Reviews: Slift, Modern Convenience, Lost Talk, Mind Jail, No Love, Viagra Boys


Slift – La Planète Inexplorée (Howlin Banana Rds / Stolen Body Rds / Exag‘ Rds/ Six Tonnes de Chairs Rds and Rockerill Rds)

Heavy psych at its best!! Ich liebe es, wenn eine Band eine runde Sache abliefert. Erst mal sticht natürlich das wunderbare Artwork ins Auge, für das sich wieder Pierre Ferrero (Le Pecheur) verantwortlich zeigt. Dem Titel der Platte entsprechend wird man dabei an 60er Sci-Fi-Romane erinnert.
Schon bei dem ersten Track wird auf allen Ebenen gezaubert und das ist meilenweit vom George-Harrison-Sitar-Mief entfernt, sondern erinnert eher an ein ausgeufertes LSD-Bacchanal für das ein x-beliebiger Kenneth Anger-Streifen die Bilder liefern könnte. Natürlich kann man sofort durchhören, was da in letzter Zeit so von den Jungs gehört wurde, aber die Instrumente machen immer wieder mal Ausflüge in Bereiche, die zwar schon von Can und Konsorten erforscht wurden, aber hier mit genug Dynamik aufgearbeitet werden. Für das Mastering der Songs wurde kein Geringerer als Jim Diamond herangezogen. Vom ersten bis zum letzten Ton wird hier eine Platte abgeliefert, die durscheinen lässt, warum diesem Spross der französischen Garagepunk-Szene gerade so viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.

Modern Convenience – So so modern (What’s for breakfast records)

Der Stil von Mikey B.´s Modern Convenience ist ein sehr eigener und schon von den ersten Tönen an zu erkennen. Wie bei den Vorgängern wurde auch hier wieder das gesamt Instrumentarium komplett von ihm alleine eingespielt. Das ist nicht mehr gar so hibbelig wie bei den Vorgängern, auch wenn die Gitarre streckenweiße immer noch wie ein aufgeregtes Insekt klingt, was zu einem Markenzeichen der Band wurde. Fast schon will man dem irgendein eigenes Prädikat geben. Minimal RnR vielleicht oder einfach nur Garagerock?? Wie auch immer. Das Album erschließt sich eben dadurch nicht unbedingt beim ersten Hören, sondern brauch seine Zeit, bis man sich an so minimalen Sound gewöhnt, den zum Beispiel auch schon die Chrome Cranks zelebrierten. Das ist sehr sumpfig geraten und fliegt machmal doch vielleicht zu sehr unter dem Radar der eigenen Fähigkeiten, die bei den Highlights „Kick the hornet’s nest“ und „Run to the mirror and look“ erst wirklich ausgelebt werden. Jeder, der die Band schon mal live sah, weiß, dass das seine Energie erst wirklich auf der Bühne herauskehrt. Für das Artwork zeigt sich Tausendsassa Mac Blackout verantwortlich.

Lost Talk – Symbol/Signal (Spooky Records)

Was nur passiert gerade in Australien? Zu gerne würde ich die Dynamiken dahinter verstehen können, die einen Nährboden für so viele gute Bands und einen scheinbar allumfassenden schöpferischen Ausbruch schaffen. Was auch immer da gerade los ist und ob die Bevölkerung Australiens wirklich von Außerirdischen durch ausschließlich kreative Köpfe ersetzt wurde, steht einfach mal in den Sternen.
Lost Talk bilden da keine Ausnahme und präsentieren Noise-, Mathrock der herrlich atypisch ist. Immer wieder werden die gängigen Strukturen und Gitarrensounds, die dem Genre anhaften aufgebrochen und vertrackte, unebene Wege beschritten, die dieses Album zwar nicht zu einem einfach hörbaren machen aber dafür zu einem umso Interessanteren. Über Allem bewegt sich die Stimme, versucht hier und da mal mit den beiden Gitarren mitzuhalten, überschlägt sich und scheint das ganze Spektrum auszuloten, zu dem eine menschliche Stimme fähig ist, aber immer bewegt sie sich doch fast schon abgelöst vom Ganzen und erinnert mich an den Betrunkensten auf einem Konzert, der sich meistens ausgerechnet mich aussucht, um jemanden vollgequatscht zu haben, während man eigentlich viel lieber hören würde, was die Band so treibt. Beide, sowohl Instrumente, als auch Gesang scheinen gegeneinander anzugehen, versuchen sich gegenseitig den Schneid und die Gunst des Hörers abzukaufen, was das Alles zu einem so außergewöhnlichen Release macht. Würde mich interessieren, wie das live so ist.

Mind Jail – Parole

Schon bei „Feature“ saß Jen (Sauna Youth) an den Drums. Nun also auch bei Mind Jail, die hier eine Poberaum-Aufnahme präsentieren. Der Sound ist natürlich noch nicht mit einem Studio-Album zu vergleichen, aber lässt durchaus durscheinen, dass da gerade was ziemlich Gutes am Entstehen ist. Der zweite Song, „No Feelings“ erinnert mich so dermaßen an „Meat Wagon“ von Color Tv und auch ansonsten werden hier etwas schummrigere PowerPopSongs präsentiert und ich bin wirklich gespannt, was da noch so Alles passieren wird in naher Zukunft. Gefällt jetzt schon ziemlich gut.

No Love – Choke on it (Sorry State)

No love halten ein, was die Natterers versprechen. Schön retrospektiver 80er Hardcore, der seine Entsprechung auch schon in Bands wie den Night Birds fand. Nicht immer muss das Rad neu erfunden werden um einen schöne Platte zu kreieren. Herrlich unaufgeregt, rockiger Hardcore Punk, der immer geht!

Viagra Boys – Street Worms (Year 0001)

Ok, erst waren da die Sleaford Mods, dann Frustration, die Idles und jetzt halt diese Band mit dem knackdoofen Namen. Musikalisch wird da einiges aufgefahren und Disco-Funk trifft auf Post-Punk gemischt mit der „Working-Class“ Ästhetik, die auch den genannten Bands eigen ist. Eine Männer-Truppe, die man am Besten nicht anpöbelt im lokalen Pub, die man aber schon mal fragen kann, wo es das beste Dope gibt. Versteht ihr, was ich meine? Die Band würde auch super ohne ihr runtergerotztes Macker-Image funktionieren, aber wahrscheinlich ist das schon als Persiflage gedacht. Trotzdem muss ich dabei irgendwie an Hipster-Barbiere in Großstädten denken, die sich als letzter Rückzugsraum für „richtige Männer“ verstehen. Dabei ist das aber wirklich großartige Musik geworden, die auch streckenweiße sehr humorvoll ist und sich irgendwie auf den gemeinsamen Feind „Sport“ eingeschossen hat, was jetzt auch nicht wirklich neu ist bei Leuten, die sich lieber an Instrumenten als an der Streckband abmühen aber eigentlich die selben selben Bedürfnisse damit kanalisieren. Höchstwahrscheinlich alles nur Image, aber ein unnötiges, auch wenn sie es teilweiße wirklich schaffen, das ernst-gemeintere Image von Bands wie den Idles zu untergraben, deren Hype ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Wie auch immer. Die Musik ist eigentlich wirklich gut und die Videos, die man im Netz finden kann brachten mich zum Lachen.

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