Reviews: Color Tv, Wall, Bugg, Casual Hex


Color Tv – s/t (Deranged Records)

Color Tv scheint es bei Deranged gefallen zu haben und veröffentlichen nach 3 superben Singles heute ihren ersten Longplayer. Spätestens jetzt sollte ich wohl mit nerdigem Wissen auftrumpfen, ich kann aber wenig mehr erzählen, das ich nicht schon schon zum Besten gab. Das klingt immer noch nach Leuten die Steve Adamyk Band genauso feiern wie die Liquids oder die Carbonas. Das erinnert mich dermaßen an verschwitzte Nächte in Kellergewölben oder runtergerockten Proberäumen, völliges Ausrasten bei Bands, auf die man sich Monate im Vorhinein freute und so viel Schweiß an Decke und einem selbst, dass es unmöglich wurde, sich zwischendurch mal eine Kippe zu drehen, das Blättchen zwischen den Fingern zerfiel. Wer seinen PowerPop gerne richtig tight hat und auch Ausflüge Richtung PopPunk nicht scheut, muss sich die Songs noch nicht einmal anhören, sondern kann direkt zur Tat schreiten und sich die Platte bestellen, für den Tag der Ankunft seine besten Freunde einladen und einen Kasten Bier kaltstellen. Stell dir einfach vor, es gäbe das Internet nicht und nicht alle könnten augenblicklich an dem Scheiß über ihre Smartphones teilhaben, sondern müssten wirklich noch den- oder diejenige besuchen kommen um sich die neuesten Platten anhören zu können. Wer doch noch bißchen mehr wissen will, hier gehts lang
zum Review über ihre Demo 7″

Wall – Untitled (Wharf Cat)

Warum hat mir noch nie jemand von dieser phantastischen Band erzählt? Als der Longplayer erschien, spielten sie leider schon nicht mehr zusammen.
Ich kann nur mutmaßen mit welchem Umstand das zusammen hing aber nicht alle Informationen müssen post mortem über eine Band ausgeschlachtet werden. Trotzdem bleibt ein Kopfschütteln zurück… Aber das sag ich euch nicht, wirklich nicht. Der ganz normale Wahnsinn halt. Trotzdem wundere ich mich immer wieder über manche Dinge. Zum Beispiel auch darüber, warum die Hauptdarstellerin von „The Handmaids Tale“ bei Scientology ist. Manche Dinge finden in meinem Kopf einfach nicht zueinander. Trotzdem frage ich mich dann schon mal, warum gerade immer an MusikerInnen und SchauspielerInnen die Erwartungen so scheiß hoch sind? Vielleicht weil sie unsere Ritter sind, die Menschen zu denen wir aufblicken wollen, in denen wir die Ideale sehen wollen, nach denen wir streben, weil sie auf einem Feld wirklich großartige Arbeit leisten und wir automatisch die Erwartung haben, dass sie in allen Lebensbereichen ähnlich Großes vollbringen, geradezu perfekt sind? Nein, ich hab grad keinen Bock mir diese Band auch noch madig zu machen und sage euch da schon eher, dass sie sich positiv auf Lydia Lunch bezieht, aber trotzdem weit davon entfernt ist, eine No Wave Band zu sein, teilweiße eher daher kommt, wie Velvet Undergrounds „Venus in Furs“ auf Albumlänge und das mindestens genauso sinister. Gepaart mit PostPunk der alten The Fall Schule. Elisabeth Skadden, die Bassistin, spielte schon bei der Band mit dem grandiosen Namen Finally Punk, welche Releases auf u.a. M´lady’s hatten, sich in bester Tradition der Raincoats und Petticoats bewegten und weiter in der Band Keepsies, welche sich einem 60er Sound, den Shangri-Las nicht unähnlich, verschrieben. Zeit ihres Bestehens erlebten Wall einen Hype, wie ihn sich wahrscheinlich alle Bands wünschen und die Rezensionen überschlugen sich förmlich und man kann dem nur zustimmen. Diese Platte ist wirklich nahe dran, perfekt zu sein.

Bugg – s/t (Popwig)

Hätte nie gedacht, ich würde doch nochmal eine Grunge-Band reviewen. Eine musikalische Phase in meinem Leben, die ich lange versucht habe zu verdrängen. Und was hast du getan, als Kurt Cobain starb? Zu der Zeit schien ich der Einzige in meiner Klasse gewesen zu sein, der ihn nicht kannte, aber ich bekam sehr wohl mit, dass meine damalige Dealerin wirklich betroffen war und deswegen von allen aufgezogen wurde. Aber genug des Nirvana-Bashings, hehe. Hätte ich dir nicht erzählt, dass das wirklich Grunge ist, wäre dir das vielleicht auch gar nicht aufgefallen, bestimmt auch nicht durch das Artwork oder den ersten Song, der Bleached heißt. Komm schon, es gibt schlimmere Spielarten der Musik. Und Bugg klingen wirklich so, wie Nirvana vielleicht hätten klingen können, wenn sie andere Drogen oder gar keine konsumiert hätten. Aber so sehr erinnert mich das wirklich nicht an die Art von Grunge, die wir damals hörten. Niemand erzählte uns, dass Mudhoney oder die Screaming Trees da wirklich Mehr und Besseres leisteten und Nirvana jeden einzelnen Tag auf ihrer Tour mit Sonic Youth von diesen an die Wand gespielt wurden. Aber zurück zu Bugg, welche sich auch wirklich nahe an der Schnittstelle zu 90er Poppunk befinden. Für mich fühlt sich das rundum gut an. Eine Platte, die mit keinem einzigen Ton wirklich überrascht, die nicht weh tut, keine verspielten Ausflüge macht. In deinen Ohren mag das der Inbegriff der Langeweile sein, aber für mich ist das wirklich ein Album geworden, das in einem Rutsch angenehm durchgehört werden kann und nur bei „Breath Slowly“ wirklich etwas aufstößt in seinen offensichtlichen Refrenzen.

Casual Hex – Zig Zag Lady Illusion (Water Wing Rds)

Das ging flott. Kaum ist die Lp erschienen ist sie auch schon komplett vergriffen. Bedeutet, die Band bekommt endlich die Aufmerksamkeit die sie verdient hat und ich möcht mich immer noch ein wenig ärgern, dass ich damals keine Show für die Leute machen konnte. Glücklicherweiße kann man auf KEXP
einen recht coolen Live-Mitschnitt bestaunen. Anscheinend ist jetzt die richtige Zeit für solche Musik und das Feld wurde von Bands wie den Lithics und Shopping geebnet, um die Aufmerksamkeit auch auf solche Art der Musik zu lenken, welche, wenn man schon einen Begriff brauch schon als „Art-Punk“ bezeichnet werden kann. Schon mit „Fleshed Out“ gefielen sie mir sehr gut und ich mag ihren rasiermesser-scharfen Gitarren-Sound, der immer wieder von hypnotischen Strukturen abgelöst wird und so dermaßen gemein mit der Aufmerksamkeit des Hörers umzugehen weiß. Der metallene Roboter-Gesang ist sehr passend für solche Art von Mugge und man fühlt sich beim Hören gerade so, als würden Aliens versuchen Kontakt zu uns aufzunehmen, so dermaßen sind die Stücke aus der Welt geschossen und sollten damit auch ärgste No-Wave-Nerds überzeugen. Die Sängerin/Gitarristin spielt wohl auch bei der ziemlich guten anderen Band Big Bite. Gefällt mir sehr gut!!

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