Reviews: BoyToy, Sauna Youth, Coteau Latex, Rotten Mind


Boy Toy – Night Leaf (Papercup Music)

Einiges hat sich getan bei BoyToy. Mittlerweile spielt Lena Simon (La Luz) Bass bei ihnen und Chase Noelle (Thelma and the Sleaze) sitzt an den Drums.
Waren die Vorgänger-Alben schon ziemlich stark, vielleicht etwas verspielter, gefällt mir dieses, das neue Album dann doch am Besten. Man muss dazu vielleicht nochmal erwähnen, dass diese Band aus Brooklyn stammt und das Album in seiner Gänze wirkt wirklich wie an die Stadt und seine schönsten Nischen angeschmiegt. Der Americana-Anteil wurde etwas zurückgeschraubt, das Tempo auch. „Laid Back“ klingt einfach viel viel schöner als zurückgelehnt und genau das ist diese Lp. Herrlich verkifft ist der Sound, lässt eine Spur mehr Soul zu und man würde sich wirklich wünschen, das über Kopfhörer zu hören, wenn man durch Brooklyn flaniert und sich von dieser Stadt aufsaugen lässt. Wunderbare Pop-Musik, die sich dermaßen gut eingependelt hat.

Sauna Youth – Deaths (Upset The Rhythm)

Sauna Youth und ihr ganzes Umfeld an einzigartigen Bands wurden wirklich zu einer meiner Liebsten und dermaßen groß war die Vorfreude auf diese, ihre neue LP. Percentages, der erste Song, den es vorab zu hören gab, zeigt ganz gut auf, wohin mit dieser Platte gesteuert wird. Die Songs haben an Eingängigkeit nicht eingebüßt, aber es kommt ein gehöriger Tacken Noise dazu, der der Band wirklich gut zu Gesicht stehen will und den Hörer immer wieder aufrüttelt, die Getriebenheit der Band und ihre besungenen Thematiken, die dermaßen smart und teils kryptisch sind, nochmals lauthals unterstreicht. Vielleicht wirklich etwas sperriger als die Vorgänger aber auch dadurch etwas düsterer und (be)drückender geraten, aber nicht weniger geeignet zum kompletten Ausrasten. Alleine der Song „In Flux“ zeigt auf, wieviel man in einen Song packen kann, ohne diesen zu überladen. Das hat immer noch so viel poppige Eingängigkeit wie die Vorgänger, aber die Gitarren wurden schneidender, das Songwriting noch ausgefeilter. Der abwechselnde Gesang macht das Ganze nur noch abwechslungsreicher und die Songs peitschen einen so schnell durch die 27min, werden immer verrückter, schneller und zermalmender, dass einem wirklich schwindlig dabei werden möchte und „No Personal Space“ ist dazu geeignet, deine überteuerte HiFi Anlage in die Knie zu zwingen. Einer DER Releases dieses Jahres.

Coteau Latex – Decadanse EP (Wavin Hands)

Lise Sutter und Seth Sutton legen mit dieser Ep nach der Single auf Goner nochmal nach und wühlen sich weiterhin ganz tief in die aller-beste Tradition des Minimal-Synth und präsentieren super-verwehte Songs, die dermaßen schön und schwermütig geraten sind, herrlich vor sich hin wabern und mit den Refrenzen an beste Zeiten des Cold Waves nur so um sich ballern und damit überhaupt nicht auffalen würden auf aktuellen Samplern wie „Minimal Wave Tapes“ oder „Cold Wave & Minimal Electronics“. Aber mal ehrlich, was anderes will man erwarten, wenn sich zwei großartige Songwriter zusammenschließen und das über den großen Ozean hinweg? So minimal, kalt und elektronisch das ist, mir wird dabei warm ums Herz!

Rotten Mind – Fading into Oblivion (Lövely Records)

Schon mit dem Vorgänger wurde das Soundspektrum bei Rotten Mind nochmal erweitert, die powerpoppige Teenager-Verzweiflung machte Platz für adoleszentere Klänge und eine Ecke mehr Postpunk, geriet dadurch düsterer als „I‘m alone, even with you“.
Umso gespannter durfe man da sein, als bekannt wurde, dass an einem neuen Album gearbeitet wird und die Jungens enttäuschen nicht, legen noch einen Tacken zu, was schlechte Stimmung angeht und lassen teilweiße auch Affinitäten zu Goth-Rock durchscheinen. Zwar vermiss ich schon ein wenig die Schmissigkeit und die Hit-Dichte der ersten LP aber was in der vorhergehenden LP noch angetestet wirkte, scheint hier zur Perfektion gebracht zu werden und man wir nicht selten ein wenig an Cat Party erinnert. Das ist wirklich verdammt melancholische Musik geworden aber die Verzweiflung, die durch die Songs transportiert wird, wirkt keinesfalls pathetisch und aufgesetzt, wie es bei Ausflügen in dunklere Gefilde der Musik schnell mal passieren kann. Das ist immer noch Post-Punk, wie er auch von The Sound stammen könnte, würden sie heutzutage Musik machen, aber mit der unverwechselbaren Note, die Rotten Mind eigen ist. Gefällt sehr gut und fast einen Tacken besser als der Vorgänger.

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