Witze, die nicht mehr funktionieren

„In Brasilien gibt es Karneval und Karnevalisten und in Deutschland Fasching…“
Ich kann ich mich noch gut daran erinnern, wie ich mit einer -aus Brasilien stammenden- Band im Backstage meines Lieblingshauses saß und mich über dies-das unterhielt, u.a. über die Santeria (was der eher lustige Teil war) und halt auch über die Angst vor evangelikalen Strömungen, die auch damals schon an Einfluss gewannen in Brasilien, den Staaten und letztlich natürlich auch hier. So einfach ist es halt nicht mehr, Evangelikale und andere christliche FundamentalistInnen einfach nur als „Spinner“ abzutun, die mal hier und mal da ihre Gebetsrundgänge machen, Areale von „finsteren Mächten freibeten“ möchten, oder sporadisch gegen Abtreibungen protestieren und sich ansonsten verschanzen und in Ruhe gelassen werden wollen in ihrer religiösen Eiferei.
Gerade heute scheint ihre Mission eine ganz klare zu sein und scheinbar gilt es für sie nun mit allen Mitteln, das „christlich-abendländische Land“ und seine „Werte“ zu verteidigen. Dass sich Evangelikale und AfD nicht selten des gleichen Jargons bedienen ist nicht wirklich dem Zufall geschuldet. Die „Werte“ von denen beide reden, stimmen allzu oft überein und meistens -wie bei der Afd nunmal auch- versteckt sich beispielsweiße hinter der „Islamkritik“ schlicht Rassimsus und generell ein ultrareaktionäres Weltbild, in dem im Zweifelsfall nur noch Platz für heterosexuelle, weiße, Christen ist und gerade in Brasilien scheint „The Handmaid`s Tale“ keine allzu ferne Dystopie mehr zu sein. In der letzten Konkret-Ausgabe wurde in zwei Artikeln das Thema anhand von Brasilien und den USA immer wieder angeschnitten:

Zu Bolsonaro: (Konkret 12/2018, Kanditat der Märkte)

„[…] Kapital, Militär, Großgrundbesitz – fehlt nur noch die Kirche, um das leibhaftige Klischee eines Faschisten zu komplettieren, das einer plumpen, linken Karikatur entsprungen sein könnte. Die katholische Kirche in Brasilien gilt noch immer als eine Bastion der Befreiungstheologie. Längst hat jedoch ein massiv geförderter US-Import rasanten Zulauf in dem lateinamerikansichen Land: Die erzreaktionären evangelikalen Kirchen, die den Hass Bolsonaros auf sexuelle Minderheiten, den laizistischen Staat und die brasilianische Linke teilen. Inzwischen bekennen sich rund 25 Prozent der Bürger/innen Brasiliens zu den straff organisierten Sekten der „Pfingstbewegung, die 100 der rund 500 Abgeordneten im brasilianischen Parlament stellt. Diese evangelikale Front würde „systematisch mit konservativen Abgeordneten“ abstimmen mit „Leuten aus dem Agrobusiness etwa oder der Waffenindustrie“ erklärte ein linker Abgeordneter des brasilianischem Parlaments gegenüber dem Deutschlandfunk. Mittels eines Firmenkonglomerats um Record TV, den zweitgrößten Fernsehsender Brasiliens, sowie weitverzweigte soziale Netzwerke, die vor Allem in die Favelas hineinreichen, konnten die Evangelikalen auch viele Arme für Bolsonaro gewinnen. Laut der US-Zeitschrift „Forbes“ zählt der Gründer der „Universal-Kirche des Reiches Gottes“ Edir Marcedo, mit einem Vermögen von einer Milliarde US-Dollar zu den reichsten Evangelikalen der Welt. Der gut finanzierte Religionskonzern Marcedos verteilt schon mal Lebensmittel in Armensiedlungen oder hilft in Not geratenen Sektenmitgliedern bei der Jobsuche. Neben den Einkünften aus dem Fernsehgeschäft, aus Verlagen, Radiosendern, Reiseagenturen, Banken und Immobilien ist es der Zehnte, den alle Sektenmitglieder an Macedo abführen müssen, der der „Universal-Kirche des Reiches Gottes“ den finaziellen Spielraum verschafft, enormen politischen Einfluss zu gewinnen.[…]“

Zu Trump: (Konkret 12/2018, The Carawahn)

„[…] Evangelikale Christen sind die vielleicht wichtigste Unterstützergruppe Donald Trumps. Sie unterstützen zwar den jüdischen Staat, unter Anderem, weil sie glauben, dass das jüngste Gericht erst dann kommt, wenn die Juden nach Jerusalem zurückgekehrt sind. Theologisch sind sie aber nach wie vor gegen das Judentum eingestellt.[…]“

Klingt durch und durch panne und ist es auch, In der Angst vor Allem, was der weiße-christliche-heterosexuelle Mann nicht versteht, sind „heilige“ Allianzen aus christlichen FudamentalistInnen und Politik leider nicht wirklich verwunderlich, aber umso gefährlicher. Klassisch rechte Feindbilder scheinen Autokraten, klare Faschisten, Neurechte und eben auch Evangelikale in allen Ländern zu verbinden.
Und in Tübingen so? Hier kann man sich von der T.O.S. (Tübinger Offensive Stadtmission) von seiner/ihrer Homosexualität gesundbeten lassen. Schon klar, ne? Auf leeren Magen kaum zu ertragen aber wenn dir danach ist: Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland – Die Story im Ersten – ARD (ab Minute 30:46 geht’s um die T.O.S)

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