Reviews: Den, Barrows, Arrotzak

Den – Deep Cell (Paradise Daily)

Verdammt, wenn eine Band das Prädikat „Space Punk“ verdient, dann sind es wohl DEN – so viel ist gewiss.
Hatte der LSD-Bogen in der vorletzten Destruction Unit Platte schon seine fiese Daseinsbrechtigung, wäre das wohl bei dieser Platte das sprichwörtliche Ticket in den Wahnsinn. Schon das Artwork verrät, in welche Gefilde das Raumschiff aufbrechen wird. Da wird nicht mit irgendwelcher SciFi-Nostalgie herumexperimentiert, das klingt eher nach Musik, wie sie Stanley Kubrick wohl heutzutage gemacht hätte, wenn er nicht zum Film gefunden hätte, nicht „Odyssee im Weltraum“ gedreht hätte, aber ein ähnliches Gefühl umsetzen wollte: Absolute Verlorenheit im Kosmos und der damit verbundene Irrsinn – um`s auf eine pathetische Spitze zu treiben.
Schon das Intro breitet eine desolate, unbekannte, kaum zu verarbeitende Landschaft vor einem aus, saugt einen förmlich auf in die Geschichten, die darauf folgen. Aber schließlich handelt es sich hier nicht um ein Buch oder um einen Film sondern um eine Platte, aber man kann sich den Bildern und Assoziationen beim Hören nicht entziehen. Schon mit dem Vorgänger zu dieser Platte, der noch -ohne mit der Wimper zu zucken- als Postpunk an der Schnittstelle zwischen Total Control und Ice Age bezeichnet werden konnte, blitzte hier und da der Weg auf, der mit diesem Machwerk beschritten wird. Durchaus könnte man das auch Noise-Punk nennen und es ist nicht unvorstellbar wie sehr das auf ihrer kürzlich stattgefunden Release-Show gewittert haben muss, die mit u.a. ihren Labelmates Rapid Dye bestritten wurde. Genaugenommen habe ich so etwas noch niemals zuvor gehört aber es klingt durchaus vertraut und stimmig, was da gemacht wird und wenn man sich nur im Geringsten etwas verspielteren Arten des PostPunk öffnen kann und auch z.B. Bands wie His Electro Blue Voice etwas abgewinnen kann und das Alles schön verquirlt mit Synthesizer-Melodien, die jedem Arcade-Spiel mehr als gerecht werden und einem schepperndem wuchtigem Drumming, wird man an diesem bombastischen Release mindestens so viel Gefallen finden wie ich.

Barrows – Obsidion (Tonzonen Records)

Ich wage zu behaupten, Barrows hatten ein ähnliches Gefühl im Hinterkopf wie DEN, als sie sich dran machten, diese Platte zu einzuspielen. Aber das Pferd wird hier von hinten aufgezäumt und die Wurzeln hinter diesem Machwerk sind doch offensichtlich im Psychedelic Rock, wie man ihn von Neu!, Tangerine Dream oder Hawkwind kennt, zu verorten. Die einen werden hellhörig bei solchen Vergleichen, bei anderen klappen die Lauscher zu, zumal es solche Bands wie Sand am Meer gibt, die sich am Schlagzeugspiel Jaki Liebezeits orientieren, aber was Barrows über die Gewöhnlichkeit solcher Vergleiche hinaushebt ist, dass sie sich wirklich als Postrock-Band betrachten, also auch Vergleiche zu Maserati und Russian Circles nicht scheuen müssen, was immer wieder durch schweres Riffing bewießen wird, das hier und dort durchblitzt. Ich würde einfach mal behaupten, das ist Musik auf die der Postrock-Fan genauso steht wie der Psychedelic-Nerd. Geht voll klar und sollte mit einer dicken Kräuterzigarette genossen werden und dass das live schwer was hermachen muss und sich trotz der Vergleiche doch fernab vom üblichen Psychedelic-Muff bewegt, wird hier
bestens bewießen. Auf Bandcamp mit kostenlosem Download.

Arrotzak – s/t

Das Rad muss wirklich nicht immer neu erfunden und wellenartig scheinen einem die PostPunkBands nur so um die Ohren gefeuert zu werden und die Meisten sind wirklich gut und man kann sich dann oft gar nicht mehr entscheiden, ob man alle gut finden will oder einfach nur aufgibt und alle in die eigene Vergessenheit verschwinden lassen will. Auch Arrotzak sind sicherlich nicht das innovativste, das mir jemals in die Ohren kam, aber mir gefällt unheimlich gut, was die machen. Das Songwriting ist schön zurückgelehnt und unaufdringlich, die ReibeisenStimme tut ihr Übriges, um diesen Release zu einem sehr runden zu machen, der angenehmer kaum produziert sein könnte, nicht allzu pathetisch ist, sich nicht so verkauft, als wären sie die einzige Band, die solche Musik spielt, sondern einfach nur die Freude an solch ultra-melodischem Zeug durchscheinen lässt und das machen sie mehr als gut und könnten genau dadurch deine neue lieblingsband aus dieser Ecke werden. Auch mit kostenlosem Download.

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