Reviews: Color Tv, Debbie Downers

Schön, zwischendurch mal wieder ein Review über Tonträger zu schreiben, die ich so auch in physikalischer Form vorliegen habe.
Es fühlt sich doch immer noch ein wenig falsch an, einfach mal drauf loszuschreiben, wenn man über eine coole Band im Internet stolpert, weil ich denke, dass Plattformen wie Bandcamp, so klasse sie auch sein mögen, die Aufmerksamkeitsspanne doch erheblich verringern und fast schon ein eigenes Medium darstellen. Kaum ist die eine Band durchgehört, wird auch schon die nächste Sau durchs Dorf getrieben und so weiter und so fort. Da fühlt es sich doch gleich einen Tacken ehrlicher an, wenn man die Releases, über die man schreibt, in eigenen Händen hält, die Verbindung zu der Musik nicht nur aus Einsen und Nullen besteht und ein paar holprigen Worten dazu.
Aber schließlich befinde ich mich leider nicht im MRR-HQ und kann leider nicht auf die größte Plattensammlung des Planeten zurückgreifen.
Umso schöner, dann auch noch die Finger auf Releases zu bekommen, die so leicht nicht zu bekommen sind und einen ganz schön weiten Weg hinter sich haben.

Color Tv – Demo 7″ (Drunken Sailor)

Eine Punkband, die nur Singles veröffentlicht und eine davon besser als die andere hat schon mal mein Herz gewonnen, definitiv. Color Tv sind nicht plötzlich aufgetaucht, sondern haben bereits bei Bands wie Cheap Time und den unterschätzten Welcome Home Walker mitgewirkt. Also wer auch nur im Entferntesten etwas mit den Liquids anfangen kann, liegt auch bei dieser Band nicht falsch, auf die ich zum ersten Mal aufmerksam wurde, nachdem ich mir den Deranged Sampler heruntergeladen hatte und meinen Mp3-Player mit den Songs bestückte. Immer wieder holperte Dj-Random dabei über den Song „Meat Wagon“, der einfach Alles wiederspiegelt, was guten garagigen PowerPop ausmacht. Also mal schnell auf die Suche gemacht und schwupps, die spukhafte Fernwirkung funktioniert wieder mal ganz ausgezeichnet, bei ETT im Mailorder entdeckt. Zwar nicht die Single auf Deranged, aber, was fast noch besser ist, die Demo 7″ auf Drunken Sailor, eines der Label, die gerade einfach nur gute Releases raushauen. Ich kann, will und werde Menschen nie verstehen können, denen so etwas nicht gefällt. Für mich sind diese 4 Songs die Quintessenz, was guten Punkrock ausmacht. Schön dreckig, schnell und poppig. Warum nur tun sich gerade hier so viele Menschen so schwer damit, das auch zu erkennen?
Punkrock muss nicht zwangsläufig scheiße, testosteron-schwanger, verkrampft emotional oder einfach nur deutsch-dümmlich sein. Da draußen ist noch viel mehr, das nicht nur durch diese super-eingefahrene Brille betrachtet werden will. Aber gegen Ignoranz ist leider noch kein Kraut gewachsen.
Eine perfekte Single, die man beim Auflegen fast schon durchlaufen lassen möchte.

Debbie Downers – Eat my skorts (Tape / Helta Skelta)

Ich finde es doch immer wieder erstaunlich, die Mechanismen dahinter zu sehen, wie einzelne Länder in den Fokus des geneigten Hörers gerückt werden, aber im Endeffekt ist das doch erst mal cool, auch wenn man sich streckenweiße dabei vorkommt, als würde man bei der Fußball-WM mitfiebern. Aber auch hier gilt’s wohl einfach nur, nicht allzu dogmatisch zu werden, sondern einfach nur zu genießen, dass coole Leute daran gearbeitet haben, Kanäle in Länder offenzuhalten, die weiter weg kaum sein könnten. Aber auch das ist wohl ein seltsamer Verdienst dieses Internets, dass es kaum mehr etwas Besonderes darstellt, wenn mal eine Band den langen Weg auf sich genommen hat, um euren Lieblingsladen zu beschallen.
Das wäre auch Debbie Downers zu wünschen, die sich zumindest zu einem Teil aus Leuten von Cold Meat zusammensetzen. Was aber genau ist das so? Ich würde es mal super-spaßigen und verspielten Rumpelpunk auf hohem Niveau nennen. Das ist sozusagen die kleine, pop-verliebte Schwester von Cold Meat. Der Vergleich zu den Petticoats ist nicht zu weit hergeholt oder generell zu den C86-Bands. Ein Tape, das Lust auf mehr macht und wieder einmal ein Spitzen-Release einer coolen Clique, die ich gerne alle mal kennenlernen würde.

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