nur der Kopf sondern auch die Gliedmaßen angesprochen werden, was auch bestens durch die Live-Videos bewießen wird. Das ist ein nervenzerrüttender Trip der mit Noise-Vereinnahmung genauso leicht umzugehen weiß, wie mit tanzbaren, fast schon wavigen Teilen. Schön auch, dass Flying Nun immer noch ein Ohr am Puls der Zeit hat und das seit nunmal fast 40 Jahren, was das Label fast doppelt so alt macht wie die Mitglieder der Band. Respekt!


Ubik / Cold Meat, Split 7″ (Lost in Fog, Helta Skelta)

Was geht eigentlich grad in Australien? Die Masse an fantastischen Bands, die wie Pilze aus dem Boden schießen, ist kaum mehr zu überblicken und mit diesen beiden Bands wurden zwei der besten Post-Punk Bands, die gerade aus dieser Region kommen auf einer Scheibe vereint. Cold Meat, mit Leuten, die sich ihre Sporen bereits bei Helta Skelta und den Nerve Quakes (bester Wave, Teledrome nicht unähnlich) verdienten, sorgten für einige Lacher bei mir, so verrät mir Discogs beispielsweiße, dass Ack!Ack!Ack! offizielles Band-Mitglied ist – haha… Also streng ich mich an, Dinge zu schreiben, die nicht allzu bescheuert klingen, wenn sie mit Google übersetzt werden.
So agressiv und angepisst die Lyrics hervorgebellt werden, so roh und minimal das instrumentiert ist, so lustig sind die besungen Themen dann doch oftmals. Was es z.B. mit „Jimmys Lipstick“, einem früheren Release der Band auf sich hat, wird z.B. bei Pitchfork
verraten. Die besungenen Thematiken sind von einem feinen Gespür für feministische Kämpfe und Thematiken durchzogen und auch der Sound wirkt wie eine beste Retrospektive auf 80er Punk, erinnert hier und da beispielsweiße an „Penis Envy“ von Crass. Nach Pork Sword Fever drei weitere Songs, die die Meßlatte ganz schön hoch setzen, wenn es um zeitgenössischen PostPunk geht.

Ubik, die zweite Band auf dieser Split ,sind sozusagen die Band Masses, nur unter anderem Namen und anderem Sound. Mit diesem Projekt bewegten sie sich ein paar Schritte weg vom bisherigen deathrocklastigen Anarcho-PostPunk hin zu einem fast schon futuristisch anmutenden, super eingängigen PostPunk, der gerade seinsegleichen sucht und mit diesem Release auf dem Hauslabel der Masses und auch dem von Red Red Krovvy gelandet sind. Diese Songs sind zwar etwas anschmiegsamer wie diejenigen von Cold Meat, aber passen wunderbar dazu und man möchte sich fast schon wünschen beide Bands würden zusammen auf eine Europa-Tour kommen. Eine wahnsinnige Split!!!

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