Reviews: Gee Tee, The Sueves, Hot Snakes

Gee Tee – s/t (Goodbye Boozy)

Gee Tee sind ein Lo-fi-Traum. Das Artwork ist absolute Bombe, so auch in Shirt-Form zu haben und ich hätte zu gerne eins. Aber doch täuscht es dermaßen über den Sound hinweg. Das ist aller-drolligstes Geschreddere, bißchen wie die runtergerotzte Variante von Personal & the Pizzas oder UV Race. Gee Tee ist mehr oder weniger eine One-Man-Party, live aber mit Begleitung, oder vielleicht ist es mittlerweile auch eine eigenständige Band. Auf Anhieb ist da wenig Wahrheit im Internet zu finden, aber das klingt so dermaßen schön unterproduziert, basslastig und trotzdem oder gerade deswegen so irre gut. Nach einer Single und einer EP ist das nun also der erste Longplayer, wieder auf Goodbye Boozy. Und verdammt, ja, auch diese Band kommt wieder mal aus Australien. Das ist wirklich gruselig. Ohne Spaß, das ist wohl mein liebster Release der letzten Monate. Das macht verdammt gute Laune, ist knuffig wie Zuckerwatte auf dem Rummelplatz, fetzt schön trashig nach vorne als würde man höchst-besoffen und infantil die Box-Auto-Bude aufmischen.



The Sueves – R.I.P Clearence Event (Hozac)

Neuerdings mit Tim Thomas von den Heavy Times am Schlagzeug, sind The Sueves wohl wirklich eine der besten RNR-Bands, die aus Chicago kommen, natürlich neben den Heavy Times. Brutal fetter Rock, der mit den Makers verglichen wurde aber da ist diese fiese Protopunk-Note, die dem ganzen noch das Sahnehäubchen aufsetzt, sie in die Nähe der OBN IIIs rückt. Bei Songs wie „People Come in Waves“ oder auch „Another Town“ hält es mich kaum mehr ruhig auf dem Stuhl.
Das klingt fast schon retrospektiv aber man weiß nicht so genau wohin denn eigentlich. Klar ist da zwischendurch eine 70s Rock-Note, die aber nicht allzu sleazy, also sehr authentisch daher kommt. Auscheckenswert auch Skip Church, ihre bisherige Band. Das gefällt vom ersten bis zum letzten Song. Kommen im September auf Tour über Wild Wax Tours – vielleicht auch in deine Stadt.

Hot Snakes – Jericho Sirens (Sub Pop)

Als ich mitbekam, dass die Hot Snakes doch wieder zusammenfanden, vielleicht auch nie wirklich vom Radar verschwanden, sehr wenige, exklusive Auftritte spielten stellte sich doch ein wenig Aufregung bei mir ein, zumal, sie mit Automatic Midnight einen meiner liebsten Tonträger schufen und das wird so wohl auch bleiben. Als ich den ersten Track, Six-Wave-Hold-Down, zu hören bekam, wuchs die Aufregung ins fast unertägliche. Ein Song, wie zu ihren besten Zeiten, als wär nicht ein knappes Jahrzehnt nach ihrem letzten Release vergangen. Und nun sind also alle 10 Song auf ihrer Bandcamp-Seite zu hören und die Presse überschlägt sich förmlich vor Lobhudeleien, nicht ganz zu Unrecht. Der Sound ist nach wie vor irre fett und schafft eine dermaßen schön-verzweifelt emotionale Kante, bleibt dem Stil treu, den sie maßgebend mitbestimmten, bewegt sich also im Spannungsfeld zwischen Posthardcore und Noiserock. Auch muss niemand erklärt werden, der der Bedienung seines Computers mächtig ist, in wievielen anderen arschguten Bands die Mitglieder mitspielen. Und dann zieht man sich die Trackliste rein und stößt auf den Song: Deathcamp Fantasy. Schluck! Wie nur kann man so vieles richtig machen und dann dieser Songtitel. Also begibt man sich auf die Suche nach den Lyrics und der Kloß im Hals verdichtet sich zu einem ausgewachsenen Felsen.
„I feel preemptive forces standing in my way. Here it comes My death camp fantasy. Please don‘t self-deceive, let nature take its course. Here it comes
My death camp fantasy.“
Die Entfremdung, welche immer wieder, auch zum instrumentalen Thema bei den Hot Snakes wurde, äußert sich also in einem solchen geistigen Auswurf, einer viel tieferen Entfremdung und zwar die von der Geschichte, dass man sich manchmal doch wünschen würde, es gäbe in der Musik eine ähnliche Verfahrensweiße wie mit dem Führerschein, dass man diesen nach einer Weile einfach abgeben muss, weil es nicht mehr zumutbar ist, so jemanden auf die Straße zu lassen.
Ich würde mir wirklich wünschen, das wäre eine Form des Story-Tellings, dass da die Warte eines dummen Menschen eingenommen wird, aber ich glaube die meinen das so. Aber nicht, dass sie sich nicht in guter Gesellschaft befinden würden im Punkrock-Altenheim. Wirklich schade, dieses Album hätte so viel mehr sein können.

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