Reviews: Dumb Punts, Make-Overs, The Devil, Christi

Dumb Punts – The Big One (Pissfart Records)

Dumb Punts sind ein anarchisches Trio aus Melbourne, das -nach ein paar Singles- nun endlich mal einen Longplayer rüberwachsen lässt und man wird beim Hören einfach nicht den Eindruck los, es mit mehreren Bands gleichzeitig zu tun zu haben, was dem Gesamt-Eindruck überhaupt nicht schadet. Aber ich muss gestehen, meine persönlichen Höhepunkte auf der Platte sind immer diejenigen, wenn die Schlagzeugerin zum Mikro greift, einfach nur weil tolle Stimme und so. Alles in Allem ist das Garagerock, der zwar nicht unheimlich überrascht, aber doch den unschuldig-unverbrauchten Spaß vermittelt, den die drei haben müssen bei ihren Auftritten und darüber hinaus. Auf Bandcamp fiel das Wörtchen Pubrock. Ja, stimmt, in manchen Stücken, aber auch süßester Power-Pop hat da genauso seine Spuren hinterlassen (Heating Up, Got it good). Man kann defintiv beim Hören der ersten Stücke auch die Großväter des -aus Australien-kommenden- Punkrocks durchhören, also im Speziellen die Cosmic Psychos mit ihren frühen Machwerken (Wer sich königlich amüsieren möchte, sollte das Ox-Interview mit den Leuten durchlesen. Erste Sahne, wie das Leben zwischen Farm im Outback und Punkrock geschildert wird.) Alles in Allem ein Album wie ein Sampler, den man für einen guten Freund aufnehmen könnte, der auf die genau gleichen Sachen steht wie man selbst. Super-entspannte sau-coole Mugge. Auch das Label mit der Fülle seiner Releases hat mir bereits einige Jauchzer entlockt.

Make-Overs – Try me (the KRNGY logo)

Na, wieviele Bands aus Südafrika kannst du aufzählen?
Die Make-Overs bestehen nicht erst seit gestern, schauen bereits auf 10 Lps und unzählige Singles zurück, von denen eine sogar den langen Weg bis nach Frankreich zu Six Tonnes De Chair Records zurücklegte. Auch Hozac wurde bereits auf die Band aufmerksam und veröffentlichte eine weitere Single. Das Goner-Fest wurde beschallt, das Blackout Fest und und und… Wenn man den Stücken lauscht kommt nicht unbedingt sofort der Eindruck auf, dass man es nur mit zwei Leuten auf der Bühne zu tun hat. Das ist ganz klar Garagepunk aber mit unglaublicher Sensibilität für die noisigen Spielarten der Musik und auch ein wenig Post-Punk in bester Wire-Tradition. Streckenweiße ein bißchen wie Lightning Bolt, nur im Garagepunk-Gewand. Eine dermaßen abwechlsungsreiche Platte, die so unglaublich viel an Einflüssen durchblicken lässt, ohne sich allzu sehr in den Referenzen zu verlieren. Über die ganze Spanne all ihrer Releases wird hier so viel Druck aufgebaut, wie er nur unfassbar schwer zu zweit auf ein Album zu bannen ist und noch viel schwerer live zu bewerkstelligen ist. All die Skeptiker, die Duos nichts abgewinnen können, werden wohl spätestens mit den Live-Videos
bekehrt werden und wenn man sich so langsam zum absoluten Fan entwickelt, kann man sich auch noch das epische Interview in Buchlänge auf This is Psychedelic Baby durchlesen. Irre Band!!! Dass die beiden ein Paar sind, macht das Ganze nur noch sympathischer.

The Devil – The Devil

Chef-Zyniker Ben Wallers ist ein ewiger Tunichtgut, spielte nicht nur über Dekaden bei den Country Teasers, sondern ist mittlerweile auf Solopfaden unterwegs als The Rebel. Den wenigsten Menschen dürfte aber sein weiteres Projekt bekannt sein, dass, wenn man der Aussage auf Bandcamp trauen kann, eigentlich als reine Live-Band konzipiert war, aber auf Drängen 2013 ein paar Studioafnahmen rausrückte. Dass der Gesang Wallers nicht nur zum verschrobenen Sound der Country Teasers passte, sondern auch wunderbar über ein Noise-Rock-Fundament funktioniert, wird hier wunderbar bewießen. Allen Stücken gemeinsam ist die hypnotische Kante. Bei „Agatha Christie“ scheint auch wenig Affinität zu Giallo-Soundtracks und John Carpenter – artverwandtes durch. Spitzen Soundtrack für die Beerdigung deines Verstandes.

Christi – Christi 2 (Feelt it records)

Das ist nicht nur der namentliche sondern auch der musikalische Gegenpol zum vorhergehenden Review. Christi erinnern ab den ersten Tönen sofort an eine weniger aufgedrehte Variante von Shannon & the Clams. Wer nie genug der Beach-Boys-Referenzen haben kann, ist da wirklich mindestens so gut aufgehoben wie ich- Natürlich ist das kitschig, natürlich ist das süß. Das ist genau die Art von Musik, die Affen wie dich zum Krieg animieren, um deine Trueness nicht einzubüßen.
Diese Band lässt wirklich keine Wünsche offen, und trotz Aller offenkundingen Refrenzen, wirken all die Stücke dermaßen eigenständig und man könnte sie ohne weiteres den Detroit Cobras zum covern unterjubeln oder auf eine der unsäglich vielen Compilations der 60er schmuggeln, ohne, dass das den meisten auffiele. Falls ich im nächsten Leben doch mal in die Staaten kommen sollte, ist das wohl genau die Band die ich auf Kassette hören möchte, wenn ich einem sprit-fressenden Schlachtschiff den Highway entlang düse und heftiges Indianer-Gras rauche – in der Reihenfolge.

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